Die unsichtbare Gefahr im Drink

K.o.-Tropfen im Selbstversuch: So wirkt die gefährliche Droge

08. Juli 2020 - 13:43 Uhr

K.o.-Tropfen im Selbsttest

K.o.-Tropfen: Ein Begriff, der Angst macht. Zu viele Fälle sind mittlerweile bekannt, in denen vor allem Frauen statt einer sorglosen Partynacht einen absoluten Albtraum erlebten. Es gibt kaum verlässliche Zahlen darüber, wie viele Menschen jährlich Opfer von K.o.-Tropfen werden, wie der Opferverband Weißer Ring mitteilt. Aber wie fühlt es sich an, unter Einfluss dieser gefährlichen Droge zu stehen? RTL-Reporterin Sina wollte es ganz genau wissen und hat den Selbstversuch gewagt - unter ärztlicher Begleitung. Wie heftig Sinas Erlebnisse waren, sehen Sie im Video.

Im Artikel erfahren Sie, wie K.o.-Tropfen im Körper wirken, welche Arten von K.o.-Tropfen es gibt und wie Sie sich schützen können.

Was sind K.o.-Tropfen?

K.o.-Tropfen sind Drogen, die einen Menschen bewusstlos, hilflos oder handlungsunfähig machen. Es handelt sich um einen Sammelbegriff für verschiedene Substanzen. Besonders tückisch: In der Regel sind sie farb- und geruchlos. Die Substanz muss aber nicht immer flüssig sein. Es gibt auch Tabletten und Pulver.

In der Medizin werden die Wirkstoffe oft zur Beruhigung oder Betäubung eines Patienten eingesetzt. Bekannt als K.o.-Tropfen wurden sie jedoch durch den Missbrauch, vor allem in Bars und Diskotheken, in denen sie meist Mädchen oder Frauen ins Getränk gemischt werden, um sie gefügig zu machen.

Straftaten in Verbindung mit K.o.-Tropfen

Sexuelle Übergriffe und Raubüberfälle, Straftaten bei denen K.o.-Tropfen als Waffe eingesetzt werden, nehmen stetig zu. Tatort können neben Clubs oder Diskotheken auch Festivals oder Großveranstaltungen wie Karneval, Oktoberfest oder der Weihnachtsmarkt sein. Eben Veranstaltungen, auf denen sich viele Menschen auf engem Raum befinden, der Alkoholpegel hoch und die Aufmerksamkeit niedrig ist. Dichtes Gewühl sowie offen und unbeaufsichtigt stehende Gläser und Flaschen machen es dem Täter leicht, die Tropfen ins Glas zu schütten. Oftmals ist es aber auch die nette Einladung zu Getränk oder die "Runde" die ausgegeben wird.

Wie wirken K.o.-Tropfen im Körper?

K.o.-Tropfen wirken unterschiedlich. Je nach Dosierung reicht die Wirkung von Entspannung, sexueller Enthemmung bis hin zu tiefer Bewusstlosigkeit, die auch lebensbedrohlich sein kann.

Erste Symptome: Schwindel und Übelkeit

Direkt nach der Einnahme von K.o.-Tropfen wird den Betroffenen meistens ganz plötzlich übel und schwindlig. Oft vermuten sie, dass diese Wirkung vom Alkohol kommt, auch wenn sie bis dahin nicht übermäßig viel getrunken haben.

Das Problem: Für Außenstehende erscheint alles relativ unauffällig. Die Betroffenen wirken höchstens etwas angetrunken oder teilnahmslos.

Schon vor der Bewusslosigkeit: Opfer sind willenlos und manipulierbar

Schon bevor eine Bewusstlosigkeit eintritt, werden die Betroffenen praktisch willenlos und leicht manipulierbar. Und hier schlägt die Stunde der Täter: Sie nehmen Kontakt zu der Frau auf, bieten Hilfe an, führen sie nach draußen. Und dort sind die Betroffenen dann leichte Beute für die Täter.

Volle Dröhnung: Extreme Müdigkeit setzt ein

Wenn die Droge ihre volle Wirkung entfaltet, setzt schlagartig eine extreme Müdigkeit ein. Die Opfer fallen in einen tiefen Schlaf oder werden sogar bewusstlos. Werden die K.o.-Tropfen mit Alkohol eingenommen, verstärkt sich die Wirkung, zum Teil mit gefährlichen Folgen: Es kann nicht nur zu Bewusstlosigkeit sondern auch zu Atemstillstand kommen.

Filmriss beim Aufwachen

In fast allen Fällen haben Betroffene nach dem Aufwachen keinerlei Erinnerungen mehr, viele berichten von einem Blackout oder totalen Filmriss. Das Schreckliche daran: viele wissen, dass ihnen etwas Schlimmes widerfahren ist. Sie haben Schmerzen und Verletzungen, die sie sich nicht erklären können. Das Unwissen darüber, was genau passiert ist, macht vielen sehr zu schaffen.

Welche Arten von K.o.-Tropfen gibt es?

