Störung der Gehirnfunktion

Gesundheitslexikon: Enzephalopathie

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16. Juli 2019 - 10:34 Uhr

Enzephalopathie - krankhafte Veränderung des Gehirns

Der Begriff Enzephalopathie leitet sich aus dem griechischen Wort encephalon ab, was Gehirn bedeutet, und steht im Allgemeinen für Schädigungen des Gehirns.

Was ist Enzephalopathie?

Eine Enzephalopathie ist keine eigenständige Krankheit, sondern vielmehr ein Sammelbegriff für sämtliche pathologische Veränderungen des Gehirns. Dabei betreffen diese Veränderungen nicht nur bestimmte Gehirnabschnitte, sondern stets das Gehirn in seiner Gesamtheit. Ursache und Ausmaß der Enzephalopathie können sehr unterschiedlich sein. So gibt es neben der kardiopulmonalen auch die hepatische, die urämische und die Dialyse-Enzephalopathie. Die Diagnose wird mittels klinischer Untersuchungen, neuroradiologischer Verfahren und mit der Elektroenzephalografie (EEG) gestellt. Häufig sind die Schädigungen des Gehirns reversibel, in einigen Fällen bleiben bei den Betroffenen jedoch Schäden zurück.

Ursachen einer Enzephalopathie

Zum einen können der Enzephalopathie degenerative Veränderungen im Gehirn zugrunde liegen. Diese Veränderungen können belastungs- oder altersbedingt sein. Bei den systemischen Ursachen begründet sich die Enzephalopathie auf krankhafte Veränderungen anderer Organsysteme. So entwickelt sich die hepatische Enzephalopathie durch eine fortgeschrittene Lebererkrankung mit einer Funktionsstörung der Leber. Meist liegt der hepatischen Enzephalopathie eine Leberzirrhose zugrunde. Bei der nephrogenen Enzephalopathie tritt die Funktionsstörung des Zentralnervensystems (ZNS) infolge einer Niereninsuffizienz auf. Enzephalopathien können sich ferner im Rahmen einer HIV-Infektion, durch übermäßigen Alkoholkonsum oder als bovine spongiforme Enzephalopathie entwickeln.

Symptome eine Enzephalopathie

Das Spektrum der Veränderungen des ZNS reicht von leichten Erscheinungen bis hin zum komatösen Vollbild. Die neurologischen Symptome können plötzlich oder schleichend auftreten und werden häufig nicht von den Patienten, sondern von ihren Angehörigen bemerkt. Die Patienten können schläfrig und benommen sein oder eine ausgeprägte Unruhe aufweisen. Auch Schlafstörungen und Rührseligkeit gehören zu den typischen psychomotorischen Reizerscheinungen der Enzephalopathie. Die Betroffenen zeigen Konzentrations- und Orientierungsstörungen, auch Gangstörungen sind möglich. Weitere Symptome der Enzephalopathie sind:

- Psychosen

- Sprachstörungen

- Bewegungs- und Handlungsstörungen

- Krampfanfälle

- Apathie

- schrilles Schreien

- Verwirrtheitszustände

Diagnose einer Enzephalopathie

Bei der Diagnostik der Enzephalopathie müssen verschiedene andere Ursachen für neurologische Störungen ausgeschlossen werden. Zugleich ist eine Beurteilung des Schweregrades der Erkrankung erforderlich. Insbesondere bei komatösen Patienten muss zum Ausschluss eines Schlaganfalls ein Schädel-CT durchgeführt werden. Eine Unterzuckerung lässt sich durch die Bestimmung des Glukosespiegels im Blut ausschließen. Das Elektroenzephalogramm erfasst elektrische Ströme des Gehirns und liefert Hinweise auf Krampfpotenziale. Mithilfe psychometrischer Testverfahren ist zudem eine Stadieneinteilung möglich. Je nach Ursache der Enzephalopathie kommen weitere Verfahren zum Einsatz. So kann bei Verdacht auf eine hepatische Enzephalopathie beispielweise der Ammoniakgehalt im Blut bestimmt werden.

Therapie einer Enzephalopathie

Die Therapie richtet sich nach der Ursache. So zielt die Behandlung der hepatischen Enzephalopathie auf eine Verringerung des Ammoniakgehalts im Blut ab. Dazu erhalten die Patienten unter anderem Elektrolyte, Ornithin-Aspartat und Lactulose. Patienten mit einer nephrogenen Enzephalopathie werden hingegen mittels Dialyse behandelt. Dieses Verfahren befreit das Blut von Harnstoff und soll so eine weitere Schädigung des Nervengewebes verhindern. Therapie der Wahl bei der alkoholbedingten Enzephalopathie ist die absolute Alkoholabstinenz. Zudem erhalten die Betroffenen das Vitamin Thiamin in hohen Dosen und in Ergänzung Magnesium.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.