Als die Taliban kamen, besuchte sie ihre Mutter

Junge Mutter floh in der Nacht aus Afghanistan - heute früh stand sie schon wieder in der Praxis

Sonia T. wurde von ihren Kollegen aus der Zahnarztpraxis zurück nach Hause geholt.
Sonia T. wurde von ihren Kollegen aus der Zahnarztpraxis zurück nach Hause geholt.
© Peter Hentschel

20. August 2021 - 15:57 Uhr

Junge Mutter und sechsjährige Tochter stecken tagelang in Kabul fest

Seit Tagen ist die Lage in Afghanistan dramatisch. Tausende Menschen warten darauf, aus dem Land gerettet zu werden. 500 konnten heute Nacht über Usbekistan nach Frankfurt gebracht werden. Darunter auch Sonia T. und ihre sechsjährige Tochter. Tagelang steckte die Zahnarzthelferin aus Essen in Kabul fest und erlebte Stunden voller Todesangst. Doch schon heute stand sie wieder in der Zahnarztpraxis und arbeitete – für sie die beste Ablenkung.

Sonias Kollegen halfen dabei, sie wieder nach Deutschland zu bringen

Sie haben Tage voller Ungewissheit hinter sich, aber jetzt sind sie endlich wieder in Deutschland. Sonia T. und ihre sechsjährige Tochter konnten sich in ein Flugzeug der deutschen Bundeswehr retten. Als die beiden heute mitten in der Nacht am Flughafen Frankfurt ankamen, warteten die Kollegen der Zahnarzthelferin auf die kleine Familie. Sie fielen sich erleichtert in die Arme, weinten minutenlang gemeinsam – vor Erleichterung Sonia und ihre Tochter endlich wieder in Sicherheit zu wissen.

Eigentlich war Sonia nach Afghanistan geflogen, um dort ihre krebskranke Mutter zu besuchen. Dass sie kurze Zeit später um ihr eigenes Leben und das Leben ihrer Tochter bangen musste – damit hatte sie nicht gerechnet. Am Sonntag wollte sie zurück nach Deutschland, doch dann kamen die Taliban.

Sonia im RTL-Interview: "Die letzten Tage waren für mich so schlimm, dass ich dachte, ich komme nie raus." Sonias Kollegen aber geben alles und setzten von Deutschland aus alle Hebel in Bewegung, um die junge Mutter und ihre Tochter nach Hause zu holen: Sie überwiesen Geld, telefonierten Behörden hinterher – mit Erfolg.

„Wieder hier zu sein, ist sehr schön, wie ein Traum"

Kollegen halfen dabei, die Zahnarzthelferin und ihre Tochter von Kabul nach Deutschland zu holen.
Sonia und ihre sechsjährige Tochter sind jetzt wieder in Sicherheit.
© RTL

So viel Glück wie Sonia und Jasmin haben nicht alle. Denn aus dem von den Taliban regierten Land rauszukommen, ist momentan nur ganz schwer möglich. 500 Menschen haben es heute Nacht nach Deutschland geschafft. Und gleichzeitig harren immer noch Tausende im unübersichtlichen Kabul aus.

Kollegin Ute Schubert erzählt unserer Reporterin, dass Sonia ihnen aus Kabul Sprachnachrichten geschickt hat: "Sie hat bitterlich geweint, dass alles besetzt ist, dass die ein Schild ins Haus gehängt haben, hier ist ein deutsches Kind. Wir kommen morgen früh und holen es, es muss getötet werden."

Aber der jungen Mutter gelang die Flucht. Sonia erzählt im RTL-Interview, dass sie sich wegen der Taliban ein Kopftuch umlegen mussten. Als die Sechsjährige die deutschen Soldaten schließlich am Flughafen in Kabul sah, habe sie das Kopftuch weggeschmissen und gewusst, dass sie gleich in Sicherheit sei.

Heute früh sendete Sonia unserer Reporterin ein Foto zu. Obwohl die junge Mutter erst in der Nacht gelandet war, ging sie heute früh schon wieder zur Arbeit. Sie schrieb, dass Ablenkung die beste Medizin sei und sie noch immer nicht glauben könne, dass sie wirklich wieder in Deutschland sei. (mca)