Der wichtigste Eisenspeicher in unserem Körper

Gesundheitslexikon: Ferritin

9. Oktober 2019 - 13:15 Uhr

Ferritin, der sichere Aufbewahrungsort für Eisen

Ferritin ist ein großes Molekül (Makromolekül) mit 24 Untereinheiten, die sich kugelförmig anordnen. Seine Aufgabe ist die Speicherung von Eisen im Zellinneren. Im menschlichen Körper sind etwa drei bis fünf Gramm Eisen gebunden, davon 70 Prozent im roten Blutfarbstoff, dem Hämoglobin. Der Rest befindet sich größtenteils in Ferritin (etwa 20 Prozent) – besonders in Zellen der Leber, der Milz und des Knochenmarks. Ferritinmoleküle haben eine sehr hohe Speicherkapazität und können bis zu 4.000 Moleküle dreiwertigen Eisens aufnehmen. Sie können in fast allen Körperzellen hergestellt werden, wobei die Syntheserate abhängig ist von der intrazellulären Eisenkonzentration.

Funktion/Funktionsstörung

Die Eisenspeicherung in Ferritin und anderen molekularen Verbindungen schützt den Organismus, da Eisen in seiner freien Form hochgiftig ist. Es kann Eiweiße verändern und funktionsuntüchtig machen sowie Stoffwechselvorgänge negativ beeinflussen. Der Ferritingehalt im Blut wird zusammen mit anderen Werten bestimmt, wenn ein Verdacht auf Blutarmut (Anämie) vorliegt. Niedrige Ferritinwerte deuten auf einen Eisenmangel hin, der verschiedene Ursachen haben kann. Die Aufnahme kann durch Erkrankungen des Magendarmtraktes oder Verdauungsstörungen vermindert sein oder es geht Eisen durch chronische innere Blutungen, zum Beispiel bei einem offenen Magengeschwür, verloren. Auch bei den sogenannten Eiweißverlustsyndromen durch entzündliche Erkrankungen des Verdauungssystems wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa kann ein Eisenmangel entstehen. Schwangere haben einen erhöhten Eisenbedarf und sollten auf die entsprechende Ernährung achten. Das Gleiche gilt für Nierenerkrankte, die regelmäßig zur Hämodialyse müssen.

Erhöhte Ferritinwerte treten deutlich seltener auf und werden häufig übersehen, weil sie erst spät Symptome zeigen. Sie sind das Leitsymptom der erblich bedingten Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose), die unbehandelt zu schweren Leberschäden führen kann. Auch bei einer Leberentzündung, Lebermetastasen und Erkrankungen, die mit einer Störung der Eisenaufnahmefähigkeit des Hämoglobins einhergehen, sind die Ferritinwerte erhöht. Ebenso bei einer Überdosierung von Eisenpräparaten oder zu häufigen Bluttransfusionen.

Symptome und Therapie

Niedrige Ferritinwerte in Verbindung mit Eisenmangel entwickeln sich in der Regel nur langsam und bleiben lange symptomlos. Zunächst treten häufig allgemeine Beschwerden wie Müdigkeit, Erschöpfung, Schwäche und Konzentrationsstörungen auf. Im weiteren Verlauf werden die Symptome spezifischer. Auffällig sind die bleiche Haut und blasse Schleimhäute und es können Schwindel und Kurzatmigkeit entstehen. Ein starker chronischer Eisenmangel führt zu trophischen Störungen, die sich als Mundwinkelrhagaden und brüchige Fingernägel äußern können. Wie bei allen Arten von Anämie können auch Herzrasen und Herzklopfen sowie das sogenannte Fatique-Syndrom auftreten, das mit quälender Müdigkeit und einem massiv erhöhten Ruhebedürfnis einhergeht. Die Therapie besteht zunächst in der Behandlung der Grunderkrankung und der Beseitigung der Ursachen für den Eisenmangel. Ist dies nicht möglich, muss das Eisen oral oder per Infusion substituiert werden.

Auch eine erhöhte Ferritin- und Eisenkonzentration zeigt zunächst allgemeine Symptome wie Müdigkeit, Reizbarkeit, Gelenkschmerzen und ausbleibende Regelblutung. Im fortgeschrittenen Stadium können Leberschäden, Herzrhythmusstörungen, Libidoverlust durch Testosteronmangel und Diabetes durch Funktionsstörungen der Bauchspeicheldrüse auftreten. Die Haut zeigt eine typische grau-metallische Färbung. Die Therapie zielt zunächst auf die Beseitigung der Ursachen, was im Fall von zu hoch dosierter Eisengabe einfach ist. Der erhöhte Eisengehalt im Blut durch eine Hämatochromatose wird klassisch durch wiederholte Aderlässe behandelt oder alternativ durch eine sogenannte Erythrozyten-Apherese, bei der dem Blut Erythrozyten entzogen werden. Allerdings sollte die Therapie so früh wie möglich einsetzen, da sonst schon irreversible Schäden entstanden sein könnten.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.