Familie erhebt schwere Vorwürfe gegen das Krankenhaus

Kölnerin (†83) verblutet nach Routine-OP - machten die Ärzte schwere Fehler?

21. Februar 2020 - 14:50 Uhr

Aus einem Routine-Eingriff wurde ein Albtraum

Es sollte ein Routineeingriff werden – doch am Ende ist Gerda D. aus Köln-Nippes (83) tot. Ihr Ehemann verliert völlig überraschend seine geliebte Frau, seine beiden erwachsenen Söhne ihre Mutter. Jetzt erhebt die Familie schwere Vorwürfe gegen das Heilig-Geist-Krankenhaus in Köln, wo der Eingriff durchgeführt wurde: Bei der OP seien gravierende Fehler gemacht worden, erst viel zu spät soll Gerda D. in eine Spezialklinik verlegt worden. Ihre Familie spricht von fahrlässiger Tötung – und sogar Mord. Im Video erzählt Gerda D.s Sohn, was er seiner Mutter am Sterbebett versprach.

Gerda D. aus Köln-Nippes verblutete bei einer Routine-OP
Gerda D. sei eine lebenslustige und herzensgute Frau gewesen, erzählt ihr Mann Bernd im Interview mit RTL. Ihren Verlust kann er nur schwer verarbeiten.
© privat

Gerda D. sollte ein sogenannter Port gesetzt werden

Gerda D. ist eine lebenslustige Frau, engagiert sich viel für die Stadt Köln, geht in die Oper und zum Karneval. Sie leidet allerdings an Blutarmut und muss deswegen oft zum Arzt, der ihr Medikamente spritzt oder auch Blut zur Untersuchung abnimmt. Weil es immer schwerer wird, eine Vene für die Spritzen zu finden und die vielen Nadelstiche für die Seniorin sehr schmerzhaft sind, rät ihr Hausarzt ihr dazu, sich einen sogenannten Port setzen zu lassen. Ein Port ist eine Art dauerhafter Zugang zum Venensystem, über den Medikamente oder Blutkonserven verabreicht werden können.

Ärzte stellten nach OP Blutungen fest

Die OP gilt als risikoarm, auch im Vorfeld wurde Gerda und Bernd D. mehrfach gesagt, dass man sich bei diesem Eingriff keine Sorgen machen müsse. Nicht länger als eine Stunde soll Gerda D. aus Köln-Nippes im OP des Heilig-Geist-Krankenhauses in Köln bleiben. Vorher sagt sie noch zu ihrem Mann: "Wenn mir was passiert, pass gut auf dich auf und auf die Kinder. Die brauchen dich noch." Während der OP warten ihr Mann und ihr Sohn laut eigener Aussage im Wartebereich des Krankenhauses.

Doch es vergeht immer mehr Zeit. Nach zwei Stunden habe Bernd D. schließlich nachgefragt, wo seine Frau bleibe. Die sei jetzt im Aufwachraum, es habe zwischendurch Komplikationen gegeben. Die Atemwege seien angeschwollen, vermutlich habe Gerda D. das Narkosemittel nicht vertragen, soll man ihm gesagt haben. Man habe vorsichtshalber ein CT-Bild gemacht. Dort sei dann laut den Ärzten eine Gefäßblutung zu erkennen gewesen, so die Familie. Doch offenbar kein Grund, schnell zu handeln: Die Ärzte hätten abgewartet. Zwei Stunden, dann würden sich die Gefäße schon von allein schließen, habe man zu Bernd D. gesagt. Und wenn nicht, müsse man sie ins Kölner St.-Vincenz-Krankenhaus verlegen, denn dort seien Spezialisten, die das Gefäß wieder schließen könnten.

Während Bernd D. den Vorfall im Interview mit RTL schildert, kommen ihm immer wieder die Tränen. Er konnte sich nicht mehr richtig von seiner Frau verabschieden. Er selbst macht sich schwere Vorwürfe, dass er die OP nicht stoppte.

Bernd D. aus Köln wurde plötzlich zum Witwer
Bernd D. kommen während des Interviews mit RTL immer wieder die Tränen. Er bleibt mit leerem Herzen zurück.
© RTL

Erst nach acht Stunden verlegt: "Warum hat man so lange abgewartet?“

Wenige Stunden später ist Gerda D. tot – sie ist in ihrem Bett verblutet. Zwar wurde sie noch in das Vincenz-Hospital verlegt, wo man das Gefäß auch schließen konnte – doch es war zu spät. "Warum hat man so lange abgewartet?", fragen sich Sohn Jörg D. und Ehemann Bernd D. Es sei ihnen überhaupt unbegreiflich, wie man im Krankenhaus diese OP habe durchführen können, wenn man niemanden im Haus habe, der Komplikationen später beseitigen könnte. Ihre Vermutung: Der Assistenzarzt, der den Eingriff laut eigener Aussage durchgeführt habe, hat einen schweren Fehler gemacht. Bei Gesprächen im Nachhinein habe man Jörg D. gesagt, dass bei der OP die Halsschlagader verletzt worden sei.

Auch der Sohn von Gerda bricht während unseres Interviews immer wieder in Tränen aus. Er werde alles tun, damit die Sache aufgeklärt werde, sagt er.

Heilig-Geist-Krankenhaus in Köln
Familie D. erhebt schwere Vorwürfe gegen das Heilig-Geist-Krankenhaus in Köln.
© RTL

Heilig-Geist-Krankenhaus Köln: Familie wurde "vorab umfassend über Risiken aufgeklärt"

Die Familie hat Strafanzeige gegen das Krankenhaus gestellt. Unabhängig davon hat Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, um die Todesursache von Frau D. zu klären. Denn auch die Ärzte selbst kreuzten auf dem Totenschein "ungeklärte Ursache" an. In diesem Fall werde immer ein Verfahren eingeleitet, so Ulrich Brehmer, Oberstaatsanwalt in Köln. Dazu müsse jetzt erst mal geklärt werden, ob es im Fall von Gerda D. Hinweise auf ein Fremdverschulden gegeben habe. Wenn dies zutreffe, könne man auch Ermittlungen gegen konkrete Personen einleiten.

Das Heilig-Geist-Krankenhaus selbst drückt in einer Stellungnahme Bedauern über das Schicksal der Familie aus – meint aber, im Vorfeld ausreichend über Risiken aufgeklärt zu haben. Man werde jetzt aber prüfen, ob "für zukünftige Behandlungen noch weitere Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden können."

Familie muss Gerda D. in Karnevalswoche zu Grabe tragen

Es ist die Karnevalswoche in Köln, auch Gerda D. wollte wie jedes Jahr feiern und sich den Nippeser Umzug anschauen. Stattdessen haben ihre Söhne und ihr Mann sie am Mittwoch zu Grabe getragen. "Die war das Beste, was es gab. Jetzt ist sie weg, jetzt hab ich nichts mehr", sagt Bernd D. über den Verlust seiner Frau. Zurück bleiben Leere und der Wunsch nach Gerechtigkeit.