Ursachen und Symptome

Gesundheitslexikon: Kyphose

Modell einer Wirbelsäule
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15. Oktober 2019 - 14:35 Uhr

Kyphose und Hyperkyphose: Das steckt hinter der Wirbelsäulenkrümmung

Hexenbuckel kennen Sie nur aus dem Märchen? Das Phänomen gibt es und zwar in Form der Kyphose. In der medizinischen Fachsprache steht dieser Begriff für eine nach hinten verlaufende Konvexkrümmung der Wirbelsäule. Das Rückrad besteht aus winzigen Gelenken und wie andere Gelenke des Körpers haben auch die Wirbelsäulengelenke eine bestimmte Gelenkachse. Weicht die tatsächliche Gelenkachse im Bereich der Wirbelsäule von der physiologisch vorgesehenen Gelenkachse ab, so ist von Wirbelsäulenfehlstellungen die Rede. Die Kyphose ist mit der Lordose verwandt, aber davon zu unterscheiden. Bei Lordosen handelt es sich um eine nach vorne verlaufende Wirbelsäulenkrümmung.

Definition: Was ist die Kyphose?

Fehlstellungen in Form von nach hinten verlaufenden Konvexkrümmungen der Wirbelachse bezeichnet man als Kyphosen. Der Begriff der Fehlstellung lässt sich nur vage von dem der Fehlhaltung abgrenzen. Fehlstellungen lassen sich im Regelfall rückgängig machen, Fehlhaltungen hingegen sind fixiert. Verschiedene Arten der Kyphose sind zu unterscheiden:

  • Posturale Kyphosen sind die häufigste Form und entsprechen einer erworbenen Fehlstellungsart.
  • Scheuermann-Kyphosen sind juvenile Osteochondrosen (jugendliche Knochennekrose der Wirbelsäule).
  • Angeborene Kyphosen basieren auf Wirbelmissbildungen im Mutterleib.
  • Nutritionale Kyphosen entstehen durch Mangelernährung.
  • Gibbusbildende Deformität entspricht einer strukturellen Fehlbildung, so beispielsweise bei Tuberkulose.
  • Posttraumatische Kyphosen basieren auf unbehandelten Wirbelbrüchen.

Ursachen: Wie entsteht eine Kyphose?

Evolutionsbiologen zufolge hatte der Mensch nur wenig Zeit, seinen Bewegungsapparat für den aufrechten Gang zu optimieren. Zu erworbenen Fehlstellungen der Wirbelsäule führen schon Kleinigkeiten, so beispielsweise

  • zu wenig Bewegung
  • falsches Sitzen oder Stehen
  • Ungleichgewichte der Muskeln
  • unbehandelte Wirbelverletzungen

Die genannten Ursachen lassen die Wirbelschwingungen zusammensinken, sodass sich der Rücken krümmt. Eine mangelernährungsbedingte Kyphose kommt fast ausschließlich in Entwicklungsländern vor. Falls die Kyphose in Form einer aseptisch juvenilen Knochennekrose vorliegt, bleiben die Ursachen ungeklärt. Abgesehen von den genannten Faktoren können Tumore, degenerative Erkrankungen wie Osteoporose und entzündliche Krankheiten wie Polyarthritis Kyphosen verursachen.

Symptome: Welche Wirbelsäulenbereiche sind von einer Kyphose betroffen?

Betreffen Kyphosen die Brustwirbelsäule, so ist von Brustkyphosen die Rede. Im Endbereich der Wirbelsäule bezeichnet der Arzt die Haltungsstörung dagegen als Sakralkyphose. Schwere Formen betreffen die gesamte Wirbelsäule. Abhängig von der Ausprägung gehen Kyphosen häufig mit Beschwerden wie Rückenschmerzen, Herzkreislaufbeschwerden, neurologischen Beeinträchtigungen sowie Atem- und Verdauungsbeschwerden einher und schränken die Lebensqualität erheblich ein. Patienten mit einer schweren Kyphose können wegen ihrer verkrümmten Wirbelsäule beispielsweise nur noch schwer sitzen, stehen oder gehen. Bei krankhaften Verstärkungen einer Brustkyphose spricht der Arzt von einem Rundrücken (Hyperkyphose), der sich in Form eines bleibenden Buckels (Gibbus) zeigt.

Diagnose, Behandlung & Vorbeugung: Was tut der Arzt bei einer Kyphose?

Die Diagnose einer Kyphose wird mittels MRT oder CT gestellt. Die Beurteilung des Schweregrads erfolgt über Winkelmessung mittels Cobb-Methode. Viele Kyphosen bedürfen lediglich einer Überwachung oder konservativen Behandlung. Letztere reichen über spezialisierte Physiotherapie der Rücken- und Brustmuskulatur bis hin zu Stabilisierungsmethoden mittels Korsett oder Massagen zur Auflösung muskulärer Ungleichgewichte. Fälle mit starken Schmerzen, Atembeschwerden, Herz-Kreislauf-Unregelmäßigkeiten oder neurologischen Beeinträchtigungen verkürzen die Lebenserwartung und erfordern eine chirurgisch aufwändigen Eingriff (Spondylodese). Bei einer wirbelkollapsbedingten Kyphose erfolgt mittels plastischer Chirurgie eine Wiederaufrichtung der Wirbel. Eine geeignete Maßnahme, um einer Kyphose vorzubeugen, können Besuche in der Rückenschule darstellen, in der die Wirbelsäulenmuskulatur gestärkt wird.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.