Irrer Fund in Kanada

Stammt diese Flaschenpost wirklich von der Titanic?

Diese Zeilen soll Mathilde 1912 auf der Titanic geschrieben haben.
Diese Zeilen soll Mathilde 1912 auf der Titanic geschrieben haben.
© Maxime Gohier-UQAR/Pen News

15. Mai 2021 - 13:23 Uhr

105 Jahre nach dem Untergang der Titanic

Wir schreiben das Jahr 1912: Das französische Schulmädchen Mathilde ist mit ihrer Familie an Bord der Titanic. Sie sind auf dem Weg nach New York, um dort Verwandte zu besuchen. Gefesselt von der Magie des Ozeans und der aufregenden Reise, schreibt das kleine Mädchen eine Flaschenpost und wirft sie in den Ozean - nicht ahnend, dass diese über 100 Jahre später möglicherweise als ihr letztes Lebenszeichen gefunden wird. Denn kurz darauf prallt die Titanic gegen einen Eisberg und sinkt.

So könnte es abgelaufen sein - damals am 13. April 1912. Doch damit geht die Geschichte um Mathilde und die Nachricht, die möglicherweise von Bord der Titanic stammt, erst los: 2017 zogen Finder die Flaschenpost in Kanada aus dem Wasser. Wurde diese Flaschenpost etwa wirklich Stunden vor dem Untergang der Titanic ins Meer geworfen? Das untersuchen Wissenschaftler der Universität Québec à Rimouski bis heute.

Wissenschaftler prüfen die Echtheit der Flaschenpost

Maxime Gohier-Nicolas Beaudry-UQAR/Pen News
Hier schaut einer der Wissenschaftler ganz genau hin.
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Das Mädchen ertrank zusammen mit 1.500 anderen Menschen, nachdem das weltberühmte Schiff einen Eisberg gerammt hatte und unterging. Doch die 2017 gefundene Flaschenpost könnte sie jetzt unsterblich machen.

Die Flaschenpost wurde im Juni 2017 an einem Strand in New Brunswick angespült und der Universität Québec à Rimouski zur Untersuchung übergeben. Auf dem Zettel in der Flasche, der in französischer Sprache verfasst ist, steht: "Ich werfe diese Flasche mitten auf dem Atlantik ins Meer. Wir werden in ein paar Tagen in New York ankommen. Wenn jemand sie findet, soll er es der Familie Lefebvre in Lievin sagen." Dafür ist es jetzt leider zu spät.

Im Video: Rätsel um Eisberg, mit dem die Titanic kollidierte

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Bereits drei Fake-Botschaften von der Titanic entlarvt

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Hier wurde die Flasche angespült.
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Die Wissenschaftler haben jetzt bestätigt, dass der Brief in die damalige Zeit passen könnte. Allerdings könnte er trotzdem eine Fälschung sein. Denn damals haben viele Zeitungen eifrig versucht, Berichte von Zeugen oder letzte Worte von Passagieren zu drucken. Da wäre ihnen diese Flaschenpost natürlich sehr gelegen gekommen.

Und es wäre kein Einzelfall: Es gab drei weitere Flaschenpostbotschaften, die angeblich von Opfern des Titanic-Untergangs stammten, aber nur eine davon, die von einem 19-jährigen Iren namens Jeremiah Burke, konnte authentifiziert werden. Die anderen beiden haben sich als Fälschungen erwiesen, erklärten Wissenschaftler bei "CBC News".

Korken und Papier der Flaschenpost werden untersucht

22.08.2019, ---, Atlantischer Ozean: In diesem aus einem Video von Atlantic Productions entnommene Standbild zeigt einen Teil des 1912 gesunkenen Luxusdampfers, "Titanic". Mit fünf Tauchgängen gelang es einer Expeditionscrew, in 3800 Meter Tiefe Vide
Neue Aufnahmen zeigen den Verfall des Titanic-Wracks.
© dpa, Atlantic Productions, jga

Die Form- und Werkzeugspuren auf der Flasche und die chemische Zusammensetzung des Glases stimmen mit den Technologien überein, die bei der Herstellung dieser Art von Flaschen im frühen 20. Jahrhundert verwendet wurden. Das fanden die Wissenschaftler schon früh heraus.
Der Korken und ein Stück Papier, das in die Bohrung der Flasche gestopft wurde, ergaben Radiokohlenstoffdaten, die mit dem Datum auf dem Brief übereinstimmen. Alles Anzeichen dafür, dass die Flaschenpost tatsächlich echt sein könnte. Doch leider keine eindeutigen Beweise.

Die Handschrift in dem Brief vertieft das Rätsel nur noch, da sie nicht mit dem übereinstimmt, was die französischen Schulkinder damals gelernt haben. Allerdings glauben die Historiker, dass die Nachricht auch jemand anders in Mathildes Auftrag geschrieben haben könnte. Um das aufzuklären, wird sich das Team in Zukunft um einen Experten für die forensische Untersuchung von Dokumenten erweitern.

Die Hoffnung lebt - erstes Titanic-Artefakt an der amerikanischen Küste?

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Ein Forensiker untersucht jetzt das Schriftstück genauer.
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Der Geschichtsprofessor Maxime Gohier, der das multidisziplinäre Forscherteam leitet, das die Flaschenpost des französischen Mädchens untersucht, sagte, die Nachricht könnte "das erste Artefakt der Titanic sein, das an der amerikanischen Küste gefunden wurde". Bis jetzt habe das Team noch keinen Beweis gefunden, dass die Flaschenpost eine Fälschung sei. Allerdings auch keinen eindeutigen Hinweis darauf, dass sie wirklich von der Titanic stamme.

"Die Nachricht könnte von Mathilde an Bord der Titanic geschrieben worden sein, oder sie könnte von jemand anderem in ihrem Auftrag geschrieben worden sein", sagte Archäologe Nicolas Beaudry.

Die Wissenschaftler richten sich jetzt an die Öffentlichkeit und erhoffen sich weitere Informationen oder dass jemand wirklich bestätigen kann, dass die Flaschenpost auf der Titanic verfasst wurde.
Doch die Hoffnung darauf ist natürlich in Anbetracht der Zeit sehr klein - doch sie lebt.

Titanic-Faszination lebt bis heute - Theorien um Untergang

"Ob der Brief nun von Mathilde geschrieben wurde oder nicht, ob er eine alte oder eine neue Fälschung ist, er ist ein faszinierendes Stück Geschichte", sagte Dr. Beaudry. "Es ist eine bewegende Erinnerung an das Schicksal von Mathilde, ihrer Familie und an die Millionen von Migranten, die im Zeitalter der Dampfschiffe den Atlantik überquerten."

Und nicht nur das: Es ist auch ein Zeichen dafür, dass eine der berühmtesten Tragödien des 20. Jahrhunderts bis heute eine Faszination auf uns ausübt – wie auch Theorien um den Untergang der Titanic zeigen.

LGR

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