Mutter, Freundin und Hund getötet

Florian E.: „Mama, es tut mir leid. Mama, ich werde dich vermissen“

Prozess um Tötung von Mutter und Freundin in Hamburg
Prozess um Tötung von Mutter und Freundin in Hamburg
© RTL, RTL Nord

05. August 2021 - 15:03 Uhr

Angeklagter bricht vor Gericht in Tränen aus

Er soll seine Mutter erstochen, seine Freundin erstickt und seinen Hund erschlagen haben: Seit Dienstag steht Florian E. in Hamburg vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft sieht im Angeklagten eine krankhaft seelische Störung. Auch am Donnerstag kommt Florian E. erst in den Gerichtssaal, als die Kameraaufnahmen der Pressevertreter vorbei sind. Es wird befürchtet, er könne beim Anblick der Kameras die Kontrolle verlieren. Als Polizisten im Gericht von dem Tag der Festnahme erzählen, bricht der 29-Jährige in Tränen aus.

Florian E.: „Mama, es tut mir leid. Mama, ich werde dich vermissen“

Vor Gericht erinnern sich die Polizisten an die Festnahme im Februar: Florian E. habe die Tür zuerst nicht aufgemacht, die Beamten hätten aber ein leises Wimmern aus der Wohnung gehört. Schließlich habe Florian E. die Tür mit den Händen nach oben und Tränen in den Augen geöffnet. Auf dem Boden habe eine große Blutlache und eine Leiche gelegen – vermutlich die Mutter. Außerdem hätten die Beamten einen starken Chlorgeruch festgestellt. An der Kleidung von Florian E. habe sich Blut befunden und auf der Küchenzeile habe ein ca. 20 Zentimeter langes blutverschmiertes Messer gelegen. Während der Festnahme habe der Angeklagte mehrmals gerufen: "Mama, es tut mir leid. Mama, ich werde dich vermissen".

Chatprotokolle offenbaren düstere Gedanken des Angeklagten

Ein Polizist berichtet von einem Gespräch mit dem Bruder des Angeklagten: Florian E. habe sich in letzter Zeit komisch verhalten, so der Bruder. Er habe sich verfolgt gefühlt. Das bestätigt auch ein Ermittler, der Chatprotokolle von Familie und Freunden ausgewertet hat: Ab dem 16. Januar sollen die Nachrichten sich drastisch verändert haben. Florian E. beschreibe dort, dass etwas komisch sei, er Stimmen höre und dass es ihm nicht gut gehe. Er schreibt, dass sein Vater ihm gesagt hätte, dass es ihm egal wäre, wenn er sich umbringen würde. Das habe ihn belastet.

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Freundin trennte sich kurz vor der Tat vom Angeklagten

Auch die Nachrichten zwischen ihm und seiner Freundin seien ab dem 16. Januar auffällig: In einem Moment weist er sie ab, im anderen Moment schreibt er, dass er sie brauche. Der Vater von Florian E. sagt der Polizei, dass sich die Freundin kurz vor der Tat von dem 29-Jährigen getrennt habe. Das sei auch der Grund gewesen, warum die Mutter zu ihrem Sohn in die Wohnung gefahren sei.

Angeklagter soll seine Freundin zerstückelt haben

Florian E soll seine Freundin erstickt haben. Eine LKA-Beamtin sagt aus, dass sie den Oberkörper der jungen Frau in der Badewanne entdeckte und weitere Körperteile in einer Sporttasche verstaut waren. Außerdem soll sich in der Badewanne eine Handsäge befunden haben.

Florian E.: "Ganz schnell Handfesseln anlegen, sonst passiert etwas"

Als die Beamten Florian E. im Februar festnehmen, habe er permanent geschrien und geweint und erneut gerufen: "Es tut mir so leid, Mama. Ich werde dich vermissen". Er habe sich in einem psychischen Ausnahmezustand befunden, so die zuständige Beamtin. Sie hätte es nicht geschafft mit ihm zu reden. Er habe gedroht: "Ganz schnell Handfesseln anlegen, sonst passiert etwas und ich mache euch platt".

Angeklagter wohl schuldunfähig

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In der Wohnung des Angeklagten entdeckt die Polizei im Februar die Leichen der Mutter und der Freundin.
© dpa, Daniel Bockwoldt, dbo let sb

Florian E. soll laut rechtsmedizinischen Untersuchungen seine Freundin erstickt und seine Mutter mit 63 Messerstichen erstochen haben. Den Hund seiner Freundin soll er mit einer Eisenstange erschlagen haben. Die Staatsanwaltschaft geht von der Schuldunfähigkeit des Angeklagten aus, da der 29-Jährige an einer krankhaft seelischen Störung leide. Als Nebenkläger soll sein Vater noch aussagen. Das Urteil wird voraussichtlich Mitte September fallen. (vfr)

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