Schwere Missbrauchsfälle von Münster

Nachbar schickte seinen Sohn oft zu Adrian V. nach Hause

28. Juli 2020 - 13:48 Uhr

Im Video: Nachbar spricht über Adrian V.

Im Missbrauchsfall Münster sind bundesweit elf Verdächtige festgenommen. Sieben der Beschuldigten befinden sich in Untersuchungshaft. Darunter ist auch die Mutter des Hauptbeschuldigten, die als Erzieherin in einem Kindergarten gearbeitet hat. Ihre Gartenlaube in Münster gilt als Haupttatort. In der Wohnung des Hauptbeschuldigten war der Junge eines Nachbarn oft zu Besuch. Im Video spricht der besorgte Vater des befreundeten Jungen.

Vorbestrafter Adrian V. (27) ist Hauptverdächtiger im Missbrauchsfall Münster

Der mehrfach vorbestrafte Adrian V. ist der Hauptbeschuldigte. Er ist ein 27-jähriger IT-Techniker aus Münster. Ermittler fanden hochprofessionelle technische Ausstattung zur Videoaufzeichnung. Sie stellten mehr als 500 Terabyte versiert verschlüsselten Materials sicher. Nach der Auswertung der ersten Daten gehen Polizei und Staatsanwaltschaft davon aus, dass bislang nur ein kleiner Teil der mutmaßlichen Verbrechen bekannt geworden ist. Viele der Daten müssen noch entschlüsselt werden. Um die Dimensionen zu verdeutlichen: Handelsübliche Computer für den Heimgebrauch haben Speicherplatten mit einer Größe von 1 bis 3 Terabyte. "Wie ich gehört habe, plant die Polizei etwa 100 Beamte aus mehreren Dienststellen hier aus Münster zusammenzufassen, um schneller das Material auszuwerten", so RTL-Reporter Ulrich Klose.

„Da durfte nicht jeder bei denen in die Wohnung rein"

Ein Nachbar spricht im RTL-Interview über Adrian V. Er kannte den Hauptbeschuldigten, weil ihre Kinder miteinander befreundet sind. Sein Sohn war oft zu Besuch bei ihm. "Da durfte nicht jeder bei denen in die Wohnung rein, wir haben nur das Kind abgegeben und sind wieder raus" erzählt der Vater. Sein Sohn soll ihm von der Elektronik bei Adrian V. zu Hause erzählt haben. Als er fragte, wofür, sagte wohl sein Sohn, dass Adrian V. das Ganze für seine Arbeit bräuchte, es sehr teuer sei und da deshalb niemand ran dürfe. "Wir haben uns nichts dabei gedacht, wir dachten er arbeitet von zu Hause und er braucht das." Der Nachbar ist erschüttert. "Ich hätte niemals von dem Menschen gedacht, dass er sowas gemacht hat. Er war immer freundlich, seine Mutter auch."

Nachdem der Fall bekannt wurde, hat der Nachbar seinen fünfjährigen Sohn auf seine Zeit bei Adrian V. zu Hause angesprochen. Der Junge habe nichts Verdächtiges erzählt. "Er meinte: Papa, nein. Aber man weiß ja nie, wie er die Kinder betäubt hat oder willig gemacht hat", sagte der Vater. Die Eltern hoffen nun, dass ihr Kind nicht betäubt und nicht zum weiteren Opfer wurde. "Das ist abscheulich und krank!", so der entsetzte Vater.

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Verdächtige sollen die Kinder vor den Taten betäubt haben

Das Entsetzen und der Ärger sind groß bei den Nachbarn. Der 27-jährige Hauptverdächtige soll dazu den Männern den zehnjährigen Sohn seiner Lebensgefährtin überlassen haben. Das zweite Opfer war den Angaben zufolge der Sohn eines 30 Jahre alten Beschuldigten aus Staufenberg (Hessen). Die Kinder sollen vor den Taten betäubt worden sein.

Bilder und Videos der Taten bot der Hauptverdächtige im Darknet an. Es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis die Ermittler die unvorstellbare Menge an Daten gesichtet haben und die Menschen, die Kontakt zu Adrian V. hatten, erfahren, ob ihre Kinder Opfer des Missbrauchs geworden sind.