Inflation und höhere Personalkosten lassen die Preise steigen

Heimpflege wird teurer und teurer: So hoch ist der Eigenanteil inzwischen!

Pflegeheim
Steigende Zuzahlungen machen vielen Pflegebedürftigen im Heim schon seit Jahren zu schaffen. Und die Kosten steigen weiter...
deutsche presse agentur

Aus dem eigenen Haus oder der Wohnung auszuziehen und ins Heim zu gehen, das fällt vielen älteren Menschen nicht leicht. Steigende Zuzahlungen machen vielen Pflegebedürftigen im Heim zusätzlich schon seit Jahren zu schaffen. Und die Belastungen verschärfen sich nicht nur wegen der hohen Inflation. Kommt bald eine stärkere Kostenbremse?

2.411 Euro aus eigener Tasche im Schnitt fällig

Die Pflege im Heim wird teurer und teurer. Selbst zu zahlende Anteile für Pflegebedürftige und ihre Familien sind trotz neuer Entlastungszuschläge deutlich gestiegen, wie eine Auswertung des Verbands der Ersatzkassen ergab.

  • Zum 1. Januar 2023 waren demnach im ersten Jahr im Heim im bundesweiten Schnitt 2.411 Euro pro Monat aus eigener Tasche fällig, 278 Euro mehr als Anfang 2022.

Dabei schlugen nun auch höhere Kosten für Lebensmittel und bessere Löhne für Pflegekräfte durch. Der Druck für eine große Finanzreform, die Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) angekündigt hat, wächst.

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Heimbewohner zahlen noch Kosten für Unterkunft und Verpflegung

In den Summen ist zum einen der Eigenanteil für die reine Pflege und Betreuung enthalten. Denn die Pflegeversicherung trägt - anders als die Krankenversicherung - nur einen Teil der Kosten. Für Heimbewohner kommen dann noch Kosten für Unterkunft, Verpflegung und auch für Investitionen in den Einrichtungen hinzu.

Seit 1. Januar 2022 gibt es neben den Zahlungen der Pflegekasse einen Entlastungszuschlag, der mit der Pflegedauer steigt. Den Eigenanteil nur für die reine Pflege drückt das im ersten Jahr im Heim um 5 Prozent, im zweiten um 25 Prozent, im dritten um 45 Prozent, ab dem vierten Jahr um 70 Prozent.

Auch mit dem höchsten Zuschlag stiegen die Zuzahlungen aus eigener Tasche nun im Schnitt auf 1.671 Euro pro Monat. Das waren 130 Euro mehr als zum 1. Januar 2022, wie aus den Daten hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Insgesamt bekamen knapp 700.000 Pflegebedürftige Zuschläge, wie das Bundesgesundheitsministerium für den Schnitt der ersten drei Quartale 2022 mitteilte. Davon erhielten 41,8 Prozent den höchsten Zuschlag ab dem vierten Jahr im Heim - und 25,4 Prozent den niedrigsten, da sie noch im ersten Heimjahr waren.

Ohne Zuschüsse wären für alle nun sogar 2.468 Euro selbst zu zahlen, 289 Euro mehr als Anfang 2022. Die Ursache sind weitere Mehrkosten, die bei den Pflegebedürftigen landen.

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Große regionale Unterschiede: In diesem Bundesland sind die Kosten am höchsten!

So lag der Eigenanteil nur für die reine Pflege zum 1. Januar 2023 bei durchschnittlich 1.139 Euro nach 912 Euro Anfang 2022.

  • Hintergrund sind auch vielfach höhere Personalkosten. Denn seit 1. September 2022 müssen alle Einrichtungen Pflegekräfte nach Tarifverträgen oder ähnlich bezahlen, um mit den Pflegekassen abrechnen zu können. Die gesetzliche Vorgabe hatte noch die alte schwarz-rote Bundesregierung auf den Weg gebracht - auch um dringend gesuchte Pflegekräfte im Beruf zu halten und zu gewinnen.
  • Daneben macht sich die hohe Inflation mit teureren Lebensmitteln in den Heimen bemerkbar. Die Zuzahlungen für Unterkunft und Verpflegung gingen binnen Jahresfrist von 801 auf nun 857 Euro hoch.
  • Insgesamt gibt es bei den selbst zu zahlenden Anteilen weiter große regionale Unterschiede. Am teuersten waren Heimplätze - ohne Zuschüsse - laut Auswertung zum 1. Januar in Baden-Württemberg mit 2.845 Euro im Monat. Am wenigsten kosteten sie in Sachsen-Anhalt mit im Schnitt 1.868 Euro.

Lauterbach will 2023 ein großes Pflegegesetz angehen

ARCHIV - 29.11.2022, Berlin: Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, nimmt an einem Pressestatment zu aktuellen gesundheitspolitischen Themen teil. (zu dpa: "Gesundheitsminister Lauterbach Pressestatement") Foto: Michael Kappeler/dpa ++
Gesundheitsminister Karl Lauterbach
tba axs, dpa, Michael Kappeler

Für die Analyse des Ersatzkassenverbands, zu dem unter anderem die Techniker Krankenkasse, die Barmer und die DAK-Gesundheit gehören, wurden Vergütungsvereinbarungen der Pflegekassen mit Heimen in allen Bundesländern ausgewertet. Die Daten beziehen sich den Angaben zufolge auf Bewohnerinnen und Bewohner mit den Pflegegraden 2 bis 5.

Über Entlastungen für Pflegebedürftige und überhaupt eine gesicherte Finanzierung der Pflege im alternden Deutschland wird seit langem diskutiert. Klar ist: Es wird teurer. Schon die Entlastungszuschläge für Heimbewohner kosteten die Pflegekassen im vergangenen Jahr 3,4 Milliarden Euro, wie der Ersatzkassenverband erläuterte. In diesem Jahr dürften es „deutlich über vier Milliarden Euro“ sein.

Lauterbach will 2023 ein großes Pflegegesetz angehen. Im Blick stehen soll auch die Dynamisierung vieler Leistungen, wie es aus dem Ministerium hieß. Denn derzeit fresse die Inflation die Pflegesätze quasi auf. (dpa/eku)

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