Auseinanderstehen der geraden Bauchmuskeln

Gesundheitslexikon: Rektusdiastase

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21. November 2019 - 17:43 Uhr

Eine Rektusdiastase ist oft die Folge von Schwangerschaft und Geburt

Für viele junge Mütter gehört es zu den vorhersehbaren Leiden, wenn der Bauch nicht mehr so schön ist wie vor der Schwangerschaft. Denn nicht nur das Gewebe wurde stark beansprucht, sondern auch die Muskeln im Bauchraum haben gelitten. Wenn sich dort dauerhafte Veränderungen zeigen, könnte es eine Rektusdiastase sein.

Was ist eine Rektusdiastase?

Von einer Rektusdiastase spricht man, wenn die geraden Bauchmuskeln an der Mitte des Bauches in Längsrichtung auseinanderklaffen. Sie liegen normalerweise eng beieinander. Der gerade Bauchmuskel besteht dabei aus mehreren miteinander verwobenen Muskelsträngen. Diese haben wichtige Aufgaben. Einerseits stabilisieren sie die inneren Organe und halten sie an ihrem Platz. Andererseits sorgen die Muskelstränge für Zugkraft und helfen dabei, den Oberkörper aufzurichten. Sind diese Muskeln verletzt, klaffen sie auseinander. Zeigt sich nach innen hin eine auffällige Kerbe, spricht man von einer Rektusdiastase.

Ursachen

Als häufigste Ursache gilt die Schwangerschaft. Viele Frauen erleiden bereits in den ersten Schwangerschaftsmonaten eine Rektusdiastase, ohne diese jedoch zu bemerken. Doch auch zum Ende hin oder während des Geburtsvorganges kann es zu einem Auseinanderdriften der Muskelgruppe kommen. Als seltenere Ursache kann ferner starkes Übergewicht zur Rektusdiastase führen, wenn schlichtweg viel Kraft aufgewendet werden muss, um den Oberkörper aufzurichten. Auch stetiges und viel zu starkes Pressen bei chronischer Verstopfung kann nach langer Zeit zu einer krankhaften Entzweiung der Muskelgruppen führen.

Symptome

Von einer krankhaften Ausbildung spricht man, wenn die Bauchmuskeln zwischen zwei und zehn Zentimeter weit auseinanderstehen. Dieser Spalt kann im Extremfall bis zu 15 Zentimeter lang sein und vom Oberbauch bis zum Schambein verlaufen. Eine Rektusdiastase ist zunächst schmerzfrei. Viele Betroffene bemerken sie deshalb überhaupt nicht, bemerken allerdings eine Schwächung der Bauchmuskelkraft. Auch klagen Betroffene häufig über einen ungewöhnlich nach vorne gewölbten Bauch. Dann drücken die Organe zunehmend nach außen. Bei schlanken Frauen sind die getrennten Muskelstränge deutlich parallelverlaufend sichtbar.

Diagnose

Da eine Rektusdiastase zunächst keine Schmerzen verursacht, obliegt es der Gründlichkeit des Arztes, diese überhaupt aufzuspüren. Üblicherweise bittet er die liegende Patientin, den Kopf ein wenig anzuheben, sodass sich die Bauchmuskeln anspannen. Pressen sich die Organe dabei durch den entzweiten Muskelspalt, handelt es sich um eine Rektusdiastase. Manchmal kann auch im Stehen eine längliche Delle der Bauchregion auffällig sein. Ausgeprägte Fälle lassen sich ertasten. Um eine Rektusdiastase von einem sehr gefährlichen Bauchwandbruch zu unterscheiden, können Untersuchungen mittels Sonographie, Computertomographie oder Magnetresonanztomographie weiterhelfen.

Behandlung und Vorbeugung

Die allermeisten Betroffenen können die verschobenen Bauchmuskeln mittels bestimmter physiotherapeutischer Übungen wieder an ihren angestammten Platz zurücknavigieren. Hilfreich ist dabei beispielsweise die klassische Rückbildungsgymnastik. Diese erfordert etwas Geduld. In sehr schwierigen Fällen können die Bauchmuskeln mittels operativem Eingriff gestrafft und neu ausgerichtet werden. Wer einer Rektusdiastase vorbeugen möchte, sollte schonend mit den Muskeln im Bauchraum umgehen. Starkes Pressen in den Unterbauch hinein oder ruckartige Bewegungen sind zu vermeiden. Ganz auszuschließen ist die Muskelerschlaffung während einer Schwangerschaft oder Geburt jedoch nicht.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.