Frau mit Kind passt hier nicht mehr rein

H&M will Müttern kündigen: "Das ist perfide und diskriminierend"

H&M wegen vermeidlicher Anti-Mami-Kampagne in der Kritik.
Weil H&M wohl vor allem Mütter mit Kindern loswerden will, erntet der Modekonzern viel Kritik.
picture alliance

Modekette will Beschäftigte entlassen

„H&M will Mütter loswerden“- Die Empörung über diese Meldung ist riesig. Im Netz schlägt die Nachricht, dass der Mode-Konzern Mütter loswerden will, ziemlich hohe Wellen und erntet mächtig Kritik. Auch unter den Beschäftigten sorgt das sogenannte Förderprogramm von H&M für Wirbel und Angestellte fühlen sich massiv unter Druck gesetzt. Wir haben mit einer Mitarbeiterin von H&M gesprochen.

Vermeidliche Anti-Mami-Kampagne von H&M

„Skandal“, „Auf der Schäbigkeitsskala ganz weit oben“, „Mütter zu entlassen, weil sie Mütter sind, ist verantwortungslos und dreist“- Im Netz ist die Aufregung über die Strategie von H&M, Mütter zu entlassen, weil sie nicht produktiv genug seien, ziemlich groß. Vor wenigen Tagen wurde das Förderprogramm, wie die Modekette die Entlassungs-Strategie nennt, bekannt. Dieses Programm sieht den Abbau von rund 800 Stellen vor, darunter vor allem Frauen mit Kindern.

Laut übereinstimmenden Medienberichten wolle der Modehändler aus Schweden vor allem Mitarbeiter verabschieden, die nicht an den umsatzstarken Abendzeiten sowie an Samstagen arbeiten können. In dem Programm werden Beschäftigte in Elternzeit als geeignete Gruppe für Entlassungen genannt. Und in Elternzeit seien derzeit vor allem junge Mütter.

H&M setzt Beschäftigte unter Druck

„Gehts noch? Welche Sicherung ist bei den H&M-Managern durchgebrannt?“ kommentiert Bernd Riexinger, Parteivorsitzender der Linken, das Vorgehen von H&M und fordert das Förderprogramm sofort zurückzunehmen.

Doch das wird erst einmal nicht passieren. Filialeiterinnen und Filialeiter bei H&M wurden schon längst angewiesen, Beschäftigten zu kündigen, wie RTL aus Insider-Kreisen erfuhr. Demnach sollen Teamleiter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nahelegen, das Unternehmen zu verlassen und die vereinbarte Abfindung anzunehmen. Viele Angestellte hätten Angst, dass wenn sie die Betriebsvereinbarung nicht akzeptieren, dass sie dann betriebsbedingt gekündigt werden und ihnen sogar die Abfindung gestrichen wird. Die meisten Beschäftigten hätten ohnehin schon prekäre Arbeitsverhältnisse.

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H&M spielt "perfides" Spiel

Dieses Förderprogramm „ist perfide und diskriminierend“ sagt Manuela K*, angestellt bei H&M. Es sei eine Katastrophe für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, schimpft die Betroffene gegenüber RTL. H&M spiele Beschäftigte gegeneinander aus und nutze die Corona-Krise für fragwürdige Förderprogramme.

Der Modekonzern weist derweil die Vorwürfe zurück und wiegelt ab. Das Freiwilligenprogramm bei H&M Deutschland richte sich nicht vorrangig an Beschäftigte mit Kindern, erklärte eine Sprecherin RTL. "Wir haben mit diesem Programm ein milderes Mittel gewählt, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Es richtet sich an alle Kolleg*innen aus unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnissen", so der Konzern. Es sei eine Möglichkeit für die Angestellten, sich beruflich verändern zu können, teilte H&M auf Anfrage von RTL mit.

*Name geändert- Die Protagonistin möchte anonym bleiben, ihr Name ist der Redaktion bekannt.

Aufruf zum Boykott von H&M

Doch statt für Beschwichtigung sorgte die knappe Erklärung des Modekonzerns für noch mehr Frust. So twitterte beispielsweise die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast: „Auch nach Reaktion von H&M bleiben Fragen.“ Von Freiwilligenprogramm zu reden sei bemerkenswert. Einige User gehen sogar noch weiter und rufen unter dem Hashtag #boycotthm dazu auf, den Modehändler zu boykottieren.

Gewerkschaft empfiehlt rechtliche Schritte

Auch die Gewerkschaft ver.di spricht von einem „Unding“ und von einer aktiven „Diskriminierungskampagne gegen junge Mütter“. Nach außen hin versuche H&M sich als glitzerndes Unternehmen zu präsentieren. Bei nährer Betrachtung zeige sich aber das wahre Gesicht.

Allen Beschäftigten von H&M, die von der Entlassungswelle betroffen seinen, rät die Gewerkschaft in jedem Fall rechtliche Schritte zu prüfen. Beschäftigte sollten in keinem Fall allein zu einem Gespräch gehen, sondern sich immer Unterstützung beim Betriebsrat oder der Gewerkschaft holen.

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Datenschutz und Rassismus-Skandal bei H&M in der Vergangenheit

Mit der vermeidlichen Anti-Mami-Kampagne hat H&M erneut einen handfesten Skandal am Bein. Erst vor wenigen Monaten brummte der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz, Johannes Caspar, dem Modehaus ein 33,5 Millionen Euro schweres Bußgeld auf. Der Grund: H&M hatte systematisch Mitarbeiter ausspioniert und damit gegen Datenschutz-Richtlinie verstoßen. Und dann gab es da noch den Rassismus-Skandal 2018. Hier warb H&M mit einer Person of Color auf deren Pullover das Wort „Monkey“ prangerte.