Es gibt nicht nur eine Art von K.o.-Tropfen, sondern verschiedene Substanzen, die als Betäubungsmittel eingesetzt werden.
Es gibt verschiedene Betäubungsmittel, die - meist ins Getränk gemischt - als K.o.-Tropfen eingesetzt werden.
© picture alliance / ZB, Patrick Pleul

Als K.o.-Tropfen werden verschiedene Betäubungsmittel verwendet. Wir erklären, welches es gibt und wie sie in den meisten Fällen wirken:

GHB und GBL

Gamma-Hydroxy-Buttersäure (GHB) bzw. Gamma-Butyrolacton (GBL – Vorstufe von GHB) - in der Partyszene bekannt unter "Liquid Ecstasy", "Liquid E" oder "Liquid X". GHB wurde ursprünglich als Narkosemittel entwickelt, wird aber medizinisch kaum noch eingesetzt.

Diese Substanz hat in geringen Dosierungen eine aufputschende und enthemmende Wirkung, während bei größeren Mengen eine narkotisierende Wirkung eintritt. Übelkeit, Kopfschmerzen und Koordinationsstörungen können außerdem auftreten. Die K.o.-Tropfen sind flüssig, geruchslos und haben einen salzigen Geschmack, der jedoch mit Getränken vermischt oft nicht auffällt.

Ketamin

Wird Ketamin als K.o.-Tropfen verwendet, kann es zu Halluzinationen, verstärktem Farbempfinden, verzerrtem Raum- und Zeitempfinden sowie Euphorie kommen. Außerdem mindert Ketamin das Schmerzempfinden und kann zur Bewusstlosigkeit führen.

Rohypnol

Bereits bei einer geringen Dosis kann dieser Wirkstoff starke Benommenheit hervorrufen. Auch Koordinations- und Sehstörungen sowie Halluzinationen und Muskelkrämpfe können auftreten. Im Zusammenhang mit Alkohol können diese K.o.-Tropfen zu verstärkten und lang anhaltenden Symptomen führen.

Valium

Valium wirkt muskelentspannend, schmerz- und angstlösend. Die Wirkung tritt schnell ein und hält je nach Dosierung mit etwa 24 bis 48 Stunden relativ lange an.

Wie kann man sich vor K.o.-Tropfen schützen?

Bevor Sie zum Feiern aufbrechen, sollten Sie mit Ihren Freunden und Freundinnen über die Gefahr von K.o.-Tropfen sprechen und sich informieren. Es ist wichtig, dass sich jeder in der Gruppe der Gefahr bewusst ist. Die Opfer sind meist sehr jung und unerfahren. Seien Sie nicht naiv! Vereinbaren Sie eine oder mehrere der folgenden Schutzmaßnahmen:

  • Behalten Sie Ihr Getränk und das Ihrer Freundinnen und Freunde im Auge und passen Sie auf, dass niemand etwas hineinschüttet.
  • Lassen Sie sich Ihr Getränk direkt von der Bedienung hinstellen und nicht von jemand anderem mitbringen. Seien Sie vorsichtig bei Einladungen.
  • Bleiben Sie bei Ihrem Getränk, bis es ausgetrunken ist. Wenn Sie vorher zur Toilette gehen, bitten Sie eine Freundin oder einen Freund, darauf aufzupassen.
  • Merken Sie Störungen im Befinden (Übelkeit, Lähmung, Kraftlosigkeit, Hilflosigkeit, Schwindel), bitten Sie das Personal oder die Freunde sofort um Hilfe.
  • Bleiben Sie möglichst mit den Menschen zusammen, mit denen Sie losgezogen sind. Wenn Sie dann doch jemanden kennen lernen sollten: Vereinbaren Sie vorher, dass ein Freund oder eine Freundin im Falle Ihres Fortgehens mit einer neuen Bekanntschaft, den Ausweis mit dem Handy fotografiert oder sich eine SMS schicken lässt. So ist zumindest klar, welche Handynummer oder Ausweisdaten die Bekanntschaft hat. Eine weitere Möglichkeit ist es, mit den eigenen Freunden im Handykontakt zu bleiben.
  • Außerdem gibt es mittlerweile spezielle Armbänder* und andere Schnelltests für Flüssigkeiten*, mit denen potenzielle Opfer schon in der Disco oder unterwegs checken können, ob K.o-Tropfen in ihrem Drink sind.

Haben Sie im Anschluss an einen Party- oder Discobesuch Erinnerungslücken, die Sie nicht nachvollziehen können, weil Sie nur wenig getrunken haben oder Sie fühlen sich sehr unwohl und finden keine Erklärung dafür, sollten Sie eine Urinprobe abfüllen und für einen Test im Kühlschrank aufbewahren und die Polizei einschalten. Denn K.o.-Tropfen sind nur bis zu zwölf Stunden nach der Einnahme im Blut nachweisbar.

Das gilt auch dann, wenn weiter nichts Schlimmes passiert ist. K.o.-Tropfen sind illegal, gefährlich und wer sie jemandem einflößt, macht sich strafbar.

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