Haben sie ihren Freund ermordet?

Mathelehrer und IT-Spezialist vor Gericht - von der Leiche fehlt jedoch jede Spur

21. April 2021 - 17:56 Uhr

Prozess fünf Jahre nach Verschwinden des mutmaßlichen Opfers

Fast fünf Jahre nach dem Verschwinden des 39-jährigen Daniel Matysik aus Hanau stehen zwei Männer vom 21. April 2021 an vor dem Landgericht Gießen. Die Staatsanwaltschaft wirft den 40 und 44 Jahre alten Angeklagten vor, den Hanauer im November 2016 entführt, in Hungen (Kreis Gießen) mit einer Schusswaffe getötet und die Leiche fortgeschafft zu haben. Bis heute ist diese - trotz umfangreicher Ermittlungen, die bis nach Bayern an den Starnberger See führten - nicht gefunden worden. Die Ermittler gehen aber in dem Fall von Mord sowie erpresserischen Menschenraub mit Todesfolge aus.

Vermisster war mit mutmaßlichen Tätern befreundet

Nach RTL-Recherchen soll der vermisste Daniel Matysik mit einem der mutmaßlichen Täter bereits seit der Kindheit in Maintal-Wachenbuchen befreundet gewesen sein. Während des Studiums in Frankfurt sollen die beiden dann den zweiten mutmaßlichen Täter kennengelernt haben.
Die Angeklagten, Mathe-Lehrer Olaf C. (44) und Software-Spezialist, Robert S., sollen ihr Opfer entführt haben, um Lösegeld von den wohlhabenden Eltern zu erpressen. Allerdings soll die Forderung nicht gestellt, beziehungsweise das Geld nicht gezahlt worden sein. Denn bei der Entführung fiel ein Schuss, der Daniel Matysik getötet haben soll. Seine Leiche wurde vermutlich an einen unbekannten Ort gebracht – noch immer fehlt von ihr jede Spur.

Angeklagte belasten sich gegenseitig

Die Ermittlungen in dem Fall hatten im Mai 2020 eine Wendung genommen, als sich der 44-jährige Angeklagte bei der Polizei gemeldet hatte. Er gab damals laut Staatsanwaltschaft an, dass der Vermisste von einem Bekannten, Robert S., getötet worden sei. Die folgenden Ermittlungen hätten dann einen dringenden Tatverdacht gegen diesen Mann ergeben.

Doch auch der Hinweisgeber geriet durch DNA-Untersuchungen, Zeugenbefragungen sowie Auswertungen diverser Datenträger ins Visier der Ermittler. Beide Männer sitzen bereits seit mehreren Monaten in Untersuchungshaft. Nach Angaben eines Sprechers der Gießener Staatsanwaltschaft haben die Angeklagten "umfangreiche Angaben" gemacht - und sich dabei gegenseitig belastet. Ein Angeklagter ist demnach deutscher, der andere deutsch-türkischer Staatsangehöriger.

Im Prozess vor dem Gießener Landgericht sollen mehr als 70 Zeugen sowie sieben Sachverständige befragt werden. Bislang hat das Gericht Verhandlungstermine bis in den September hinein geplant.

Quelle: DPA/RTL.de