Halluzinationen des Grauens

Durch Hirn-Fehlfunktion: Frau sieht überall Spinnen auf ihrem Körper

Frau leidet an Halluzinationen
© action press

18. Januar 2021 - 11:20 Uhr

Ärzte rätselten lange über Symptome

Nach der Geburt ihres zweiten Kindes deuten zunächst alle ihre Symptome auf eines hin: Aisling Tipping (34) leidet höchstwahrscheinlich unter postnatalen Depressionen. Was mit starken Kopfschmerzen und Gleichgewichtsproblemen beginnt, endet in schrecklichen Halluzinationen. Die junge Britin sieht überall Spinnen!

Alptraum ohne Ende in Sicht

Nachdem die Medikamente gegen ihre vermeintliche Depression nicht anschlagen und die Symptome immer schlimmer werden, entscheidet Aisling Tipping sich im Oktober 2018 dazu, ein Krankenhaus in Belfast aufzusuchen, um weitere Tests zu machen. Die Ärzte stellen daraufhin fest: Die Ursache ihrer Schmerzen liegen im Gehirn. Zweieinhalb Monate verbringt sie im Krankenhaus, bekommt Medikamente und Therapien, bevor sie nach einer Reha wieder nach Hause zu ihren Kindern und ihrer Mutter Ina McCrory (58) darf. Doch die Symptome werden schlimmer und entwickeln sich zu einem echten Alptraum. Die junge Frau sieht überall Spinnen auf ihrem Körper: "Einmal habe ich deswegen eine Panikattacke im einem Beauty-Salon bekommen. Die Mitarbeiterin war so in Sorge, dass sie sogar den Notarzt gerufen hat, aber ich konnte mich zum Glück beruhigen", berichtet sie dem Online Magazin "Metro".
Die Krankheit beeinträchtigt jedoch nicht nur ihre Psyche, auch das Sprechen fällt Aisling immer schwerer. Ihren Job in der Versicherungsbranche muss sie schließlich aufgeben.

„Das war hart, wie ein Boot Camp“

Nachdem ihre Beschwerden immer schlimmer werden, muss die zweifache Mutter wieder ins Krankenhaus, wo die Ärzte nach zahlreichen Test feststellen können, dass die Ursache neurologischer Natur sein muss. Schließlich die Gewissheit: Aisling leidet unter einer Enzephalitis, also einer Entzündung des Gehirns. Die Entzündung ist schuld daran, dass einige Teile ihres Gehirns nicht richtig funktionieren und somit beispielsweise ihre motorischen Fähigkeiten und ihre Sprache beeinträchtigen.

Aisling bekommt Medikamente und zahlreiche Therapien, denn ganz normale Dinge muss von Grund auf neu lernen: Waschen, Anziehen, Gehen und Sprechen. "Metro" berichtet sie: "Das war hart, wie ein Boot Camp". Denn zu ihren Schmerzen und Halluzinationen kommt, dass sie durch ihre Medikamente stark zunimmt und ihr Selbstbewusstsein komplett verliert.

LESE-TIPP: Spinnenphobie? Dann gucken Sie hier lieber nicht hin!

Video: Enzephalitis: Wenn sich das Gehirn entzündet

Der Kampf zurück ins Leben

Doch Aisling ist stark und aufgeben ist für sie keine Option. Mit der Unterstützung ihrer Familie und Freunde schafft sie es, sich Tag für Tag zurück ins Leben zu kämpfen. Durch die Therapien macht sie langsam aber stetig Fortschritte und kann nach und nach ihre Medikamente reduzieren.

Mittlerweile engagiert sie sich außerdem in vielen sozialen Gruppen, in denen sie auf die seltene Krankheit aufmerksam machen und anderen Betroffenen Mut machen will. Im Interview mit "Metro" sagt sie: "Normalerweise bin ich am Boden zerstört von dem, was geschehen ist. Aber ich habe versucht, meinen Humor zu behalten und mein Motto ist: wenn du nicht lachst, wirst du weinen!"