Wahrnehmungen ohne entsprechende Reizung der Sinne

Gesundheitslexikon: Halluzinationen

© iStockphoto, Victor Tondee

16. Oktober 2019 - 11:12 Uhr

Halluzinationen: Ab wann sind Sinnestäuschungen bedenklich?

Sie haben einen Baum schon einmal mit einem Menschen verwechselt? Solche Illusionen erlebt annähernd jeder. Auch Sinnestäuschungen in Form von Wahrnehmungen ohne Reizauslöser kommen vor. Anders als solche Pseudohalluzinationen haben echte Halluzinationen oft Krankheitswert. Keine Angst: Solange Sie Fehlwahrnehmungen als solche erkennen, ist nicht von Halluzinationen die Rede. Echte Halluzinationen sind hintergrundlose Wahrnehmungen eines beliebigen Sinnessystems, die der Betroffene nicht als irreal erkennt.

Was ist eine Halluzination?

Halluzinationen sind Trugwahrnehmungen eines beliebigen Sinnesbereichs. Jede Halluzination entsteht im Nervensystem. Bei akustischen Halluzinationen bestehen Unterschiede zwischen Stimmen und Elementarlauten. Letztere sind Akoasmen in Form von Musik oder Geräuschen. Auch optische Halluzinationen lassen sich in Elementarwahrnehmungen wie Schatten und Photome im Sinne von Menschen, Tieren oder Gegenständen unterteilen. Bei olfaktorischen und gustatorischen Halluzinationen erleben Patienten Truggerüche oder -geschmäcker. Zonästhesien betreffen die Körperwahrnehmung. Solche Körpertrugwahrnehmungen werden zu Leibhalluzinationen, sobald sie von außen gemacht erscheinen. Taktile Halluzinationen betreffen das Fühlen.

Ursachen einer Halluzination

Halluzinationen sind meist Symptome von Krankheitsprozessen des Zentralnervensystems oder der Psyche. Als verbreitetste Ursachen für die Trugwahrnehmungen gelten

Welche Symptome zeigen sich bei Halluzinationen?

Das gemeinsame Merkmal aller Halluzinationen ist die Wahrnehmung von etwas Nichtexistentem. Den Sinneseindruck halten Betroffene für real. Abhängig von der Art und Ursache der Trugwahrnehmung treten als Begleitsymptome Angstzustände, Kopfschmerzen, Übelkeit, Verwirrung oder Orientierungslosigkeit auf. Auch Delirien, komatöse Wachzustände, Aggression oder andere Wesensveränderungen sind denkbar. Wie lange die Symptome anhalten, in welcher Intensität sie vorliegen oder wie Betroffene sie empfinden, hängt ebenfalls von der Halluzinationsart und -ursache ab. Horrorhalluzinationen kommen vermehrt bei labiler Psyche vor.

Wie können Halluzinationen festgestellt werden?

Viele Patienten mit Halluzinationen wenden sich nicht an Ärzte. Um Grunderkrankungen auf die Spur zu kommen, ist eine ärztliche Diagnose jedoch notwendig. Im Arzt-Patientengespräch macht sich der Mediziner ein Bild von der Art der Trugwahrnehmung. Daran schließen körperliche Untersuchungen und Blutanalysen an. Bei akustischen Halluzinationen sind HNO-ärztliche Untersuchungen unabdingbar. Optische Trugwahrnehmungen erfordern augenärztliche Untersuchungen. Grundsätzlich sind neurologische Diagnosen vonnöten, die den Funktionszustand des Gehirns abklären. Sind keine organischen Ursachen auszumachen, steht ein Psychologengespräch an.

Wie sollte ein Patient mit Halluzinationen behandelt werden?

Halluzinationen sind ein Symptom. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und bemüht sich um deren Beseitigung. Bei drogen- oder alkoholbedingten Halluzinationen ist der Entzug die Therapie der Wahl. Psychische Ursachen lindern Psychologen mittels Mehrsäulentherapie in Form von psychotherapeutischer und medikamentöser Behandlung. Grunderkrankungen des Nervensystems behandelt der Neurologe. Bei Gehirnentzündungen gelten abhängig von der Entzündungsart beispielsweise Hochantibiotika- oder Hochkortisonbehandlungen als geeignete Therapiemaßnahmen. Bei Vergiftungen ist die Giftausleitung mittels harntreibenden Medikamenten angezeigt.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.