Gesundheitsminister gibt Pressekonferenz zu Corona-Impfstoff

Jens Spahn: "Es wird zu einer freiwilligen Impfung kommen"

Prof. Klaus Cichutek, Präsident Paul-Ehrlich-Institut (PEI), Bundesminister für Gesundheit Jens Spahn, Bundesministerin
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15. September 2020 - 18:09 Uhr

Nur 40 Prozent der Menschen wollen sich impfen lassen

Viel diskutiert und teilweise heiß ersehnt: Ein Impfstoff gegen Corona. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage wollen sich 40 Prozent der Bürger nach eigenen Angaben gegen Covid-19 impfen lassen, sobald dies möglich ist. Dieser Anteil ist seit der letzten Messung im Juni leicht gesunken. 48 Prozent würden wahrscheinlich erst einmal abwarten, und nur wenige (11 %) wollen sich generell nicht gegen Covid-19 impfen lassen. Aber wann kommt der Impfstoff denn nun und müssen wir uns alle impfen lassen? Jens Spahn hat dazu heute eine Pressekonferenz gegeben.

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Impfstoff erst Mitte nächsten Jahres verfügbar

Trotz laufender Forschung und einer Finanzspritze von 375 Millionen Euro vom Bund, wird ein wirksamer Impfstoff nicht mehr dieses Jahr auf den Markt kommen. "Nach wie vor müssen wir uns darauf einstellen, dass ein wirksamer Impfstoff erst Mitte nächsten Jahres für die breite Masse zur Verfügung steht", sagt Anja Karliczek (CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung heute. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mahnt zur Geduld: "Es geht nicht darum, Erster zu sein. Es geht darum, sicher zu sein." Auch wenn sich Spahn wünscht, einen Impfstoff gegen Corona schnell verfügbar zu haben, macht er deutlich, dass dieses Ziel nicht die oberste Priorität hat. Er kritisiert offen die russische Ankündigung, einen möglichen Impfstoff, auch ohne die Tests an zigtausenden Probanden, auf den Markt zu bringen. Seine Haltung sei gemeinsames Verständnis in der EU, erklärt Spahn weiter.

55 bis 65 Prozent geimpfter Bürger reichen für Herdenimmunität aus

Spahn ist stolz darauf, dass Deutschland nicht nur auf die Entwicklung eines Impfstoffs setzt. "Wir setzen nicht nur auf ein Entwicklerteam und auch nicht auf nur eine Technologie, sondern wir wollen ein breites Portfolio fördern", sagte Spahn. Mit der Förderung würde auch der Wissenschafts-, Wirtschafts- und Biotechnologiestandort Deutschland gestärkt.

In seiner Ansprache macht Spahn deutlich, dass es sich bei der Impfung gegen Corona um einen freiwilligen Test handeln wird. "Wir brauchen 55 – 65 Prozent der Bürger, die sich impfen lassen, um dort eine Herdenimmunität zu erreichen und ich bin mir sicher, dass wir das erreichen werden." Auch Virologe Dr. Stürmer hofft, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen. "Von einer Impfpflicht halte ich nicht viel, dennoch bin ich ein Befürworter des Impfens. Für mich gibt es keine Argumente, die dagegensprechen."

Noch offen ist die Frage, welche Personen sich nach einer Zulassung zuerst impfen lassen könnten. "Es ist klar, dass am Anfang nicht alle geimpft werden können." Die ständige Impfkommission (Stiko) beschäftige sich derzeit mit der Priorisierung, wer zuerst geimpft werden soll. Außerdem werde derzeit noch gesprochen, wo geimpft wird, ob beispielsweise in Impfzentren oder in Arztpraxen.