Verstappen gibt den fiesen Pistenrüpel

Formel-1-Premiere in Dschidda: Hamilton siegt in knallharter Wüstenschlacht

Lewis Hamilton gewinnt in Dschidda trotz fiesem Foul von Max Verstappen
Lewis Hamilton gewinnt in Dschidda trotz fiesem Foul von Max Verstappen
© AP, Hassan Ammar, DV

06. Dezember 2021 - 1:39 Uhr

Hamilton bleibt Herrscher in der Wüste

Beinharte Zweikämpfe der WM-Rivalen, Rennabbrüche, Basar- und Strategiespiele und ein böses Foulspiel - die Formel-1-Premiere in Saudi-Arabien bot sensationelles Motorsportspektakel, möglicherweise an der Grenze des Reglements und mit einem Nachspiel für Max Verstappen. Nach insgesamt drei Starts, mehren Führungswechseln und einem grenzwertigen Ausbremsmanöver von Verstappen brachte Mercedes-Mann Lewis Hamilton den Sieg ins Ziel auf dem Dschidda Corniche Circuit.

Verstappen nachträglich bestraft

Hamilton bleibt damit Herrscher der Wüste: Für den Mercedes-Mann war es der 3. Sieg beim 3. Wüstenrennen der Saison. Mit seinem hart erkämpften Triumph zog Hamilton in der WM-Wertung mit seinem Rivalen Verstappen gleich. Der Red-Bull-Star kassierte nach dem Rennen zwar noch eine 10-Sekunden-Strafe, behielt aber seinen 2. Platz. In der WM bleibt er Spitzenreiter, weil er einen Sieg mehr auf dem Konto hat als Hamilton. Damit kommt es am kommenden Wochenende in Abu Dhabi zum finalen Showdown: Wer von beiden PS-Alphatieren vor dem anderen in den Punkterängen ins Ziel fährt, ist Weltmeister.

Vettel und Schumacher ausgeschieden

Rang drei beim Flutlicht-Spektakel am Roten Meer sicherte sich Hamilton-Adjutant Valtteri Bottas auf den letzten Metern gegen Alpine-Pilot Esteban Ocon. Sebastian Vettel musste seinen Aston Martin nach mehreren Kontakten mit Kontrahenten vorzeitig abstellen. Haas-Pilot Mick Schumacher schied nach einem Crash in die Streckenbegrenzung aus - mit dem er die eigenartige Dynamik dieses 21. Saisonrennens in Gang setzte.

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Der Dschidda-Krimi im Zeitraffer

Start: Aus Reihe 1 kommen Pole-Mann Hamilton und Wingman Bottas schnell in die Puschen, auch Verstappen zeigt eine gute Reaktionszeit, hat aber keine Chance, an einem der Schwarzpfeile vorbeizuschlüpfen. Hinten im Feld macht Vettel von Startplatz 17 zwei Plätze gut, Schumacher von Platz 19 eine.

Runde 10: Mick Schumacher crasht in Kurve 22 – der Haas-Rookie räubert zu stark über die Randsteine, rutscht von der Strecke und schlägt seitlich hart in die Streckenbegrenzung ein. Die Rennleitung schickt sofort das Safety-Car auf die Strecke. Kurz darauf gibt Schumacher aus dem Cockpit Entwarnung: Er sei okay – und funkt eine Entschuldigung hinterher.

Runde 11: Mercedes will die Safety-Car-Phase nutzen, beordert Hamilton und Bottas zum Boxenstopp und verpasst beiden einen Satz harte Reifen. Das heißt, sie könnten nun theoretisch ohne weiteren Stopp bis zum Ende durchfahren. Verstappen bleibt auf der Strecke und übernimmt damit die Führung.

Erster Rennabbruch

Runde 13: Rote Flaggen – die Rennleitung entscheidet sich den Grand Prix zu unterbrechen, um die demolierten Tecpro-Banden an der Unfallstelle sicher reparieren zu können. Nutznießer ist Verstappen – denn dessen Reifen dürfen während der Pause in der Boxengasse gewechselt werden. Hamilton wettert im Funk, beschwert sich über den Rennabbruch und hadert mit dem Reifenwechsel.

Runde 14: Nach einer knapp 15-minütigen Unterbrechung geht es weiter – Verstappen fährt am Ausgang der Boxengasse mit einem Startversuch los. Das ist eigentlich verboten und Hamilton petzt sofort über Funk. Auf den Weg in die Startaufstellung beschwert sich Verstappen darüber, dass Hamilton zu langsam fährt und eine zu große Lücke aufreißen lässt.

Feilschen wie auf dem Basar

Runde 15/Re-Start: Hamilton kommt beim stehend Re-Start wesentlich besser von Platz 2 weg als Verstappen auf 1 und beschleunigt seinen Rivalen bis zur ersten Kurve aus. Verstappen hält brutal dagegen, kommt von der Strecke ab, zieht aber sofort zurück aufs Asphaltband und Hamilton vors Auto. Der Weltmeister geht vom Gas, um einen Unfall zu vermeiden. Das nutzt Alpine-Pilot Ocon, um auf Platz 2 vorzustoßen.

