Elternkolumne von RTL-Moderatorin Eva Imhof

Getrennter Unterricht für Mädchen und Jungs?! Aber HALLO! Warum das alles andere als „old fashioned“ ist

RTL-Moderatorin Eva Imhof wäre manchmal selbst lieber getrennt von Jungs unterrichtet worden.

19. Februar 2020 - 12:08 Uhr

Bildungspolitikerin will Mädchen und Jungen in einigen Schulfächern trennen

Jungen und Mädchen sollten getrennt unterrichtet werden - zumindest in Fächern wie Mathe und Physik. Das fordert Stefanie Hubig, Präsidentin der Kultusministerkonferenz. Die Hoffnung hinter dem Vorschlag: Mädchen könnten sich ohne ihre männlichen Mitschüler in diesen Fächern mehr zutrauen. RTL-Moderatorin und Zwillingsmutter Eva Imhof kennt das Problem aus ihrer eigenen Schulzeit.

„Ich habe mich durch die Schule gequält"

Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, dann erinnere ich mich vor allem an eins: an Bauchschmerzen! Mittlerweile kann ich darüber lachen, aber ehrlich gesagt habe ich mich nicht nur durch die Schule gequält, sondern auch durchs Studium. Also insgesamt viele Jahre, die von Prüfungsangst, Bauchschmerzen und Versagensängsten begleitet wurden.

Am allerschlimmsten war es für mich in Mathe. Denn ich kann nicht rechnen. Bis heute nicht. Ich habe "Dyskalkulie", also so etwas wie Legasthenie, nur eben auf Zahlen bezogen. Damals war dieses "Phänomen" allerdings noch nicht bekannt und deshalb wurde ich als schlicht unfähig eingestuft. Da ich ansonsten eine sehr gute Schülerin war, haben meine Eltern es glücklicherweise nett weggelächelt mit Sätzen wie "das liegt in der Familie".

Schon in der Grundschule wurde ich regelmäßig bei Mathe-Tests nach Hause geschickt. Und zwar dann, wenn ich, gekrümmt vor Bauchschmerzen, über dem Tisch hing und mir vor Schmerz schwarz vor Augen wurde. Meine damalige Lehrerin war sehr lieb und sagte stets: "Hier Eva, erst mal ein Beruhigungskaugummi. Und dann gehst du nach Hause. Den Test holen wir nach!". Dann gab sie mir einen ihrer Pfefferminzkaugummis und sobald ich bei meiner Mama daheim war, ging es mir wieder gut.

Ist getrennter Unterricht noch im Sinne der Gleichberechtigung?

Und was hat nun meine Mathe-Schwäche mit dem Vorschlag von Stefanie Hubig, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, zu tun, dass es sinnvoll sein könnte wenn Schülerinnen und Schüler getrennt unterrichtet würden? Zumindest in Fächern wie Mathe oder Naturwissenschaften?

So einiges. Aber eins nach dem anderen. Als ich hier auf RTL.de von dem Vorschlag las, spürte ich erst mal innerlich einen Aufschrei: "Was?! In der heutigen Zeit der Gleichberechtigung?! Geht's noch?" Ich bin halbe Schweizerin und kann immer noch kaum fassen, dass im Kanton Appenzell-Innerrhoden die Frauen erst seit 1990 (!!) überhaupt das Wahlrecht besitzen.

Ganz abgesehen davon endete auch bei uns noch vor 100 Jahren die Schulbildung für Mädchen nach der Grundschule. Krass, oder?!

RTL-Moderatorin Eva Imhof bei ihrer Einschulung.
Eva Imhof musste sich manchmal richtig durch ihre Schulzeit quälen - vor allem bei Fächern wie Mathe.
© Privat

Studien belegen: Getrennter Unterricht ist in manchen Fächern sinnvoll

Aber wissen Sie was, wenn man nur einen Funken nachdenkt und sich vor allem ein paar wissenschaftliche Studien anschaut, dann wird schnell klar: NATÜRLICH ist es hilfreich, wenn Jungs und Mädchen in bestimmten Fächern getrennt unterrichtet werden. An einigen Schulen wird das übrigens auch in bestimmten Fächern schon getan.

Eine große Studie, die ich zu diesem Thema gefunden habe ist aus dem Jahr 2014. Hier haben Psychologen aus den USA 184 Studien mit mehr als anderthalb Millionen Schülern aus 21 Ländern miteinander verglichen, um herauszufinden, ob getrennte oder gemischte Klassen zu besseren Leistungen führen. Hierbei kam deutlich heraus, dass die Schulleistungen bei getrennt unterrichteten Kindern besser waren als in gemischten Klassen, vor allem in Mathe.

Aber Studien hin oder her, schauen wir uns mal das reale Leben an und da wird doch vor allem eins klar: Die Fächer, in denen eine Trennung am meisten Sinn macht, sind für mich – neben den besagten naturwissenschaftlichen Fächern – Sexualkunde und Sport.

Denn, stellen Sie sich mal den Sexualkundeunterricht getrennt vor. NATÜRLICH haben die Kinder weniger Hemmungen über Penis, Vagina und Co. zu sprechen, wenn sie unter ihresgleichen sind.  Und zum Thema Sport, haben Sie jemals erlebt, dass bei Weltmeisterschaften oder olympischen Spielen Männer und Frauen gemischt gegeneinander antreten? Eben!

„Für getrennte Schulen bin ich ausdrücklich NICHT!"

Und nun zurück zu mir: In Sport war ich bei diesen Ballspielen immer die Letzte, die in ein Team gewählt wurde. Es war fies, das kann ich Ihnen sagen! Während sich die groß gewachsenen Jungs um den Ball kloppten, hatte ich immer Angst vor dem Ding und habe mich geduckt, wenn er zu mir flog, anstatt ihn anzunehmen, zu fangen und mitzuspielen. Hätte es damals in Sport eine reine Mädchenmannschaft gegeben, hätte ich vielleicht sogar Freude an Ballsportarten gefunden.

Meine Mathe-Schwäche habe ich natürlich so oder so und das auch bis heute. Dennoch wäre es mir wohl unter Mädchen alles etwas leichter gefallen, da bin ich mir sicher. Lustigerweise liebt meine Tochter Lilly übrigens Mathe, genetisch kann das mit der Zahlen-Schwäche also schon mal nicht sein.

Und zum Schluss noch eins: Für getrennte Schulen bin ich ausdrücklich NICHT! Denn das Leben läuft ja – im besten Fall – auch nicht getrennt ab ;-).

Und schließlich spricht Stefanie Hubig, die übrigens auch Bildungsministerin von Rheinland-Pfalz ist, ja von einem "Experiment"  und das ist doch toll! Wir probieren es aus und schauen anhand der Ergebnisse, ob es funktioniert oder nicht. Das klingt doch nach einem vernünftigen Plan.