Paarig angelegte Skelettmuskeln

Gesundheitslexikon: Bauchmuskeln (Bauchmuskulatur)

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5. April 2019 - 12:26 Uhr

Strecken, drehen, pressen: So wichtig sind die Bauchmuskeln

Sie sollen schön, straff und geschmeidig sein: die Bauchmuskeln. Die große Muskelgruppe im unteren Bereich des Rumpfes hat jedoch eigentlich Wichtigeres zu tun, als den aktuellen ästhetischen Vorgaben der Gesellschaft gerecht zu werden. Die Bauchmuskulatur ist elementar daran beteiligt, dass Menschen sich überhaupt aufrichten und bewegen können. Grund genug, sich die sehnigen Muskelstränge einmal genauer anzusehen.

Was sind Bauchmuskeln?

Als Bauchmuskeln werden alle Muskelgruppen im Bereich von Bauch und Hüften bezeichnet. Sie verbinden den Brustkorb mit dem Becken und werden auch als Skelettmuskeln bezeichnet. Über Sehnen und die Faszien sind sie direkt mit dem Skelett verbunden und steuern alle willkürlichen und aktiven Körperbewegungen. Die Muskeln sind dabei paarig angelegt. Sie können bis zu 15 Zentimeter lang sein und sind von einer dünnen Schicht Bindegewebe umhüllt. Die Muskelgruppe sorgt dafür, dass der Oberkörper nach links und rechts gedreht werden kann. Zudem kontrahieren die Muskeln, sodass sich die Bauchdecke anspannen lässt. Dies führt zu einer leichteren Entleerung von Darm und Blase.

Anatomie der Bauchmuskulatur

Nach ihrer Lage im und um den Bauchraum herum werden die Muskeln in drei Gruppen eingeteilt. Die vorderen Bauchmuskeln bestehen aus den geraden Bauchmuskeln (dem Waschbrettbauch) und dem Pyramidenmuskel. Daneben liegt die seitliche Bauchwandmuskulatur. Dazu gehört der äußere schräge Bauchmuskel, der innere schräge Bauchmuskel sowie der querverlaufende Bauchmuskel. Diese ganzen Muskelgruppen liegen relativ oberflächlich rund um den Vorderbauch und die Flanken verteilt. Dann gibt es noch die hinteren Bauchwandmuskeln. Sie liegen im Inneren des Bauchraumes und schließen an die Wirbelsäule an. Sie sind im Bereich des Steißbeines zu lokalisieren und verlaufen trichterförmig nach unten.

Funktion

Die vorderen Bauchmuskeln, die der Länge nach angeordnet sind, kooperieren mit den tief im Körper liegenden, inneren Bauchmuskeln. Dies ist vor allem deshalb so bedeutend, weil nur durch dieses Zusammenspiel die aufrechte Haltung des Oberkörpers überhaupt möglich wird. Die großen Muskelgruppen sorgen also für die Körperhaltung, die Rotation und wirken stabilisierend auf den Rumpf. Die schrägen Bauchmuskeln wiederum unterstützen die Neigungen und Drehungen. Die querverlaufende Bauchmuskulatur wirkt unterstützend auf die Atmung und ist durch die willkürliche Druckerhöhung auf den Bauchraum (Bauchpresse) beim Stuhlgang behilflich. Auch die für Frauen wichtige Stabilität der Beckenbodenmuskulatur wird durch die Bauchpresse gefördert.

Wichtigste Erkrankungen und Verletzungen

Nicht nur ein fieser Muskelkater kann die kräftigen Bauchmuskeln beeinträchtigen. Als häufigster Defekt der großen Muskelgruppe gilt die Rektusdiastase. Dabei handelt es sich um eine Verschiebung der geraden Bauchmuskeln, wenn im Rahmen der Schwangerschaft eine Delle in das Muskelgewebe getrieben wird. Zurück bleiben auseinanderklaffende Muskelstränge, die nur durch stetige Rückbildungsgymnastik wieder an ihren Platz finden. Ferner kann beispielsweise ein Nabelbruch oder ein sonstiger Eingeweidebruch zu einer Verschiebung der Muskeln führen. Die Bauchmuskulatur kann auch in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn eine umfangreiche Peritonitis, also eine Bauchfellentzündung, vorliegt. Im schlimmsten Fall können sich dann sogar die tiefliegenden Bauchmuskeln entzünden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.