"Kein Schuldbewusstsein bei Impfgegnern"

3G-Kontrollen im Nahverkehr: Können 100 Euro Bußgeld zur Vernunft aufrufen?

08. Dezember 2021 - 15:50 Uhr

Kein Eintritt ohne Impf- oder Testnachweis!

Ohne gültiges 3G-Zertifikat kommt hier keiner durch: An Eingängen, vor den Rolltreppen und auf den Bahnsteigen kontrollieren Frauen und Männer vom Sicherheitsteam der hessischen Verkehrsbetriebe die Fahrgäste auf Impf- und Testnachweis. Verstärkt werden sie durch die Stadt- und Länderpolizei.

TraffiQ-Chef Reinhold: "Es gibt einige, die leben in einer anderen Welt"

"Fahrgäste ohne Impf- und Testnachweise neigen mitunter eben doch zu etwas gewalttätigem Verhalten. Da ist es ganz gut, die Polizei dabei zu haben", erklärt Tom Reinhold, Geschäftsführer der lokalen Nahverkehrgesellschaft traffiQ an einem Kontrollpunkt in Frankfurt am Main. "Der Schwarzfahrer weiß in der Regel, dass er eine Ordnungswidrigkeit begeht", berichtet Reinhold im RTL-Interview. Doch bei Impfgegnern ohne Nachweis gebe es oftmals kein Schuldbewusstsein. "Es gibt einige, die leben in einer anderen Welt."

"Es gibt oft kein Schuldbewusstsein bei Impfgegnern": TraffiQ-Geschäftsführer Tom Reinhold ist froh, die Polizei bei den Kontrollen an seiner Seite zu haben.
"Es gibt oft kein Schuldbewusstsein bei Impfgegnern": TraffiQ-Geschäftsführer Tom Reinhold ist froh, die Polizei bei den Kontrollen an seiner Seite zu haben.
© RTL

3G-Verstoß darf nur die Polizei bestrafen

So unterstützen die Kollegen der Polizei bei besonders hartnäckigen Fällen. Und erheben hier das Bußgeld. Denn während fehlende Masken und fehlender Fahrschein von den Verkehrsverbänden selbst bestraft werden kann, dürfen die 100 Euro Bußgeld bei einem Verstoß gegen die 3G-Nachweispflicht bisher rechtlich nur von der Polizei eingesackt werden.

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5 Prozent der Fahrgäste sind ohne 3G-Nachweis unterwegs

Die Erfahrungen an Kontrollorten wie Offenbach, Fulda oder Gießen zeigen: Etwa fünf Prozent der Fahrgäste verstoßen gegen die 3G-Regeln. "Die Maske hingegen wird nicht mehr hinterfragt von den Fahrgästen", so André Kavai, Geschäftsführer der Rhein-Main-Verkehrsverbund GmbH. Bei ca. 500 kontrollierten Bus- und Bahnfahrern in Offenbach gab es nicht einen Verstoß gegen die Maskenpflicht, dafür konnten aber ca. 25 der Kontrollierten keinen 3G-Nachweis vorlegen. Wichtig sei es laut Kavai bei den Stichproben-Kontrollen, dass die Leute verstünden, dass es ohne Nachweis Konsequenzen hat: Die Fahrgäste werden von der Fahrt ausgeschlossen und müssen ein Bußgeld von 100 Euro zahlen.

Polizei, Sicherheitsteam, aufgebrachte Fahrgäste: bei den 3G-Kontrollen ist einiges los an den Frankfurter S- und U-Bahn-Stationen.
Polizei, Sicherheitsteam, diskutierende Fahrgäste: Bei den 3G-Kontrollen ist einiges los an den Frankfurter S- und U-Bahn-Stationen.
© RTL

Zwischen empörten und verunsicherte Fahrgästen

Doch nicht bei allen kommt die Message an - so wie in diesem Fall bei der medienbegleiteten 3G-Kontrolle in Frankfurt: Eine etwa 60-jährige Frau stürmt laut schimpfend von der Kontrolle weg und reißt sich noch auf der Rolltreppe die Maske vom Gesicht. Sie ist nicht geimpft und hatte auch keinen Test bei sich. Es sei "eine Unverschämtheit, was uns hier alles zugemutet wird", empört sie sich. Eine andere Frau hat ganz andere Sorgen: "Ich hoffe, die Tests und Impfnachweise sind jetzt bald fälschungssicher."

Sonderkontrollen in ganz Hessen

Frankfurt ist nicht der einzige Ort von Sonderkontrollen. So gab es nach Angaben des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) bereits Schwerpunktkontrollen in Gießen, Frankfurt, Offenbach, Dietzenbach, Wiesbaden, Darmstadt, Hanau sowie in den S-Bahnen statt. In den kommenden Wochen seien weitere Kontrollen an verschiedenen Orten im Verbundgebiet wie auch im Regionalverkehr geplant, so ein Sprecher.

Eine positive Bilanz zieht der Nordhessische Verkehrsverbund NVV. Die zehn Teams, die seit zwei Wochen Schwerpunktkontrollen vornehmen, hatten nur wenige Regelverstöße festgestellt. "Es müssen nur ca.ein bis fünf Prozent der kontrollierten Personen das Fahrzeug verlassen", erläutert die Pressesprecherin am Dienstag.(gmö/dpa)