2019 M03 6 - 17:09 Uhr

Kita verbietet Vorurteilskostüme

Der größte Aufreger zum Karneval kommt, obwohl die Zeit der Narren schon vorbei ist: Eine Hamburger Kita verbietet Indianer-Kostüme für die eigene Karnevalsparty. Eltern sollen ihre Kinder weder diskriminierend noch geschlechtsstereotyp verkleiden. Mädchen als Prinzessin und Jungen als Pirat? Bitte nicht! Doch was steckt hinter dem Verbot?

Ist in der Narrenzeit alles erlaubt?

Eine Hamburger Kita hat Eltern aufgefordert, ihre Kinder nicht als Indianer zu verkleiden. "Ich möchte Sie bitten, gemeinsam mit Ihren Kindern bei der Auswahl des Kostüms darauf zu achten, dass durch selbiges keine Stereotype bedient werden", wird die Elbkinder-Kita in der Hamburger Morgenpost zitiert.

Neben Kostüm-Klassikern wie Indianer oder Scheich wollte die Kita also auch auf andere Kostüme verzichten, die auf Vorurteilen gegenüber Hautfarbe, Geschlecht und Kultur basieren. Als Alternative empfiehlt das Schreiben der Kita Fabelwesen oder Tiere – diese Kostüme seien "diskriminierungssensible Alternativen".

Die große Mehrheit findet die Kita-Vorgaben überzogen

In unserer Umfrage findet die große Mehrheit der Leser, zurzeit 95 Prozent, das Kostüm-Verbot der Kita für völlig überzogen. Auch bei Facebook können die User das Handeln der Hamburger Kita nicht nachvollziehen. "Man verkleidet sich ja nicht als Indianer um sich lustig oder so zu machen, sondern weil man es schön findet und auch mal so sein möchte. Das ist doch ein Kompliment", schreibt ein User. Und ein anderer: "Kinder finden Indianer, Cowboys etc. toll. Und ein paar Tage im Jahr dürfen sie so jemand augenscheinlich sein. Wieso den Kindern den Spaß nehmen? Unbegreiflich."

Stellungnahme des Kita-Trägers

Auf Anfrage von RTL erklärte der Kita-Träger "Elbkinder Vereinigung Hamburger Kitas": "Wir wollen auf jeden Fall verhindern, dass Stereotype gewählt werden, die auf Rasse oder Zugehörigkeit zu einer ethnischen oder anderen Minderheit Bezug nehmen und zusätzlich negativ konnotiert sind und damit für Teile unserer Elternschaft verletzend sein könnten. Wenn man an früher durchaus übliche Verkleidungen als Afrikaner mit Baströckchen und Bananen als Kopfschmuck denkt, kann man die größere Vorsicht unserer Kitas gut nachvollziehen."

In der Kita Eulenstraße kam die Aufforderung offenbar gut an. Laut Kita-Träger haben sich die Eltern für den sensiblen Umgang mit den Kostümen bedankt. Kinder, die doch als Indianer oder Scheich verkleidet gekommen wären, wären aber "genauso willkommen gewesen".

Karneval ist sehr politisch

Die Kita Eulenstraße selbst verweist zudem auf einen Fachartikel von "Kids aktuell", in dem erklärt wird, dass es Indianer nie gegeben habe. Erst durch die Kolonialisierung und die "brutale Vernichtung großer Teile dieser Personengruppe" habe sich der Begriff für die damalige Bevölkerung Amerikas entwickelt.

Die Verkleidungen zu Karneval sollten im Mittelalter die Herrschaft für eine kurze Zeit auf den Kopf stellen. Es ging darum, sich über die Herrschenden lustig zu machen und einen närrischen Hofstaat zu gründen. Sich als Minderheiten zu verkleiden, passt demnach nicht zum Grundgedanken von Karneval.

Gleiche Diskussion in den USA

Gänzlich neu ist diese Forderung übrigens nicht: In den USA protestieren jedes Jahr Menschen für die Kampagne "My culture is not your costume" (zu dt. "Meine Kultur ist nicht dein Kostüm"). Dabei geht es darum, Kulturen nicht als Kostüm darzustellen - damit sich nicht über Stereotype lustig gemacht wird und sich niemand verletzt fühlt.