Gewalt gegen Homosexuelle im Iran

Verwandte köpfen 20-Jährigen, als sie herausfinden, dass er schwul ist

Instagram/Alireza Fazeli-Monfared
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© Instagram/Alireza Fazeli-Monfared

13. Mai 2021 - 9:49 Uhr

Mutmaßliche Mörder sagen Alireza Fazeli-Monfareds Mutter, wo seine Leiche liegt

Am 5. Mai klingelte bei der Mutter von Alireza Fazeli-Monfared (20) das Telefon. Ein Verwandter rief an. Er erklärte ihr, wo sie die Leiche ihres Sohnes finden könne. Der Anrufer und zwei weitere Familienmitglieder sollen den jungen Mann in der iranischen Provinz Chuzestan unter einem Vorwand von Zuhause weggelockt und dann enthauptet haben. Das mutmaßliche Motiv: Die Männer entdeckten einen Brief des Militärs an den 20-Jährigen. Darin stand, dass er vom Militärdienst befreit sei – weil er homosexuell ist. Das war für Alirezas Halbbruder und zwei Cousins offenbar Grund genug, den 20-Jährigen zu töten.

Alireza Fazeli-Monfared postete regelmäßig bei Instagram

Laut der Organisation "6rang" (Sechs Farben), die mit dem Partner des Opfers sprach, erlitt Alirezas Mutter einen Schock, als sie erfuhr, dass ihr einziges Kind ermordet wurde. Die Frau sei ins Krankenhaus gebracht worden. Die Leiche ihres Sohnes wurde an der angegebenen Stelle gefunden. Drei Tatverdächtige wurden festgenommen. "6Rang", die sich bei Twitter als "iranisches Lesben- und Transgender-Netzwerk" bezeichnen, machten auf den Fall aufmerksam.

Bei Instagram präsentierte sich Alireza als lebensfroher, modebewusster, junger Mann. Er postete immer wieder unter Hashtags wie #fashionblogger #fitness oder #lovequotes. Sein letzter Beitrag ist vom 27. April. Zu einem Video, in dem er und eine junge Frau nebeneinander sitzen und gut gelaunt in die Kamera sprechen, schreibt er: "Irgendwann wird der Tag kommen, wenn ich euch direkt ins Gesicht schauen und nichts fühlen werde". Eine Woche später war der 20-Jährige tot.

Wusste Alireza Fazeli-Monfared, dass er in Lebensgefahr war?

Die Tat ereignete sich in dem Dorf Borumi, nahe der Stadt Ahvaz. Offenbar eskalierte die Situation für Alireza, nachdem das iranische Militär ihn wegen seiner sexuellen Orientierung ausmusterte. Erst durch das offizielle Schreiben der Armee erfuhren einige seiner Verwandten, dass der 20-Jährige schwul war.

Alireza wusste offenbar, dass er in Gefahr war. Er soll bereits geplant haben, in die Türkei und dann weiter nach Europa zu fliehen, wo er seine Sexualität frei hätte ausleben dürfen. Doch dazu kam es nicht mehr, weil seine Cousins und sein Halbbruder das Geheimnis entdeckten und ihn gemeinschaftlich enthauptet haben sollen. Laut der persischen Website der BBC soll der junge Mann die Stadt aus Angst vor seiner Familie bereits zuvor verlassen haben. Er sei nur zurückgekommen, um die Unterlagen abzuholen, die das Militär ihm geschickt hatte. Im Iran kann Homosexualität auch offiziell mit dem Tod bestraft werden.

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Große Anteilnahme bei Twitter für enthaupteten 20-Jährigen

"Das ist queeres Leben im Iran", kommentierte ein Twitter-User und fügte ein schwarzes Herz hinzu. "Im Iran werden wir von unseren Familienmitgliedern und der Regierung getötet, nur wegen unserer sexuellen Orientierung", klagte ein anderer User an. "Alireza war ein Mensch… ein Typ wie jeder andere", heißt es in einem weiteren Tweet.

"6rang" kritisierte in einer Mitteilung auf der Homepage der Organisation, dass die Befreiung vom Militärdienst ein hohes Sicherheitsrisiko für homosexuelle Männer im Iran sei. Privateste Informationen könnten so leicht in falsche Hände geraten. Ein einziger Blick auf die Karte für die Befreiung vom Militärdienst würde genügen und schon wüssten Behörden, Arbeitgeber und in diesem Fall sogar Familienangehörige Bescheid. Für Alireza sei das und der Hass seiner Verwandten zum tödlichen Verhängnis geworden.

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