Dahinter kracht es erneut: Leclerc ist links an der Bande eingeklemmt und kann Perez nicht mehr ausweichen, als der Mexikaner noch weiter nach links zieht. Perez schlägt ein und dreht sich. Vom plötzlichen Bremsen seiner Vorderleute ist Haas-Pilot Nikita Mazepin so überrascht, dass er selbst nicht mehr verzögern kann und Williams-Mann George Russell voll in die Karre rauscht. Die Folge ist ganz viel Karbonschrott auf der Strecke und erneut Rote Flaggen.

In der Pause vor dem zweiten Restart wird gefeilscht wie auf dem Basar: Die Rennleitung bietet Red Bull an, den Vorfall beim ersten Re-Start nicht von den Stewards untersuchen zu lassen, wenn Verstappen bereit ist, bei Wiederaufnahme des Rennens hinter Hamilton von Platz 3 zu starten. Die Bullen gehen auf den Deal ein. Damit lautet die Startaufstellung: Ocon vor Hamilton und Verstappen, Bottas folgt auf Position 5, Vettel ist zu diesem Zeitpunkt 10.

Verstappen mit Wahnsinnsmanöver zurück an die Spitze

Runde 17/Re-Start: Verstappen katapultiert sich von Startplatz 3 auf Medium-Pneus an den hart-bereiften Hamilton heran und quetscht sich in Kurve 1 innen am Mercedes-Mann vorbei – ein Wahnsinnsmanöver. Ocon muss neben die Strecke und macht es wie zuvor Verstappen beim ersten Re-Start – doch der Franzose gibt die Führung sofort an den Niederländer zurück. Mit Ocon als Prellbock kann sich Verstappen einen Puffer gegen Hamilton herausfahren.

Runde 18: Lange kann Ocon Verfolger Hamilton nicht aufhalten – der Weltmeister krallt sich den Alpine-Mann und macht sich sofort auf die Jagd von Verstappen.

Runde 23/24: Virtuelles-Safety-Car – Verstappen kann kurz durchschnaufen, weil die Abstände konserviert werden. Auslöser der Rennneutralisation ist Yuki Tsunoda, der mit Vettel aneinandergerät und sich dabei seinen Frontflügel ruiniert.

Runde 27/28: Das nächste Virtuelle Safety-Car – auf der Strecke liegen jeden Menge Karbonteile, die unter anderem Vettel verteilt hat. Der Aston-Martin-Mann hatte unnachgiebig seinen Kumpel Kimi Räikkönen von der Piste gedrängt und dabei dessen Alfa Romeo touchiert.

Verstappens fieses Foul

Runde 37: Nach einer weiteren kurzen Virtuellen Safety-Car-Phase einen Umlauf zuvor ist Hamilton ganz schnell dicht dran an Verstappen. Auf Start-und-Ziel attackiert der Mercedes-Mann und zieht vorbei – doch Verstappen behauptet die Innenkurve, drängt Hamilton von der Piste, verlässt aber ebenfalls den Asphalt und bleibt so vorne.

Der Red-Bull-Kommandostand fordert Verstappen auf, Position 1 an Hamilton zurückzugeben. Daraufhin verlangsamt der Niederländer plötzlich – zu Überraschung von Hamilton, der seinem Konkurrenten fast ins Heck rauscht. Beim Ausweichmanöver reißt er sich die Endplatte seines Frontspoilers ab. In der Mercedes-Box rastet Teamchef Toto Wolff komplett aus und feuert seinen Kopfhörer weg.

Runde 42: Nach viel hin und her am Funk zwischen der Rennleitung, Mercedes und Red Bull macht Verstappen endlich Platz für Hamilton – kontert jedoch sofort und übernimmt wieder die Führung. Kurz darauf gibt die Rennleitung bekannt: Verstappen erhält einen 5-Sekunden-Zeitstrafe. Nach dem Rennen sprechen die Stewards eine weitere 10-Sekunden-Strafe gegen den 24-Jährigen aus.

Runde 44: Jetzt überlässt Verstappen die Führung doch noch Hamilton, der setzt sich sofort ab.

Runde 46: Nicht geht mehr bei Vettel. Der viermalige Champion parkt seinen derangierten Aston Martin in der Box.

Runde 48: Hamilton schnappt sich noch die schnellste Rennrunde und setzt sich weiter ab. Verstappens Reifen sind durch, ein weiterer Stopp aber ist nicht drin, sonst wäre Platz 2 in Gefahr – da hilft nur durchbeißen.

Runde 50: Hamilton bringt seinen 103. Saison-Sieg trotz demoliertem Frontflügel am Ende ungefährdet ins Ziel. Teamkollege Bottas schnappt sich Dank DRS kurz vor der Linie noch Ocon und sichert sich so als Dritter noch die Teilnahme an der Siegerehrung. (wwi)