Herbst ist beste Behandlungszeit

Hyposensibilisierung: Allergien einfach „abgewöhnen“?

Eine Immuntherapie verspricht, Heuschnupfensymptome zu lindern. Klappt das?
Eine Immuntherapie verspricht, Heuschnupfensymptome zu lindern. Klappt das?
© dpa, Friso Gentsch, frg fpt lof sd sja

26. August 2021 - 7:48 Uhr

Stiftung Warentest prüft 21 Allergen-Präparate

"Hyposensibilisierung" – das Wort klingt zunächst kompliziert, die Behandlung dahinter jedoch recht einleuchtend: Mit Tabletten oder Spritzen soll der Körper von Allergikern dabei weniger empfindlich gegen bestimmte Auslöser gemacht werden, also etwa Pollen, Hausstaubmilben oder Insektengift. So sollen Reaktionen wie Schnupfen, tränende Augen und Niesen dauerhaft weniger werden oder ganz aufhören. Dafür müssen Betroffene allerdings Zeit einplanen: Die Behandlung wird über drei Jahre hinweg durchgeführt. Lohnt sich der Aufwand, und was sind die Risiken?

Hyposensibilisierung: So funktioniert‘s

Ein Allergietest (Prick-Test) auf dem Unterarm eines zehnjährigen Mädchens in einer Arztpraxis
Zunächst muss mit einem Test festgestellt werden, was die Allergie auslöst.
© picture-alliance/ dpa/dpaweb, Frank May

Bei einer Hyposensibilisierung als Langzeittherapie spritzt der Arzt den Stoff, der die Allergie normalerweise auslöst, in minimaler Dosis. Das Allergen wird dann nach und nach höher dosiert und im Abstand von vier bis acht Wochen gespritzt. So hat der Körper die Chance, sich an den Stoff zu gewöhnen und ihn zu tolerieren, ohne dass eine heftige allergische Reaktion erfolgt.

Die Hyposensibilisierung kann auch in Form von Tabletten oder Tropfen verabreicht werden. So genießt man den Vorteil, die Behandlung zu Hause durchführen zu können. Besonders Allergiker, die den richtigen Einstiegszeitpunkt verpasst haben, kommt das zugute. Dieser liegt im Herbst, wenn sich der Pollenflug legt: "Wenn wir das im Frühjahr machen würden, kann das zu Überreaktionen kommen, die wir gar nicht haben wollen", erklärt Mediziner Dr. Specht. Eine Kurzzeittherapie ist noch einige Wochen vor dem Beginn der Pollensaison möglich.

In jedem Fall muss ein Allergologe im Vorfeld einen Haut- oder Bluttest durchführen, um den wichtigsten Auslöser der Beschwerden zu bestimmen und ein individuell geeignetes Präparat auszuwählen. In der Regel übernehmen die Krankenkassen die Kosten.

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Vor allem für Kinder bietet eine Hyposensibilisierung Chancen.

Stiftung Warentest hat jetzt 21 häufig verordnete Allergenpräparate untersucht – darunter Mittel gegen Allergien auf Pollen von Bäumen, Gräsern und Getreide sowie Hausstaubmilben. Das Fazit: Alle sind "mit Einschränkung geeignet" – also dann, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen. Dazu zählen das Vermeiden der Auslöser, etwa durch Haarewaschen vor dem Schlafengehen oder Spezialbettwäsche, sowie symptomlindernde Mittel wie Antiallergika und Asthmamedikamente.

Gerade bei Kindern sei die Immuntherapie geeignet, so der Allergologe und HNO-Arzt Oliver Pfaar im Warentest-Interview. "Denn die Beschwerden können sich im Laufe der Jahre verstärken, mehr antiallergische Medikamente werden benötigt und weitere Allergien sowie allergisches Asthma können sich entwickeln."

Dass Allergiker bereits während und nach der dreijährigen Therapie weniger Symptome haben, sei gut belegt, so Pfaar. Aber: "Nicht alle Patienten sind danach beschwerdefrei", stellt er klar. Insgesamt sei die Allergie für die Patienten jedoch deutlich weniger belastend.

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Risiken der Allergie-Immuntherapie

Alle Mittel im Test können in weniger als einem von 1.000 Fällen schwere allergische Reaktionen bis hin zum Kreislaufschock auslösen. Patienten müssen deshalb sicherheitshalber nach jeder Spritze 30 Minuten beim Arzt bleiben; bei Tabletten reicht es laut Stiftung Warentest, die erste Einnahme zu überwachen. Häufig kommen Schwellungen der Einstichstelle oder Juckreiz vor.

In bestimmten Fällen darf eine Hyposensibilisierung nicht durchgeführt werden, etwa bei Krebs, schwerem Asthma oder Autoimmunkrankheiten. Auch Schwangere sollten darauf verzichten. (rka)