Studie: Nur wenige Raucher erkranken an Covid-19

Hilft Nikotin gegen Corona-Infektion?

Laut einer französischen Studie sind unter den untersuchten COVID-19-Patienten nur wenige Raucher.
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04. Mai 2020 - 11:22 Uhr

Wissenschaftler vermuten schützende Wirkung von Nikotin

Raucher sind besonders gefährdet, an dem neuartigen Coronavirus zu erkranken - so hieß es zumindest bisher. Französische Wissenschaftler vermuten nun aber, dass Nikotinkonsum sogar vor einer Infektion mit dem Virus schützen kann. Denn: Unter den bisher an Covid-19 Erkrankten sind sehr wenige Raucher.

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Nikotin soll Vermehrung der Viruszellen bremsen können

Weltweit liegt die Rate von rauchenden Covid-19-Patienten laut mehreren Studien zwischen 1,4 und 12,5 Prozent.

Auch eine Studie aus Frankreich bestätigt dieses Bild: Von den 500 Covid-19-Patienten - darunter 350 im Krankenhaus behandelte Menschen und 150 Patienten mit einem leichteren Krankheitsverlauf - waren nur fünf Prozent Raucher, so Zahir Amoura, Studienleiter und Professor für Innere Medizin. Das seien 80 Prozent weniger Raucher unter den Covid-Patienten als in der allgemeinen Bevölkerung in der gleichen Alters- und Geschlechtsgruppe.

Vermutet wird, dass Nikotin an Zellrezeptoren anhaftet, die vom Coronavirus genutzt werden. Die Anhaftung des Virus wird dadurch verhindert, erklärt Professor Jean-Pierre Changeux vom Institut Pasteur und dem Collège de France. Das Virus könne somit nicht in die Zellen eindringen und sich im Organismus ausbreiten. Dass der fragliche Zellrezeptor eine Rolle bei der Ausbreitung des Virus spielt, könnte laut Forschern auch die Vielfalt der Symptome von Covid-19 erklären. 

Nikotinpflaster als Schutz für Pflegekräfte?

Die neuen wissenschaftlichen Vermutungen sollen nun im Pariser Krankenhaus La Pitié-Salpêtrière untersucht werden - und zwar anhand von Nikotinpflastern.

Laut Professor Amoura soll durch die Studie erforscht werden, ob zum Beispiel Pflegekräfte vorbeugend mit einem Nikotinpflaster geschützt und Patienten damit behandelt werden können. Hierfür soll mit verschieden dosierten Pflastern getestet werden. Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Véran muss jedoch noch grünes Licht für die Studie geben.

Aber hilft Nikotin wirklich? Was Experten aus Deutschland und Österreich von der Studie halten, lesen Sie hier.

Rauchen: Sucht mit gefährlichen Folgen

Dennoch ist und bleibt Rauchen extrem ungesund. Durch die Belastung des Rauchens sind beispielsweise die Abwehrkräfte des Bronchialsystems eingeschränkt. Viren und Co. haben so leichteres Spiel. "Raucher haben grundsätzlich ein höheres Risiko, Virusinfektionen zu erleiden", so Professor Michael Pfeifer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie. Darum stecken sich Raucher auch schneller mit dem Coronavirus an. Außerdem nimmt der Körper jedem Zigarettenzug unzählige Schadstoffe zu sich und die müssen wieder abgebaut werden. Durch Rauchen kann so zu gravierenden Folgekrankheiten kommen. Herzinfarkte, Schlaganfälle, Lungenkrebs oder Raucherbeine – die Liste der Leiden ist lang. Schulmedizinische Forschungen haben ergeben, dass starke Raucher – statistisch betrachtet – zehn Jahre ihrer Lebenserwartung einbüßen. 

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TVNOW-Doku Folge 3: Was wir aus der Krise lernen

In der dritten Folge der TVNOW-Doku zum Coronavirus geht es um die Frage: Welche Lehren können wir aus der bisher größten Krise der Nachkriegszeit ziehen? Wir haben mit Experten gesprochen. War der Staat zu inkonsequent? Wurden die Schulen zu schnell geschlossen? Was tun gegen das Hamsterchaos? Und was ist der tatsächliche Grund, dass tausende Urlauber auf der ganzen Welt gestrandet sind?