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Keine Trennung mehr in "Herr" oder "Frau": Deutsche Bahn darf non-binäre Personen nicht ausschließen

Kein "Herr" und keine "Frau" mehr!

René_ Hornstein gewinnt Gerichtsprozess: Deutsche Bahn muss Ticket-Buchungssystem ändern

René_ Hornstein gewinnt Gerichtsprozess Kein "Herr" und keine "Frau" mehr!

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René_ Hornstein – der Unterstrich im Vornamen zeigt die nicht-binäre Variante, also eine dritte geschlechtliche Option – zog bereits stellvertretend für alle Menschen, die sich weder als Mann noch als Frau verstehen, vor das Frankfurter Oberlandesgericht. René_ hat die Deutsche Bahn verklagt, weil es im Online-Ticket-System nur die Anrede „Frau“ und „Herr“ zur Auswahl gibt. Hier wurde auf Unterlassung geklagt, sprich, dass beim Ticketerwerb überhaupt kein Geschlecht angegeben werden muss. Zum anderen ging es um Schmerzensgeld und ein Umdenken der Gesellschaft. Am Dienstag, den 21. Juni, wurde das Urteil gesprochen.

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Ein Vergleich kam nicht in Frage!

Wer die Buchungsmaske der Deutschen Bahn kennt, weiß, dass es anders als bei anderen Anbietern, ausschließlich die Anredeoptionen „Frau“ und „Mann“ gibt. René_ Hornstein ist einer von vielen Menschen, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugehörig fühlen und kämpfte stellvertretend für die queere Community vor dem Frankfurter Oberlandesgericht gegen die Deutsche Bahn.

Um ein Urteil abzuwenden, hatte das Unternehmen als Vergleich eine Bahncard 100, also ein Jahr freie Fahrt, für René_ angeboten. Doch hier geht es um eine Grundsatzentscheidung: „Wenn ich jetzt eine Bahncard 100 habe, ist denen nicht geholfen. Mein Anliegen ist schon, dass es auf gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene anerkannt wird, dass es nicht binäre Menschen gibt, die eine neutrale Anrede brauchen und wünschen und wir eben auch das Recht darauf haben!"

Die Bahn muss das Buchungssystem ändern

Am Dienstag fiel nun die Entscheidung: Künftig muss die Bahn auch Menschen mit anderen Geschlechtsidentitäten angemessen ansprechen „Die Bahn muss entweder diese Anreden abschaffen oder angemessene Anreden schaffen - Personen mit nicht-binärer Geschlechtszugehörigkeit finden sich im Moment bei den zur Verfügung stehende Anredeformen nicht wieder", erklärt Gundula Fehns-Böer, Sprecherin des Oberlandesgerichts. René_ ist sichtlich erleichtert über die Entscheidung und erhält zusätzlich 1000 Euro Schmerzensgeld.

In einer ersten Reaktion erklärt die Bahn, das Diversity Chefsache sei und man an einer gendergerechten Ansprache auf den Vertriebsplattformen arbeite, denn bis 1.1.2023 muss das Buchungssystem der Deutschen Bahn umgestellt werden, sonst drohen bis zu 250.000 Euro Strafe. (hdi/mva)