Was Eltern vorerkrankter Kinder wissen müssen

Keine Corona-Impfung für Kinder: Doch was, wenn die Kleinen zur Risikogruppe gehören?

Kinder sollen vorerst nicht gegen Corona geimpft werden. Auch nicht die Risikogruppen?
© iStockphoto, Alina Demidenko

01. Dezember 2020 - 12:50 Uhr

Impf-Reihenfolge "eigentlich fertig": Fallen Kinder mit Vorerkrankungen durchs Raster?

Die guten Nachrichten aus der Impfstoffforschung überschlagen sich in den letzten Tagen und Wochen. Der US-Pharmakonzerns Moderna sowie die Mainzer Firma Biontech und der US-Pharmariese Pfizer haben kurz hintereinander die Zulassung ihrer Impfstoffkandidaten in Europa beantragt. Auch die Ständige Impfkommission hat ihre Empfehlungen zur Impf-Reihenfolge "eigentlich fertig", sagt der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut, Thomas Mertens, im RTL-Interview. Denn der Impfstoff wird zunächst knapp sein, und daher scheint bereits festzustehen: Für Kinder wird es vorerst keine Corona-Impfung geben. Doch gilt das auch, wenn die Kleinen an chronischen Erkrankungen leiden und somit eigentlich zur Corona-Risikogruppe zählen? Oder werden sie auch dann durchs Raster fallen? Wir haben darüber mit dem RTL-Medizinexperten Dr. Christoph Specht gesprochen.

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Wieso werden Kinder noch nicht gegen Corona geimpft?

Momentan gebe es schlichtweg noch überhaupt keine Daten zur Verträglichkeit und Sicherheit der Corona-Impfstoffe bei Kindern, sagt Dr. Christoph Specht. "Und das ist auch völlig normal, weil man das bei anderen Impfungen oder Arzneimitteln auch nicht macht", erklärt der Mediziner. Man teste immer erst an möglichst widerstandsfähigen Menschen, meist an jungen Erwachsenen. "Und wenn die es gut vertragen, dann traut man sich weiter: An etwas ältere, an Menschen mit Vorerkrankungen und so weiter. Kinder kommen immer zum Schluss dran," so der Experte.

Man müsse nun erst einmal auf die Zulassungsdaten der Impfstoffkandidaten warten. "Und je nachdem, was dann da drin steht – die sogenannte Indikation, also: Für wen ist der Impfstoff gedacht? - danach wird man dann impfen", sagt Dr. Specht.

Gilt das auch für Kinder, die zur Risikogruppe zählen?

Doch was, wenn mein Kind Asthma, Diabetes oder sonstige Vorerkrankungen hat, durch die es trotz seines jungen Alters zur vulnerablen Gruppe für schwere Corona-Verläufe zählt? Gibt es auch dann gar keine Möglichkeit, mein Kind impfen zu lassen?

Grundsätzlich sei es schon möglich, so Dr. Specht, ein Arzneimittel oder einen Impfstoff auch außerhalb der zugelassenen Indikation zu verabreichen. Dann müsse der Arzt den Patienten oder Impfwilligen besonders sorgfältig darüber aufklären, dass er von der Indikation abweicht und welche Risiken und Nebenwirkungen möglich seien. Wenn dann sowohl die Erziehungsberechtigten der Impfung ihres Kindes zustimmen als auch der Arzt gewillt ist, mögliche Risiken mit einzugehen, könne die Impfung auch abseits der Indikation erfolgen. "Aber das wird mit Sicherheit eine Ausnahme bleiben", meint Dr. Specht.

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Impfung in Impfzentren nur nach vorheriger Einladung

Doch solche Ausnahmen werden in den nächsten Monaten vermutlich gar nicht machbar sein, schätzt der Mediziner. Denn zunächst werde das Vakzin nur von mobilen Impfteams verabreicht, die in Einrichtungen wie Pflegeheime oder Krankenhäuser fahren und dort Risikogruppen impfen. Oder in sogenannten Impfzentren, in denen man sich voraussichtlich nur nach erhaltener schriftlicher Einladung impfen lassen könne. "Das heißt: Wenn da jetzt einer hinkäme und sagt: 'Guten Tag, mein Name ist Jürgen und das ist mein Sohn Tobias, und den möchte ich jetzt impfen lassen, weil der Asthma hat', dann hat der keine Chance", erklärt Dr. Specht.

Ausnahmen würden erst zum Tragen kommen, so der Experte, wenn der Impfstoff auch in Arztpraxen verfügbar sei. "Und bis das soweit ist, da gehen noch etliche Monate ins Land."

Wie lange wird es dauern, bis Kinder geimpft werden?

Die Studien zur Verträglichkeit und Sicherheit der Impfstoffe bei Kindern seien von einigen Herstellern bereits begonnen worden, sagt Dr. Specht. Doch bis die Ergebnisse ausgewertet sind und die Impfung für Kinder erweitert wird, werde es noch einige Zeit dauern.

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