Flüchtlingsfamilie ertrank im Ärmelkanal

Kinderleiche in Norwegen angespült: Artin (†1) wurde seit Oktober vermisst

Der kleine Artin starb auf der Flucht Richtung Großbritannien im Ärmelkanal.
Der kleine Artin starb auf der Flucht Richtung Großbritannien im Ärmelkanal.
© Privat

07. Juni 2021 - 19:35 Uhr

Flüchtlingsfamilie hoffte auf neues Leben in Großbritannien

Über den Ärmelkanal wollte die Familie des kleinen Artin nach Großbritannien, wo sie auf ein neues Leben hoffte. Doch das Boot sank bei der Überfahrt im Oktober, vier Familienmitglieder wurden tot geborgen. Jetzt ist klar: Eine an Neujahr in Norwegen angespülte Kinderleiche ist die des 15 Monate alten Artin.

Artins Familie versuchter mehrmals vergeblich, nach Großbritannien zu kommen

Nach Angaben der "Daily Mail" hatte die kurdisch-iranische Familie alles verkauft und den Iran am 7. August verlassen. Vermutlich ging sie erst in die Türkei, bevor sie per Fähre nach Italien und dann mit dem Lkw nach Frankreich fuhr.

Zwei Versuche, nach Großbritannien zu gelangen, scheiterten. Beim dritten Anlauf wurden Artin und seine Verwandten mit 23 anderen Menschen in ein Ausflugsboot gepfercht, das nur für 18 Personen ausgelegt war. Die Familie hatte Schmugglern angeblich 21.000 Pfund für die Flucht gezahlt.

Artin und Verwandte starben bei Bootsunglück im Ärmelkanal

Als das Boot am 27. Oktober bei rauer See sank, starben neben Artin auch seine Familienmitglieder Rasoul Iran-Nejad (35), Shiva Mohammad Panahi (35), Anita (9) und Armin (6), wie die BBC berichtet. 15 weitere Flüchtlinge kamen ins Krankenhaus, die französische Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungsverfahren wegen des Bootsunglücks ein.

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Kinderleiche am Neujahrstag in Norwegen angespült

Artins Kleidung
Diese Kleidung trug Artin auf der Flucht.
© Norwegische Polizei

Als die norwegische Polizei an Neujahr eine Kinderleiche an der Südwestküste des Landes entdeckte, tappte sie zunächst im Dunkeln. "In Norwegen war kein Baby als vermisst gemeldet worden, keine Familie hatte die Polizei kontaktiert", erklärte eine Ermittlerin gegenüber der BBC. Weil der blaue Overall des Kleinkindes nicht von einer norwegischen Firma produziert worden war, vermuteten die Ermittler, dass der Junge nicht aus Norwegen stammt. Nun brachte eine DNA-Analyse Klarheit: Es handelt sich um die sterblichen Überreste des kleinen Artin.

Junge soll im Iran beigesetzt werden

"Ich bin gleichzeitig froh und traurig", sagte Artins Tante Nihayat der BBC. "Froh, dass Artins Leiche endlich gefunden wurde – und traurig, dass er uns für immer verlassen hat." Eine weitere Tante namens Shavin, die in der Schweiz lebt, will Artin "mit dem Rest seiner Familie wiedervereinen". Der Junge soll im Iran beigesetzt werden.

Im Flüchtlingslager war Artin eine "kleine Berühmtheit"

Ein Flüchtling, der Artin und seine Familie in einem Lager in Dunkerque (Dünkirchen) kennengelernt hatte, erinnert sich gut an den Jungen. Artin sei dort eine "kleine Berühmtheit" gewesen", erzählte Bilal Gaf der BBC. "Er war ein sehr glückliches Baby." Die Menschen seien traurig angesichts des Schicksals der Familie. "Aber was können wir tun? Nichts – einfach nur weinen", meint er. (bst)