Lebensgefährliche Herzrhythmusstörung

Gesundheitslexikon: Kammerflimmern

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25. Oktober 2019 - 15:35 Uhr

Rhythmusstörungen des Herzens: das Kammerflimmern

Beim Kammerflimmern handelt es sich um eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung. Das Organ ist nicht mehr fähig, Blut in den Organismus zu pumpen. Die Störung, die von den Herzkammern (Ventrikeln) ausgeht, kann ohne adäquate Behandlung binnen weniger Minuten zum Tod führen.

Was ist Kammerflimmern?

Bei einem gesunden Herzen ziehen sich die Muskelzellen circa 60 bis 80 Mal pro Minute auf und zusammen. Das in den Kammern angesammelte Blut wird in den Kreislauf gepumpt, zwischen den einzelnen Schlägen füllen sich die Kammern erneut mit Blut - zumindest bei intakten Herzen. Dieser lebensnotwendige Ablauf ist beim Kammerflimmern unterbrochen. Die Folge: Erregungen in den Herzkammern, die hohe Herzfrequenzen auslösen. Dadurch kommen keine natürlichen Herzschläge mehr zustande. Der Blutkreislauf wird unterbrochen, der Puls ist nicht mehr klinisch nachweisbar. Es kommt grundsätzlich zum Kreislaufstillstand.

Ursachen

In den meisten Fällen resultiert das Kammerflimmern aus einer gravierenden Herzerkrankung. Als klassische Ursache gilt beispielsweise ein vorausgegangener Herzinfarkt. Doch auch Erkrankungen der Herzkranzgefäße (Koronarien) oder Aussackungen an den Herzwänden (Herzwand-Aneurysmen) können das Kammerflimmern begünstigen. Angeborene Herzfehler, Lungenembolien und Entzündungen des Organs (Myokarditis) zählen ebenfalls zu den typischen Risikofaktoren. Externe Einflüsse und Noxen können das Krankheitsbild auch hervorrufen. Stromunfälle, Drogen- und Schmerzmittelmissbrauch, Sauerstoffmangel, Vergiftungen und Dysfunktionen des Mineralstoffhaushalts können die lebensbedrohliche Symptomatik forcieren. Letztlich können auch Flüssigkeitsansammlungen im Herzbeutel (Perikarderguss) eine potenzielle Ursache darstellen.

Symptome

Wenn sich das Kammerflimmern tatsächlich für die Betroffenen körperlich bemerkbar macht, ist sofortiger Handlungsbedarf erforderlich. Jede Sekunde kann entscheidend sein, um der Rhythmusstörung entgegenzuwirken. Die Symptomatik ähnelt der eines vollständigen Herzstillstandes. In nahezu allen Fällen werden die Betroffenen ohnmächtig. Während die Haut einen bleichen Ton annimmt, verfärben sich die Lippen bläulich. Die Pupillen weiten sich. Sie reagieren nicht mehr auf Lichtreflexe, sondern sind völlig starr. Die eigenständige Atmung stoppt, ein Puls ist nicht mehr spürbar zu erkennen. In selteneren Fällen kommt es zu unkontrolliertem Einkoten oder Einnässen.

Diagnose

Da es sich beim Kammerflimmern stets um eine akut lebensbedrohliche Situation handelt, ist schnelles Handeln vonnöten. Geraume Zeit für eine umfassende Diagnose bleibt also nicht. Wenn der Patient bereits bewusstlos und kein spürbarer Puls mehr vorhanden ist, müssen - statt der Ermittlung des genauen Krankheitsbildes - wiederbelebende Maßnahmen eingeleitet werden. Falls sich der Betroffene nicht bereits in stationärer Behandlung befindet, muss unverzüglich ein Krankenwagen gerufen werden. Die genauere Diagnose kann mithilfe eines Defibrillators (AED), der auch von Laien genutzt werden kann, gestellt werden. Dieser wertet den Herzrhythmus aus. Auch mithilfe eines Elektrokardiogramms (EKG) wird das Krankheitsbild erkennbar.

Behandlung

Generell gilt, dass der durch das Kammerflimmern gestörte Herzrhythmus wieder geordnet werden muss. Mithilfe von Elektroden können schnelle Stromimpulse in den Körper des Patienten geleitet werden. Hierbei erhalten alle Muskeln einen parallelen elektrischen Reiz. Ihre Funktion kann dadurch wieder synchronisiert werden. In manchen Fällen muss die Maßnahme wiederholt werden. Gelingt der Vorgang, ist eine erfolgreiche Reanimation erfolgt. Das Herz beginnt wieder mit dem eigenständigen Schlagen. Die Behandlungsaussichten hängen vom Zeitpunkt der Maßnahmen ab - je früher reanimiert wird, desto größer sind die Überlebenschancen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.