Mutmaßlicher "Boystown"-Betreiber ist selbst Vater

IT-Spezialist Alexander G. (49) soll einer der Kinderporno-Ring-Hauptverdächtigen sein

Alexander G. wurde bei einer Kinderporno-Razzia Mitte April festgenommen.
Alexander G. wurde bei einer Kinderporno-Razzia Mitte April festgenommen.
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05. Mai 2021 - 9:57 Uhr

Schlag gegen weltweit größte Kinderporno-Plattform im Darknet gelungen

Alexander G. heißt einer der Hauptverdächtigen in einem der größen Kinderporno-Netzwerke der Welt. Der Programmierer soll einer der drei Betreiber der Darknet-Plattform "Boystown" gewesen sein, auf der rund 400.000 Mitglieder registriert waren. Im kleinen Vorort von München kennen Nachbarn den Vater von vier Kindern als angenehmen und hilfsbereiten Mann. Sie könnten zu ihm kommen, wenn ihnen der Computer mal kaputt gehen sollte, erfahren RTL-Reporter in der Nachbarschaft. Alexander G. kenne sich gut mit PCs aus.

Alexander G. (49) lebte in einem Vorort von München

In einem Dorf im oberbayerischen Landkreis Mühldorf am Inn östlich von München lebte G. in einem Haus mit seiner Ex-Frau und seinen vier Söhnen. Vor zehn Jahren zog das Ehepaar in die ländliche Region, wie RTL-Reporter erfahren. Doch die Ehe zerbrach nach drei Jahren. Der IT-Fachmann blieb nach der Trennung in der unteren Hälfte des Hauses wohnen, seine Ex-Frau lebte fortan mit den Kindern und ihrem neuen Freund eine Etage drüber. Es seien "angenehme Leute", wie eine Nachbarin erzählt. Die Jungs seien sehr nett. Die zwei jüngeren Söhne im Alter von 11 und 14 Jahren seien seine leiblichen Kinder, die zwei älteren (20 und 25 Jahre) hätte die Frau aus einer früheren Beziehung mit in die Ehe gebracht.

Früher habe man mehr Kontakt zu der Familie gehabt, so die Nachbarin. G. habe als Programmierer in einer IT-Firma gearbeitet und kenne sich gut mit Computern aus. Er habe den Nachbarn seine Hilfe bei Problemen mit ihren PCs angeboten. Doch was der 49-Jährige wirklich in dem Haus trieb, blieb im Dunkeln – bis jetzt!

Drei mutmaßliche Betreiber der Kinderporno-Tauschbörse "Boystown" festgenommen

Mitte April durchsuchten Ermittler das Haus von G. bei einer Razzia. Der 49-Jährige wurde festgenommen, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Der IT-Fachmann soll einer der Köpfe der weltweit größten Kinderpornografie-Plattform im Darknet gewesen sein. Das Portal "Boystown" hatte nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) mehr als 400.000 Mitglieder. Unter den geteilten Bild- und Videoaufnahmen hätten sich auch Aufnahmen von schwerstem sexuellen Missbrauch von Kleinkindern befunden, so das BKA.

Neben G. wurden zwei weitere mutmaßliche Betreiber festgenommen. Ein 40-Jähriger aus Paderborn sowie der 58-jährige Christian Manfred K. aus Norddeutschland, der seit mehreren Jahren in Paraguay lebt. Sie sollen die kinderpornografische Darknet-Plattformen als Administratoren betrieben haben, erklärte das BKA. Ein weiterer Beschuldigter (64) aus Hamburg soll einer der aktivsten Nutzer der Plattform gewesen sein.

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"Boystown" hatte nach Erkenntnissen der Ermittler seit mindestens Juni 2019 existiert und war ausschließlich über das Darknet zu erreichen. Dabei sei es vor allem um den weltweiten Austausch von Missbrauchsaufnahmen von Jungen unter den Mitgliedern gegangen. Das kinderpornografische Forum und weitere Chatplattformen wurden laut BKA und der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt im Anschluss an die Durchsuchungsmaßnahmen abgeschaltet.

"Dieser Ermittlungserfolg hat eine klare Botschaft: Wer sich an den Schwächsten vergeht, ist nirgendwo sicher", betonte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). "Dafür arbeiten die Fahnder Tag und Nacht, online und offline, weltweit. Wir ziehen die Täter zur Rechenschaft und tun das Menschenmögliche, um Kinder vor so widerwärtigen Verbrechen zu schützen."

DPA/ MOR

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