„Mit einem harten Lockdown rechne ich nicht mehr“

Helge Braun exklusiv im RTL-Sommerinterview

11. Juni 2021 - 12:59 Uhr

Kanzleramtschef Braun (CDU) im exklusiven RTL-Interview zum Corona-Management

Es ist Sommer, immer mehr Menschen sind geimpft. Die Pandemie neigt sich gefühlt dem Ende zu – es beginnt eine Zeit der Aufarbeitung. Was ist falsch gelaufen und basiert unsere Corona-Politik auf falschen Zahlen? Darüber und wie es in der nächsten Legislaturperiode weitergeht, hat RTL-Reporterin Franca Lehfeldt mit Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) gesprochen.

Das ganze Interview sehen Sie im Video.

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"Das Ziel, im Sommer jedem ein Impfangebot machen zu können, werden wir einhalten können"

Im Interview mit RTL zeigt sich Kanzleramtsminister Braun zufrieden mit den Fortschritten in der Pandemiebekämpfung in den letzten Wochen. Die Gefahr einer vierten Welle möchte er nicht ausschließen und verweist auf das Delta-Virus, das sich in Großbritannien gerade ausbreitet. Innerhalb von elf Tagen habe sich die Zahl der Neuinfektionen dort verdoppelt. Im Herbst könnten die Infektionszahlen durchaus wieder ansteigen.

Braun erklärt: "Ob das wieder eine richtige Welle wird, hängt echt davon ab, wie viele Menschen sich in Deutschland impfen lassen. Wenn wir eine Impfquote von 80 Prozent schaffen, glaube ich nicht, dass es noch einmal eine relevante Welle gibt." Dass es noch einmal zu einem Lockdown kommt, glaubt er nicht. "Mit einem Lockdown, so wie wir ihn im letzten Winter hatten, rechne ich eher nicht mehr", so Braun gegenüber RTL. "Wir haben dann eine Bevölkerung, die hoffentlich zu hohen Teilen geimpft sein wird." Es gehe im Herbst auch nicht mehr um die Frage, ob genügend Impfstoff bereitstehe, sondern ob sich genügend Menschen haben impfen lassen.

Braun hob in diesem Zusammenhang hervor: "Das Ziel, im Sommer jedem ein Impfangebot machen zu können, werden wir einhalten können."

"Kinder und Jugendliche sollen individuell mit ihren Eltern und ihrem Impfarzt entscheiden, ob sie sich schon impfen lassen wollen"

Braun betonte weiter, dass Kinder und Jugendliche individuell mit ihren Eltern entscheiden sollten, ob sie sich schon impfen lassen wollen. Zur Impfung von Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren hat die Regierung bereits vor der Empfehlung der Stiko intensiv diskutiert. Am Donnerstag hat die Stiko nun erklärt, dass sie eine generelle Empfehlung nur für vorerkrankte Kinder und Jugendliche empfiehlt. Auf die Frage, ob die parallele Diskussion darüber nicht unnötige Verwirrung ausgelöst habe, erklärt Kanzleramtsminister Helge Braun im Interview mit RTL/ntv, dass dies nicht aufzuhalten war, nachdem die Europäische Arzneimittelagentur einen Impfstoff zugelassen habe.

"Ich weiß gar nicht, wie es hätte sein sollen, wenn die gesamte deutsche Politik erklärt hätte, wir sagen nichts, bevor wir keine Erklärung der Stiko dazu haben." Die Diskussion dazu auf der Ministerpräsidenten sei gut und wichtig gewesen. Und die Einschätzungen der Stiko seien ja nicht konträr zu den Aussagen der Politik. "Es gibt einen zugelassenen Impfstoff, der ist sicher und deshalb sollen Kinder und Jugendliche individuell mit ihren Eltern und ihrem Impfarzt entscheiden, ob sie sich jetzt schon impfen lassen wollen", so Braun gegenüber RTL/ntv. Wichtig sei, weder auf die Kinder und Jugendlichen noch auf die Eltern einen Druck auszuüben, weder in die eine noch in die andere Richtung. Eine freie Entscheidung sei der richtige Weg.

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Braun: „Natürlich wird die Rente immer sicher sein, aber nicht immer in unveränderter Form“

Zur Diskussion um eine mögliche Heraufsetzung des Rentenalters auf 68 Jahre, wie es Experten in dieser Woche vorgeschlagen haben, erklärte Kanzleramtsminister Helge Braun im Interview mit RTL, dass es ein hohes Maß an Stabilität auch in Zukunft geben werde. Braun erklärte: "Natürlich wird die Rente immer sicher sein, da sie eine zentrale Säule für die Altersabsicherung unserer Gesellschaft ist. Das wird sie aber nicht immer in unveränderter Form sein."

Es ist richtig, dass Rentenkommissionen, wie sie die Regierungen einsetzt, Empfehlungen gibt. Das sei ja so auch gewünscht. "Eine generationengerechte Ausgestaltung der Rente und gleichzeitig ein Finanzierungsweg, bei der der Faktor Arbeit in Deutschland nicht zu teuer wird – also nicht alles auf Lohnnebenkosten-Basis finanziert wird – das sind die beiden Stellschrauben, die man zueinander in die Waage bringen muss", so Braun gegenüber RTL.

"Sobald sich die Lage entspannt, sagen natürlich alle, dass die Pandemie uns viel Geld gekostet hat"

Zu den Kosten der Pandemie sagte Kanzleramtschef Braun (CDU): "Die mit Abstand größten Kosten haben wir dafür aufgewendet, die deutsche Wirtschaft zu stabilisieren. Und das ist uns gut gelungen." Auf die Frage, ob Braun die Summe von 18 Euro für gerechtfertig halte, die bei Apotheken für die Ausstellung des digitalen Impfnachweises fällig werden, sagte er: "Über die Höhe einer solchen Vergütung kann man von außen immer gut streiten, aber das ist zwischen dem Gesundheitsministerium und denjenigen, die es machen sollen, ausgehandelt."

Insofern gehe Braun davon aus, dass das angemessen sei. "In der Pandemie sagen wir entweder, es ist zu teuer oder es ist zu bürokratisch. Wenn wir es aber unbürokratisch machen, dann kommen die Betrugsfälle. Die Apotheken prüfen jeden Tag Rezepte auf ihre Echtheit und daher sind sie ein guter Partner, wenn es darum geht, die Echtheit dieser Impf-Zertifikate zu überprüfen."

"Ich kandidiere wieder für den Deutschen Bundestag. Ich möchte in der nächsten Legislaturperiode gerne weiter mitarbeiten - an welcher Stelle, sehen wir dann“

Wie es für Helge Braun nach der Bundestagswahl weitergeht, lässt der 48-jährige offen. "Zunächst einmal arbeite ich daran, dass das Kanzleramt in den Händen der CDU bleibt". Braun würde dann nicht ausschließen, sogar Kanzleramtschef zu bleiben. "Es ist zwar eindeutig zu früh jetzt darüber zu spekulieren, aber ausschließen sollte man das auch nicht". Braun sagte im RTL-Interview weiter: "Ich kandidiere wieder für den Deutschen Bundestag und möchte in der nächsten Legislaturperiode gerne weiter mitarbeiten - an welcher Stelle, sehen wir dann."

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