Hamburger Kita will Diskriminierung verhindern

Kommentar von Eva Imhof: Indianer-Kostüm-Verbot? Seid ihr jeck?!

© Eva Imhof/RTL.de

6. März 2019 - 16:12 Uhr

Bin ich jetzt eine Anti-Mutter im Feld der Political Correctness?

Ich fühle mich ertappt: Meine Tochter Lilly geht seit Jahren als Indianerin zum Karneval. Ups, um politisch korrekt zu sein und keine Region in Deutschland zu diskriminieren, schreibe ich lieber Karneval/Fasching/Fastnacht. Bisher war ich ehrlich gesagt immer stolz, dass sie sich für so ein cooles Kostüm entschieden hat. Ich wollte als Kind immer nur Prinzessin sein. Doch heutzutage muss man offenbar sehr vorsichtig sein: Weder das eine noch das andere sind sozial erwünscht…

Respekt und Mitgefühl müssen nicht nur an Karneval vermittelt werden, sondern immer

Die Diskussion um politische Korrektheit in Bezug auf Kostüme im Karneval ist ja nicht ganz neu. Aber jetzt hat eine Hamburger Kita Konsequenzen gezogen und Kostüme wie Indianer oder Scheich verboten. Und zwar mit dem Hinweis, man achte auf eine "kultursensible, diskriminierungsfreie und vorurteilsbewusste Erziehung".

Also, ganz ehrlich: Egal ob Kita oder Schule – ich erwarte von den Erzieherinnen und Erziehern selbstverständlich und per se, dass sie meinen Kindern Respekt, Mitgefühl und Feinsinnigkeit im Umgang miteinander beibringen – so, wie ich das auch vorlebe!

Und an Karneval? Ich frage mich ernsthaft: Fühlt sich wohl irgendein Mensch eines indigenen Volkes Amerikas (Indianer ist die geläufige Sammelbezeichnung für die indigenen Völker Amerikas – nur der politischen Korrektheit halber...) diskriminiert, nur weil dreijährige Jungs und Mädchen als Indianer verkleidet durch eine Kita hüpfen? Ist es nicht möglich, dass man einfach mal Spaß hat, sich an der Verkleidungsfreude der Kinder erfreut und das vielleicht sogar als Anlass nehmen könnte, über andere Kulturen und Völker etwas zu lernen? Ist es nicht vielleicht gerade Sinn und Zweck des Karnevals, mal kurz aus der Realität auszubrechen und der Fantasie freien Lauf zu lassen?

„Ich wäre mit meinen Kindern glatt aus einer solchen Kita rausgeflogen"

Eva Imhofs Kinder Luisa und Lilly
Eva Imhofs Töchter Lilly und Luisa haben einfach nur Spaß am Verkleiden - ganz ohne Hintergedanken.
© Eva Imhof

Und während ich das hier schreibe, spüre ich, wie sich bei mir zur Wut über einen solchen überzogenen Reglementierungsquatsch ein anderes Gefühl mischt: Ich muss laut lachen! Denn wissen Sie was?! Ich glaube, ich wäre mit meinen Kindern glatt aus einer solchen Kita rausgeflogen! Ich bin nämlich sowas wie eine Anti-Mutter im Feld der Political Correctness – unerhörterweise habe ich meine Zwillinge nämlich sogar auch noch mit Waffen ausgestattet! Sorry, aber zu einem echten Indianer gehört natürlich ein Tomahawk. Und zu einer Piratin selbstverständlich ein Säbel.

Als sie zu mir sagten: "Mama, ich glaube sowas dürfen wir nicht...!" antwortete ich: "Ihr benutzt die Dinger natürlich nicht! Die sind eh Plastik-Schrott und nur ein Gag zu Eurer Verkleidung."

„Übrigens: Nächstes Jahr will meine Tochter CowBOY werden"

Und bevor sich hier jemand aufregt: Natürlich bin ich mir bewusst, dass meine sechsjährigen Töchter sich anders verhalten als dreijährige Jungs, die natürlich mit sämtlichen Gegenständen aufeinander losgehen (könnten). Oh! Ich merke gerade: Jetzt habe ich wieder ein neues Fass aufgemacht – das "Gender-Fass"! Aber ich sage ganz offen: Egal ob Mädchen oder Junge, Mann oder Frau oder irgendwas dazwischen – grundsätzlich wünsche ich mir in unserer Gesellschaft Feingefühl, Mitgefühl und Empathie füreinander. Mir ist es in der Erziehung wichtig, dass meine Kinder beim Heranwachsen lernen, andere mit RESPEKT zu behandeln und wenn das halbwegs nur gelingt, dann können wir weiter bunte, lustige Partys feiern, uns verkleiden wie wir wollen und vor allem alle miteinander LACHEN! Mit Humor lebt sich das Leben nämlich deutlich leichter!

Übrigens habe ich an der Schule meiner Kinder so ziemlich alle Kostüme gesehen: Kleopatra, Superhelden und Heldinnen, Drachen, Einhörner/innen, Feen und Prinzessinnen und jede Menge Cowboys und Indianer – und wissen Sie was?! Die hatten einfach alle zusammen wahnsinnig viel Spaß! Es ist doch toll, wenn man wenigstens an ein paar Tagen mal komplett in eine Fantasiewelt einsteigen darf und Kostüme wählt, die man einfach nur schön findet. Mit meiner Tochter Lilly habe ich ausgemacht, dass wir uns mal ein paar Bücher anschauen, wie typische Häuptlinge früher ausgesehen haben: Für nächstes Jahr sollen nämlich noch ein paar mehr Federn dran!

Und meine Tochter Luisa war dieses und letztes Jahr übrigens abwechselnd Einhorn und Piratin und zwischendrin mal Prinzessin. Sie hat bereits angekündigt: "Nächstes Jahr werde ich CowBOY!"

Ich sage mal so: Es ist alles möglich, so lange man sein Hirn und Herz einschaltet! Sollte man übrigens generell im Leben tun...

Alles Liebe! Ihre Eva Imhof