Keinerlei Interesse mehr an der Außenwelt

Gesundheitslexikon: Apathie

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7. März 2019 - 11:17 Uhr

Apathie: Kein Interesse mehr an der Welt

Haben Sie schon einmal beobachtet, dass sich jemand in Ihrem Umfeld apathisch verhalten hat? Um unangenehmen Situationen aus dem Weg zu gehen, klinken sich einige Menschen gerne auf Zeit aus der Welt aus und wirken so auf andere kaum noch ansprechbar.

Im medizinischen Fachjargon geht Apathie einen Schritt weiter und beschreibt einen Zustand der Teilnahmslosigkeit mitsamt scheinbarer Emotions- und Interessenlosigkeit, der von fehlender Ansprechbarkeit und mangelnder Aufnahmefähigkeit geprägt ist. Obgleich apathische Kurzepisoden annähernd jedem Menschen im Leben begegnen, hält echte Apathie über mehrere Tage an und deutet immer auf einen krankhaften Zustand der Psyche oder des Körpers hin.

Was ist Apathie?

Apathische Zustände liegen aus medizinischer Sicht vor, sobald eine Person keinerlei Interesse mehr an der Außenwelt zeigt. Apathie sollte nicht mit Emotionslosigkeit gleichgesetzt werden, kann allerdings von verminderter Reizaufnahmefähigkeit geprägt sein und aus diesem Grund zumindest den Eindruck eines emotionalen Mangelzustands vermitteln.

Nicht immer sind apathische Episoden ein Krankheitsanzeichen. Wiederholen sie sich aber regelmäßig und halten über mehr als einen Tag an, so kann nicht mehr von normalen Gemütszuständen die Rede sein. In der Psychologie kommt der Apathie als Krankheitssymptom eine ebenso große Rolle zu wie in der Neurologie.

Welche Ursachen und Symptome gibt es?

Echte Apathie geht auf neurologische oder psychische Erkrankungen sowie körperliche Belastungen zurück, so beispielsweise auf

- psychische Traumata wie Kriegserlebnisse oder Deprivation wegen Versorgungsmangel,

- Drogenkonsum und Arzneimittelwirkungen,

- neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz oder Morbus Alzheimer,

- die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit,

- die Chagas-Krankheit,

- Chorea Huntington,

- Vitamin-D-Mangel,

- psychische Erkrankungen wie Schizophrenie, Magersucht oder Depression,

- Autismus.

Die Begleitsymptome der Apathie hängen von der Ursache ab. Verbreitete Beschwerden sind Schläfrigkeit, depressive Verstimmungen und Appetitlosigkeit, aber auch Schlaflosigkeit kommt vor. Bei neurodegenerativen Erkrankungen kann sich die Apathie bis zum kompletten Persönlichkeitszerfall fortsetzen.

Wie sieht die Diagnose aus?

Bei kurzen Apathie-Episoden ohne Begleitsymptome müssen Sie nicht unbedingt einen Arzt aufsuchen, solange es sich um einen einmaligen Vorfall handelt. Psychische Belastungen wie Stress oder schwere Entscheidungen können auch ohne Erkrankung kurze Apathie-Phasen hervorrufen, die nach der Belastungssituation wieder vergehen.

Sobald sich aber Begleitsymptome einstellen, die apathische Episode länger andauert oder der Zustand zum wiederholten Mal auftritt, helfen neurologische Bildgebungen und allgemeinmedizinische Untersuchungen bei der Abklärung körperlicher Ursachen. Lassen sich körperliche Ursachen nicht feststellen, beurteilt ein Psychologe im persönlichen Gespräch den psychischen Zustand des Patienten und diagnostiziert gegebenenfalls psychische Belastungszustände oder Erkrankungen.

Therapie und Vorsorge

Die Apathie-Therapie hängt von der Ursache ab und umfasst bei neurodegenerativen Erkrankungen beispielsweise geistige Fördermaßnahmen zur Verzögerung der gehirninternen Abbauprozesse. Auch Schizophrenie lässt sich nicht ursächlich behandeln und gilt bislang trotz symptomlindernder Medikamente als unheilbare Erkrankung. Ein Vitaminmangel ist dank Vitamingabe mitunter am leichtesten zu beheben.

Bei psychischen Traumata findet eine Mischung aus medikamentöser Behandlung und psychotherapeutischen Gesprächen statt. Vorbeugen können Sie zwar nicht jeder Apathie-Ursache, allerdings lässt sich zumindest psychischen Auslösern mit Umgangsstrategien für Belastungssituationen begegnen. Auch die rechtzeitige Kontaktaufnahme mit Psychotherapeuten ist hier eine große Hilfe.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.