Mädchen kam in der 21. Schwangerschaftswoche zur Welt

Jüngstes Frühchen der Welt: So kämpfte das Klinikum Fulda erfolgreich um Melinas Leben

Die kleine Melina wurde im April aus dem Klinikum Fulda entlassen.
© Klinikum Fulda

06. Juni 2020 - 9:34 Uhr

Das kleine Mädchen ist das jüngste Frühchen der Welt

Als sie nach weniger als 22 Wochen Schwangerschaft auf die Welt kam, wog die kleine Melina gerade einmal 450 Gramm. Im Klinikum Fulda kämpften die Ärzte und Schwestern um das Leben des Rekord-Frühchens – mit Erfolg. Das Mädchen ist nach Angaben des Klinikums Fulda zusammen mit einem im Jahr 2014 in den USA geborenen Kind das jüngste Frühchen der Welt. Rund 13 Monate nach ihrer Geburt durfte Melina nach Hause, jetzt stellte das Krankenhaus Details zu dem Mädchen vor.

Jüngstes Frühchen der Welt: Schwangerschaft dauerte nur 21 Wochen und vier Tage

Zusammen mit ihrem Zwillingsbruder kam Melina am 5. März 2019 überraschend bei einer Notgeburt daheim im hessischen Lauterbach zur Welt. Mit einem Rettungswagen wurden die Säuglinge ins Klinikum Fulda gebracht. Dass sie dort lebend ankamen, sei das erste "Wunder" gewesen: "Unglaublich" nannte Reinald Repp, Direktor der Kinderklinik, das im Rückblick. Denn die Schwangerschaft der Frau, die vorerst mit ihrem Mann anonym bleiben möchte, war sehr kurz: 21 Wochen und vier Tage, wie das Klinikum angibt. Normalerweise dauert eine Schwangerschaft etwa 40 Wochen.

Melinas Zustand den Umständen entsprechend gut

Melinas Zwillingsbruder schaffte es nicht, er starb noch am ersten Tag. Monatelang kämpfte ein medizinisches Experten-Team im Klinikum Fulda um das Leben und die Gesundheit von Melina. Sie kam mit einem Gewicht von nur 450 Gramm und 25,5 Zentimeter Länge zur Welt. Am 22. April durfte sie nach gut 13 Monaten Behandlung nach Hause. Ihr Zustand sei den Umständen entsprechend gut, sagte Repp. Doch eine sorgenfreie Entwicklungsperspektive kann er ihr nicht zusichern.

Im Klinikum Fulda kam auch schon Frühchen Frieda zur Welt

Laut Experten haben Mädchen als extrem junge Frühchen bessere Überlebenschancen – warum, ist bisher nicht bekannt. In Fulda haben sie große Erfahrung und erzielen sehr gute Behandlungsergebnisse mit Frühchen. Bereits im Jahr 2010 kam dort Frühchen Frieda nach 21 Wochen und fünf Tagen Schwangerschaft zur Welt.

Deutschen Leitlinien zufolge müssen Frühchen, die vor der 24. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, nicht lebenserhaltend behandelt werden. Doch die Eltern wollten, dass Melina eine Chance bekommt. Nun sind sie überglücklich und dankbar für die Arbeit von Medizinern und Schwestern, wie sie laut Angaben des Klinikums mitteilen ließen.

Große Risiken bei derart jungen Frühchen

Bei derart unreif geborenen Kindern wie Melina bestehen große Risiken. Sie haben häufig Probleme mit Lunge, Hirn, Darm und Augen, die bis zum Erblinden führen können. Melina musste rund zweieinhalb Monate künstlich beatmet werden. Und ganz ohne Hilfe geht es immer noch nicht: "Wir hoffen, dass Melina in ein paar Monaten ganz ohne Atemunterstützung und ohne zusätzlichen Sauerstoff auskommen wird." Dagegen spricht sie schon recht gut für ihr Alter. "Mama und Papa sagt sie schon", erzählte Repp glücklich.

Quelle: DPA/ RTL.de