Gesundheitslexikon: Aderlass

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29. März 2019 - 14:10 Uhr

Aderlass, eine der ältesten Heilmethoden neu entdeckt

Der Aderlass gehört zu den ältesten medizinischen Behandlungsmethoden der Welt. Das Heilverfahren nahm im alten Ägypten und in China einen ebenso wichtigen Platz ein wie in der Antike und im Mittelalter. Auch in der ayurvedischen Medizin war der Aderlass nicht unbekannt. Einst als Allheilmittel gegen fast alle körperlichen Beschwerden eingesetzt, kommt diese Therapie heute nur noch bei wenigen Erkrankungen zur Anwendung.

Was ist der Aderlass?

Der Aderlass gilt als blutentziehendes Verfahren, das die Selbstheilungskräfte des Körpers anregen soll. Dabei wird gezielt Blut entnommen, wodurch es in den Blutgefäßen zu einem Flüssigkeitsverlust kommt. Der Körper ist gezwungen, diesen Verlust auszugleichen, was durch das nachfließende Blut geschieht. Der Blutverlust wird aber nicht nur ausgeglichen, sondern es bilden sich auch neue Blutzellen. Diese frischen Zellen arbeiten effektiver als die verbrauchten, was zu einer Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes führt. Das Blut kann nun mehr Sauerstoff aufnehmen, die Immunabwehr wird gestärkt.

Wie läuft ein Aderlass ab?

Bei einem Aderlass wird dem Patienten mittels einer Kanüle zwischen 50 ml bis maximal 500 ml Blut zumeist aus der Armvene entnommen. Nachdem die Einstichstelle desinfiziert ist, führt der Arzt die Kanüle in die Vene ein und lässt das Blut über einen Schlauch in ein Auffanggefäß fließen. Eine besondere Methode, Patienten zur Ader zu lassen, ist der Aderlass nach Hildegard von Bingen. Diese Behandlung wird ausschließlich an Tagen bei abnehmendem Mond durchgeführt. Nur an diesen Tagen sollen gute und schlechte Säfte getrennt werden, und eine entgiftende Wirkung soll gewährleistet sein.

Wo wird der Aderlass heute angewendet?

Der Aderlass kommt in der Schulmedizin, vor allem aber in der Naturheilkunde zur Anwendung. Während die Naturheilkunde auf die entgiftende Wirkung des Aderlasses setzt, wird diese Heilmethode schulmedizinisch vor allem bei der "Polycythaemia vera" eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, die durch krankhafte Vermehrung von roten Blutkörperchen charakterisiert ist. In der Folge wird das Blut dickflüssig. Mehrmalige Aderlässe bewirken hier meist eine schnelle Normalisierung des Blutvolumens. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist die Hämochromatose, eine Erkrankung des Eisenstoffwechsels. Hierbei kommt es durch den Aderlass zur Senkung des Eisengehaltes im Körper. Über bestimmte Erkrankungen hinaus gilt auch die Blutspende als Aderlass. Neueren Studien zufolge gibt es Hinweise darauf, dass diese Methode auch den Blutdruck senken kann.

Was ist bei einem Aderlass zu beachten?

Die Therapie sollte immer von einem ausgebildeten Arzt oder einem staatlich anerkannten Heilpraktiker durchgeführt werden. Vor dem Aderlass ist es empfehlenswert, eine körperliche Untersuchung vornehmen zu lassen. Zur Prävention kann der Patient ein- bis zweimal im Jahr zur Ader gelassen werden. Bei Krankheiten sollte diese Behandlung mehrmals jährlich erfolgen. Zu beachten ist, dass infolge des Blutverlustes der Blutdruck absinken kann. Sollten Sie unter niedrigem Blutdruck oder sogar unter Blutarmut leiden, ist von dieser Therapie abzusehen. Weitere Kontraindikationen sind:

- Infektionen

- Herzschwäche

- Herzrhythmusstörungen

- körperliche Schwäche

- Schwangerschaft

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.