Wegen Nahrungsergänzungsmittel aus dem Netz!

Intensivstation nach Überdosierung: Säugling mit Vitamin D vergiftet

Säugling
Ein Säugling musste mit einer Vitamin-D-Vergiftung ins Krankenhaus.
picture alliance

von Madeline Jäger

Gefährliche Überdosierung: Ein Baby musste mit einer Vitamin-D-Vergiftung in ein Krankenhaus gebracht werden. Die Eltern gaben ihm ein Nahrungsergänzungsmittel aus dem Internet. Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) berichtet über den Fall und warnt vor einer Überdosierung des Vitamins, gerade bei der Anwendung hochdosierter Nahrungsergänzungsmittel.

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Baby mit Vitamin D vergiftet – Ärzte-Fachausschuss (AkdÄ) warnt

Natürlich ist Vitamin D im Allgemeinen für den menschlichen Körper ungemein wichtig. Das Vitamin beeinflusst die gesamte Knochengesundheit und hat einen positiven Effekt auf das Immunsystem. Doch eine Überdosierung von Vitamin D, oder sogar eine Vergiftung kann, genauso wie ein Mangel, üble gesundheitliche Folgen nach sich ziehen.

Das zeigt nun auch das aktuelle Beispiel eines Säuglings, der auf der Intensivstation einer Klinik behandelt werden musste. Über den dramatischen Fall berichtet die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ).

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Vitamin-D-Vergiftung eines Säuglings: Eltern gaben ihm Nahrungsergänzungsmittel

Der Säugling im Alter von sieben Monaten wurde im Krankenhaus genau untersucht. Das Baby hatte laut AkdÄ innerhalb von nur drei Wochen sieben Prozent seines Körpergewichts verloren. Außerdem habe sich das Kind dehydriert gezeigt (Exsikkose) und eine „Vigilanzmilderung“ – eine sogenannte „Minderung der Wachheit“ aufgewiesen. Dabei handelt es sich um eine starke Bewusstseinsstörung.

Der Säugling litt zudem unter einer Elektrolytstörung mit erhöhtem Kalium- und Calciumspiegel. In den Nieren des Säuglings fanden die Ärztinnen und Ärzte Ablagerungen von Calcium-Salzen.

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Vitamin-D-Überdosierung bei Baby: Eltern gaben Kind die 80-fache Dosis

Bei der weiteren Anamnese erklärten die Eltern, dass sie ihrem Baby anfänglich die ärztlich verordneten Vitamin-D-Prophylaxe gegeben hatten. Zunächst mit der verordneten Dosierung.

Doch auf Anraten von Freunden seien sie nun seit fünf Monaten auf ein hochkonzentriertes Vitamin-D-Nahrungsergänzungsmittel aus dem Internet umgestiegen. Laut der Fachschaft AkdÄ gaben sie ihrem Kind täglich die 80-fache Dosis an Vitamin D, die die Prophylaxe eigentlich vorsieht.

Kinderärzte empfehlen Vitamin-D-Zufuhr – das ist die richtige Dosierung

Unabhängig von der Aufnahme von Vitamin D durch UV-Licht und die Muttermilch empfehlen Kinderärzte Kindern unter drei Jahren die Zufuhr von Vitamin D als Prophylaxe. Allerdings in einer festgelegten Dosierung, die nicht überschritten werden sollte, erklärt Medizinjournalist und Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht im RTL-Gespräch.

Für Babys unter einem Jahr sollte folgende Dosierung dringend berücksichtigt werden:

„Laut Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) sind das meist 400-500 Internationale Einheiten pro Tag (IE/d) beziehungsweise 10 bis 12,5 Mikrogramm täglich (µg/d)“, erklärt Dr. Specht. Das Problem sei, dass viele Eltern gerade bei Vitaminen aber nach dem Credo verfahren: „Viel hilft viel.“ Insbesondere bei Vitamin D sei diese Annahme jedoch brandgefährlich.

Dr. Christoph Specht schätzt die Lage im RTL-Interview ein.
Allgemeinmediziner und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht schätzt ein.
RTL

Mediziner warnt: Vitamin D ist fettlösliches Vitamin und kann nicht ausgeschieden werden

„Wir müssen zwischen zwei Vitamin-Gruppen unterscheiden. Zwischen wasserlöslichen Vitaminen, die man über den Urin ausscheiden kann und die man nicht überdosieren kann – und den Vitaminen, die fettlöslich sind. Die fettlöslichen Vitamine werden gespeichert und auch nicht über die Niere ausgeschieden. Die kann man dann daher auch überdosieren, und zu dieser Gruppe gehört das Vitamin D“, warnt der Mediziner.

Bei einer langen Überdosierung von Vitamin D bei Kindern seien sogar bleibende Schäden möglich.

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Gefährliche Vitamin-D-Vergiftung: Ärzteteam rettet Kind

Die genaue Diagnose der Ärztinnen und Ärzte bei dem vergifteten Baby: Das Kind litt unter einer chronischen Vitamin-D-Vergiftung mit einem zu hohen Kalzium-Gehalt im Blut (Hyperkalziämie) sowie Nephrokalzinose, also einer Ansammlung kleiner Verkalkungen, die sich im Nierenparenchym verteilen.

Das Ärzteteam behandelte das Kind, und die Vitamin-D-Überdosierung wurde abgesetzt. Daraufhin verbesserte sich der Zustand des Babys.

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Vitamin D-Vergiftung bei Baby - kein Einzelfall

Der Vergiftungsfall ist laut einem aktuellen Online-Bericht der „Frankfurter Rundschau“ kein Einzelfall. Immer wieder kommt es zu Vergiftungen mit Vitamin D. So habe ein Mann aus Großbritannien nach einer Ernährungsberatung ein Vitamin D-Präparat derart hoch dosiert, dass er ebenfalls mit einer Vergiftung in eine Klinik eingeliefert werden musste.

Auch bei Babys sind dem AkdÄ weitere Fälle bekannt. Das Problem sei, dass ein Nahrungsergänzungsmittel in jeder Dosierung frei verfügbar ist.