Nach 106 Jahren das Aus

Karstadt-Filialen werden geschlossen: Was Angestellte aus Hannover sagen

Karstadt Hannover
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16. Oktober 2020 - 14:32 Uhr

Das Aus für Karstadt in Hannover

Nach Abschluss des Insolvenz-Verfahrens macht der Kaufhausriese Galeria Karstadt Kaufhof jetzt zahlreiche ehemalige Einkaufs-Magnete dicht. Unter anderem in Hannover.

Reihenweise Schließungen

Seit Juni steht fest: Die traditionsreiche Karstadt-Filiale in der Georgstraße in Hannover muss nach 106 Jahren schließen. Sie ist eine von 62 Filialen bundesweit, die dem radikalen Sparkurs zum Opfer gefallen sind. Reihenweise schließen in den vergangenen Tagen Kaufhäuser an anderen Standorten. Erst vor zwei Tagen schloss nach 53 Jahren der Galeria Kaufhof in Hamburg.

Über 100 Beschäftige verlieren Job

Mehrere Mitarbeiter stehen heute vor dem Kaufhaus. Sie halten Schilder in der Hand auf denen steht: "Wir waren ein Stück Hannover!". Eine ehemalige Mitarbeiterin, die jetzt in Rente ist und damals im Betriebsrat saß, steht solidarisch ihren Kollegen an der Seite. Sie sagt: "Es geht mir nah". Dann bricht der Frau, die über 30 Jahre lang in der Filiale gearbeitet hat, die Stimme weg. Eine andere Frau ist seit 28 Jahren in der Filiale tätig: "Wir haben noch keinen Job, wir müssen uns neu orientieren" erzählt sie sichtlich betroffen.

Einige Mitarbeiter konnten in den beiden anderen Häusern am Standort Hannover untergebracht werden, doch über 100 Beschäftigten droht voraussichtlich die Arbeitslosigkeit.

"Wir kämpfen um jeden Job"

"Natürlich ist ein Großteil noch ohne Job", erzählt uns der Noch-Betriebsratsvorsitzende Ralf Sandleben. "Wir kämpfen um jeden Job!". Der Betriebsrat versuche weiterhin möglichst vielen eine sichere Zukunft zu gewähren, doch das sei nicht einfach. Der 62-Jährige selbst geht davon aus, dass auch er keine Arbeit mehr finden wird. "Ich werde in die Arbeitslosigkeit gehen und danach in die Verrentung".

Immer weniger Läden in der Innenstadt

Die Hannoveraner sind fassungslos. "Ich bin hier schon als Kind durchgelaufen und jetzt ist Schluss. Das ist schrecklich", erzählt uns ein Passant. Andere äußern Bedenken, dass es der Anfang einer unschönen Innenstadtentwicklung sein könnte. "Hier in Hannover gibt es immer weniger Läden, wo man vernünftige Kinderkleidung bekommt und die Spielwaren-Abteilung ist auch weg. Es wird langsam schwierig und es lohnt sich auch bald nicht mehr in die Stadt zu fahren und dann weicht man natürlich aufs Internet aus."

Eine Tendenz, die auch der Handelverband Hannover sieht. Monika Dürrer sagt dazu: "Ob das Warenhaus doch irgendwann eine Renaissance erlebt, ist ungewiss. Im Moment sehen wir da ein Wandel. Aber Handel ist Wandel".

Was soll aus dem Gebäude werden?

Das Gebäude, in dem Karstadt über 100 Jahre zu Hause war, wurde 1903 gebaut. Was nun mit dem leeren Platz passiert, darüber wird bereits diskutiert, aber einen genauen Vorschlag gibt es noch nicht.