LKA bestätigt mehr Aggressivität

Auto von Lokalpolitikerin angezündet – Gewaltdelikte nehmen zu

28. Oktober 2021 - 9:35 Uhr

Brandanschlag auf Lokalpolitikerin

Im September wurde Lokalpolitikerin Karin Bettinger Opfer eines Brandanschlags. Es war mitten in der Nacht, als sie aus dem Schlaf gerissen wurde – das Auto der Umweltpolitikerin steht in der eigenen Einfahrt in Flammen. Spätere Ermittlungen der Polizei zeigen, dass ein Brandbeschleuniger zum Einsatz kam. Aktuelle Zahlen des LKA bestätigen nun, dass Politiker tatsächlich immer häufiger Ziel von Gewalttaten werden.

„Will nicht enden wie Herr Lübcke“

Es ist leider nicht das erste Mal, dass Karin Bettinger zur Zielscheibe von politisch motivierten Straftätern wurde. Bereits 2017 lagen zwei tote Waschbären in ihrer Einfahrt, danach kommt es immer wieder zu Diebstählen und Vandalismus. Auch wenn Bettinger sich durch solche Aktionen nicht einschüchtern lassen möchte, geben ihr die Anschläge dennoch zu denken: "Ich denke, das kann man mit Ehrenamtlichen nicht machen. Da ist irgendwann eine Grenze überschritten, und da muss die Polizei sehen, dass sie den bekommt, weil: Was ist das Nächste? Was ist die nächste Stufe? Ich will nicht enden wie der Herr Lübcke", erzählt sie uns.

Der Kasseler Regierungspräsident wurde im Juni 2019 auf der Terrasse seines Wohnhauses vom rechtsextremistischen Täter Stephan Ernst erschossen.

Gewalttaten nehmen laut LKA deutlich zu

Laut hessischem Landeskriminalamt haben sich die Attacken auf Amts- und Mandatsträger von 2019 auf 2020 fast verdreifacht. Nicht mitgezählt sind da die Angriffe im Netz durch "Hatespeech". Im Jahr 2019 wurden beispielsweise "nur" 13 Fälle von Beleidigungen von Mandatsträgern registriert, ein Jahr später waren es ganze 73 Fälle. Auch die aufgeheizte Stimmung unter den Corona-Beschränkungen könnte da eine Rolle spielen.

Extremismusforscher Benno Hafeneger bestätigt im RTL-Interview, dass wir immer mehr zur "Ellbogengesellschaft" verkommen. "Man ist konkurrenter, man ist härter, man nimmt weniger Rücksicht auf sich, insgesamt als gesellschaftlich kulturelles Phänomen. Wir haben gleichzeitig in der rechtsextremen Szene eine Entwicklung, die deutlich von Radikalisierung geprägt ist", sagt Hafenegger. (kmü)