Kleine Kämpferin aus Palästina: 'Janna Jihad' (10) legt sich mit israelischen Soldaten an

10. Dezember 2016 - 16:22 Uhr

Steckt hinter Jannas Verhalten Leichtsinnigkeit oder gelungene Propaganda?

Es sind Bilder, die sehr befremdlich und leichtsinnig wirken: Ein kleines palästinensisches Mädchen stellt sich den schwer bewaffneten israelischen Soldaten. Dabei brüllt sie die Soldaten an und scheint keine Angst zu haben. Jana Jihad nennt sich die 10-Jährige selbst, 'heiliger Krieg' auf Deutsch übersetzt. Sie wolle die Ungerechtigkeit der israelischen Besatzung in ihrem palästinensischen Dorf darstellen, wie sie selbst sagt. Ist sie aber tatsächlich die Freiheitskämpferin, für die sie sich ausgibt, oder steckt hinter ihrem Verhalten ein gelungener und vor allem inszenierter Propaganda-Coup? Wir haben die 10-Jährige und ihre Familie zu Hause besucht.

"Ich tue das, um mein Land zu befreien"

Die Bilder, die Janna vor den Soldaten zeigen, gehen um die Welt. Diese Bilder sind auch der Grund, warum sich die internationale Presse auf sie stürzt. Spitznamen wie 'jüngste Kriegsreporterin der Welt' oder 'Kamerakind des Nahostkonflikts' hört man in dem Zusammenhang nicht selten. Doch schaut man sich Bilder genauer an, so könnte man vermuten, dass Wutausbrüche und Beschimpfungen inszeniert sind. Auf Nachfrage von RTL verneint Janna diese Vermutung.

Sie erzählt im Gegenteil, dass ihre Mutter sie stets ermahne, nicht in die Nähe von Soldaten zu gehen. Doch sie höre nicht immer darauf. Warum? "Ich weiß nicht, um mein Land zu befreien, um zu versuchen, mein Land zu befreien, weil ich niemals aufgebe", so ihre Antwort. Doch auch diese Aussage klingt zumindest nicht wirklich überzeugend.

Mit drei Jahren ging sie schon zu Demonstrationen

Jannas Familie, die Tamimis, ist bekannt im Dorf. Es gibt mehrere Videos, die zeigen, wie sich ihre Mutter oder ihre Cousinen und Cousins vor Soldaten stellen und ihnen wüste Beleidigungen entgegenschmettern.  Doch für diese Aktionen ernten sie nicht nur Bewunderung. Es werden auch immer mehr kritische Stimmen laut: Die Familie nutze ihre Kinder, um effektive Propagandabilder zu inszenieren, heißt es da.

Dass Janna aus schwierigen Verhältnissen kommt, kann immerhin nicht geleugnet werden: Zusammenstöße mit der israelischen Armee und mit jüdischen Siedlern erlebt sie in ihrem Dorf sehr oft. "Als Janna drei oder vier war, hat sie das erste Mal mitbekommen, wie Soldaten auf unser Haus geschossen haben, und wir mussten zu unseren Nachbarn fliehen. Ab da hab ich angefangen, sie auf Demos mitzunehmen. Das war der Anfang", erzählt ihre Mutter offen.

In Palästina ist Janna inzwischen ein Star und hat über 222.000 Likes auf ihrer Facebookseite. Es gibt sogar Handyhüllen und Poster von ihr. Doch eigentlich sollte man auch nicht vergessen, dass auch Janna in erster Linie ein Kind ist. Und eine Zehnjährige sollte das Recht auf eine normale Kindheit haben – dieses wurde ihr bislang verwehrt.

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