Begründung: eigenes Betriebsrisiko

Friseur schickt Mitarbeiter in Kurzarbeit - und bekommt trotzdem keine Corona-Hilfen

19. Januar 2022 - 11:13 Uhr

Terminabsagen seien "Betriebsrisiko"

Ein voller Salon – das ist für Friseurmeister Thomas Herrmann aus Kassel aktuell nur ein ferner Wunsch. Durch die in Hessen eingeführte 3G-Regelung für Friseure sagen immer mehr Kunden ihre Termine ab. Für den Friseurmeister bedeutet das 20 Prozent weniger Umsatz. Um Kosten zu sparen hat er seine Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Doch das Kurzarbeitergeld wird ihm nicht ausbezahlt. Der absurde Grund: die Terminabsagen und der damit eingehende Umsatzrückgang wären sein "Betriebsrisiko".

Friseurmeister Thomas Herrmann telefoniert
Und wieder eine Absage. Für Friseurmeister Thomas Herrmann gehören diese Anrufe mittlerweile zum Alltag.
© RTL

Die Rücklagen schmelzen

"Vielen Leuten ist es zu umständlich, sich ständig zu testen, alles vorzulegen", erzählt der Friseurmeister. Seit 17 Jahren ist Thomas Herrmann selbstständig. Natürlich bringt das ein gewisses Risiko mit sich, aber bis zur Corona-Pandemie lief es super für den 54-Jährigen. Doch von den gesparten Rücklagen ist nichts mehr da. Dass er mit Mitte 50 finanziell noch einmal ganz von vorne anfangen muss, hätte er selbst nicht geglaubt.

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Kein Rückhalt

Die Aussage der Agentur für Arbeit Kassel zum Kurzarbeitergeld lautet: "Kurzarbeitergeld wird gewährt, wenn ein Arbeitsausfall eintritt, der auf wirtschaftlichen Gründen oder einem unabwendbaren Ereignis beruht, vorübergehend und nicht vermeidbar ist." Das unter diese Regelungen auch die Corona-Regeln fallen – ein Irrtum. Für Thomas Hermann ist die Aussage wie ein Schlag ins Gesicht: "Das, was mich am meisten ärgert ist, dass man keinen Rückhalt hat, dass ewig alles versprochen wird und dann gibt es wieder ein "wenn" und "aber" und wir fallen einfach hinten runter und wir müssen halt zusehen, wie wir es gedeichselt kriegen." Eins ist dem Friseurmeister klar: Lange wird er nicht mehr durchhalten. (dgö)