Gruseltourismus und Abrisswünsche

Wie steht es heute um das "Horrorhaus von Höxter", in dem Frauen gefoltert und getötet wurden?

01. Dezember 2021 - 16:33 Uhr

Unsere Reporterin hat das Haus in Höxter besucht

Über die Grenzen der Nordrhein-Westfälischen Stadt Höxter hinaus kennt man das "Horrorhaus von Höxter". In dem Stadtteil Bosseborn lotste das Ehepaar Wilfried und Angelika W. per Kontaktanzeigen Frauen zu sich nach Hause, um sie dort auf grausame Art und Weise zu misshandeln. In mindestens zwei Fällen starben die Opfer des Ehepaars. Im Jahre 2018 wurden Angelika und Wilfried schließlich zu einer Freiheitsstrafe von 11 und 13 Jahren verurteilt.

Mehr als fünf Jahre ist es nun her, dass der Fall des folternden Ehepaares öffentlich wurde. Unsere Reporterin Sarina Sprengelmeyer hat das Haus nun zum zweiten Mal besucht, um herauszufinden, was sich seitdem im Ort getan hat.

Nachbarin erzählt uns vom „Grusel-Tourismus“

Hildruth Ostermann lebt direkt neben dem Horrorhaus von Höxter.
Hildruth Ostermann lebt direkt neben dem Horrorhaus. Viele Neugierige True-Crime-Fans kommen von außerhalb und stören ihre Privatssphäre.
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Hildruth Ostermann lebt direkt neben dem "Horrorhaus". Die Seniorin muss es sich jeden Tag ansehen, mit dem Wissen, welche grauenhaften Vorfälle darin stattgefunden haben. Als Nachbarin bekommt sie eine Frage immer wieder gestellt: "Da haben viele gesagt: Ja, ihr seid doch Nachbarn. Ihr müsst das doch gesehen oder gemerkt haben!" Hildruth hat aber nichts gemerkt, sagt sie.

"Das war ja hier ein richtiger Fremdenverkehrs-Strom auf der ganzen Straße. Man konnte gar nicht mehr rausgehen", sagt Hildruth, "Überall wurde man angequatscht." Bis heute habe sich daran leider wenig geändert. Besonders am Wochenende kämen Menschen von außerhalb, um sich selbst mal einen Eindruck vom mysteriösen "Horrorhaus" machen zu können. Im Ort spricht man vom "Grusel-Tourismus".

Bürgermeister: Das Haus wird abgerissen

Höxters Bürgermeister Daniel Hartmann
Im Interview verrät uns Höxters Bürgermeister Daniel Hartmann, dass er das Haus abreißen möchte.
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Daniel Hartmann ist der Bürgermeister von Höxter. Seiner Meinung nach heile die Zeit zwar alle Wunden, die Vorkommnisse im Haus hätten aber Narben hinterlassen. Nun steht das Haus leer und ist in den Besitz des Landes Nordrhein-Westfalen übergegangen. Auf Wunsch der Anwohner hin möchte die Stadt das Haus nun kaufen. Nicht, um es wieder zu vermieten, sondern um es endgültig abzureißen und das "Horrorhaus von Höxter" endlich Geschichte werden zu lassen.

(ssp/kmü)