Katarina Barley wird neue Familienministerin: Was ist von ihr zu erwarten?

Fraktionssitzungen der Bundestagsparteien - SPD
© dpa, Bernd von Jutrczenka, bvj fpt

01. Juni 2017 - 14:25 Uhr

Das ist unsere zukünftige Bundesfamilienministerin Katarina Barley

Von Jutta Rogge-Strang

In Kürze soll Katarina Barley neue Familienministerin werden. Die bisherige SPD-Generalsekretärin löst ihre Parteikollegin Manuela Schwesig ab, die als Ministerpräsidentin nach Mecklenburg-Vorpommern wechselt. Wofür steht Katarina Barley? Wofür setzt sie sich ein? Was können wir vier Monate vor der Bundestagswahl erwarten?

Katarina Barley - von der Richterin zur Familienministerin

Katarina Barley (48) wird im Juni die neue Bundesfamilienministerin. Sie übernimmt den Posten von Manuela Schwesig, die als Ministerpräsidentin nach Mecklenburg-Vorpommern gehen wird. Der noch amtierende Ministerpräsident Erwin Sellering hatte aufgrund einer Krebserkrankung seinen Rücktritt erklärt.

Katarina Barley ist die Tochter eines britischen Redakteurs der 'Deutschen Welle' und einer deutschen Ärztin und wuchs in Köln auf. Sie studierte Jura in Marburg und Paris, wo sie ihren späteren Mann, einen Spanier, kennenlernte. Dann promovierte sie in Münster, arbeitete am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe und war Richterin in Trier. Mit 25 Jahren trat sie in die SPD ein. Bis zu ihrer Wahl in den Bundestag 2013 war sie Referentin im Ministerium der Justiz und für Verbraucherschutz in Mainz.

Barley gilt als mitfühlend und humorvoll

Barley ist geschieden und hat zwei Söhne. Der Älteste ist bereits aus dem Haus, der Kleinere ist zwölf. Die Generalsekretärin versucht, sich jedes zweite Wochenende für ihn freizuschaufeln, sagte sie in einem 'Bild'-Interview. Barley weiß also aus eigener Anschauung, wie schwer sich Beruf und Familie vereinbaren lassen. Katarina Barley ist Mitglied in zwei Karnevalsvereinen in Schweich an der Mosel und setzt sich als aktives ver.di-Mitglied, nach eigenen Angaben, für die Rechte aller abhängig Beschäftigten ein. Seit Dezember 2015 ist Barley Generalsekretärin in der Berliner SPD-Parteizentrale. Dort war sie schnell beliebt - auch weil sie Gabriel immer mal wieder kontra gab. Die Abteilung "Attacke" ist jedoch nicht ihre Sache: Zwar gilt sie als tough und ehrgeizig, trat vielen aber oft zu zahm auf.

Als eloquent und intelligent, als charmant und einnehmend beschreiben Weggefährten Katarina Barley. "Pragmatisch und zupackend, unideologisch und undogmatisch", nennt sie Alexander Schweitzer, der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion in Rheinland-Pfalz. Die gebürtige Kölnerin geht auf Menschen zu, herzt sie mit einem Wangenkuss, hört zu und plaudert gerne. Sie duzt oft, fasst sich kurz: "Wir brauchen mehr Menschen, die Politik erklären."

Barley steht für Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit

"Ich freue mich sehr auf dieses Amt", so Barley: "Wenn ich mir ein Ministerium hätte aussuchen können, dann wäre es dieses gewesen." Ihre künftige Aufgabe sieht sie dabei vor allem im Kampf um grundsätzliche Haltungen. In den knapp vier Monaten bis zur Bundestagswahl gebe es keine großen Gesetzgebungsvorhaben mehr, aber laufende Projekte und "vor allem die große Linie, die gesellschaftspolitische Linie - und um die geht es. Wie man zu Gleichberechtigung, Vielfalt und Demokratie stehe, sei eine "grundsätzliche Frage".

"Soziale Gerechtigkeit mit all ihren Bestandteilen stand für mich immer im Vordergrund", schreibt sie auf ihrer Internetseite. "Die Ungerechtigkeit, dass in Deutschland nach wie vor die soziale Herkunft über den Erfolg im Leben entscheidet, dass Armut krank und Krankheit arm macht, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter aufgeht, treibt mich immer noch um." Barley ist Verfechterin des 'Elterngeld Plus', das ihre Vorgängerin Manuela Schwesig eingeführt hat: Statt 14 Monate können Paare dadurch 28 Monate Elterngeld beziehen, wenn sie dabei Teilzeit arbeiten. Barley möchte Vätern und Müttern flexiblere Arbeitszeiten ermöglichen.

Auch die Schaffung "hochwertiger Betreuungsangebote" sei für sie "von zentraler Bedeutung", wie sie auf ihrer Website schreibt: "Sie ermöglichen einerseits den Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, andererseits den Kindern frühzeitig das Lernen gemeinsam mit Gleichaltrigen." Ihrer Meinung nach verdienen auch Alleinerziehende Unterstützung, weil sie "viel leisten." Ob sich Barley auch nach der Bundestagswahl für diese Ziele einsetzen kann, oder ob dann schon wieder ein Jobwechsel ansteht, wird sich im September zeigen.