Arzneistoff aus der Klasse der H1-Antihistaminika

Gesundheitslexikon: Diphenhydramin

Diphenhydramin ist ein dämpfender, antiallergischer und anticholinerger Wirkstoff
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11. Juli 2019 - 9:16 Uhr

Diphenhydramin - früher Antihistermin, heute Beruhigungsmittel

Bei Diphenhydramin handelt es sich um einen schnell wirkenden Arzneistoff, der vorwiegend als Beruhigungsmittel (Sedativum) zum Einsatz kommt. Er wird rasch in den Blutkreislauf aufgenommen und entfaltet seine Wirkung bereits nach 30 bis 60 Minuten. Ursprünglich wurde der Wirkstoff in Medikamenten gegen Allergien eingesetzt. Da er jedoch zu den Antihistaminika der ersten Generation zählt und jene der zweiten Generation weitaus bessere Therapieerfolge erzielen, kommt er in Deutschland lediglich noch als Sedativum zur Anwendung.

Was ist Diphenhydramin?

Diphenhydramin ist ein Arzneimittelwirkstoff, der zu den Antihistaminika der ersten Generation gezählt wird. Die Wirkung entsteht durch Hemmung der Bindung von körpereigenem Histamin an die H1-Rezeptoren der Zellen. Es wird in Medikamenten für die kurzzeitige Therapie von Schlafstörungen verabreicht oder um Übelkeit beziehungsweise allergische Reaktionen zu mindern. Allerdings sind Antihistaminika der zweiten Generation bei Allergien wesentlich wirksamer, da sie nicht ins Gehirn gelangen und daher der unerwünschte Nebeneffekt ausbleibt, Müdigkeit zu verspüren. Der Wirkstoff wird über die Leber abgebaut und schließlich über die Nieren und den Harn ausgeschieden.

Wie wirkt Diphenhydramin?

Der Wirkstoff Diphenhydramin gehört zur Gruppe der H1-Antihistaminika und steht in Konkurrenz mit dem Botenstoff Histamin, der vom Körper produziert wird. Histamin wehrt körperfremde Stoffe ab, indem es H1-Rezeptoren besetzt. Wenn jedoch zu viel davon hergestellt wird, dann kommt es zu Übelkeit, Erbrechen oder Juckreiz der Haut. Die Einnahme von Diphenhydramin bremst diesen Überschuss und bindet sich an die Rezeptoren. Somit können allergische Reaktionen wie Rötungen, Schwellungen, das Absondern von Sekreten oder Brechreiz gelindert werden. Zudem hat der Wirkstoff eine beruhigende Wirkung. In Deutschland und der Europäischen Union sind Medikamente mit Diphenhydramin apothekenpflichtig, zur parenteralen Verwendung sogar verschreibungspflichtig.

Welches sind die Anwendungsgebiete?

Medikamente mit Diphenhydramin werden vor allem zur Behandlung von Allergien sowie bei den Symptomen bei Heuschnupfen, Juckreiz nach Insektenstichen oder Bindehautentzündungen eingesetzt. Weiterhin kommen diese Arzneimittel bei Sonnenbrand, Nesselfieber, Reisebeschwerden und Schwindel zur Anwendung. Außerdem werden sie im Rahmen beruhigender Therapiemaßnahmen verordnet, wie zum Beispiel Schlafstörungen und psychovegetativen Problemen, sowie zur Linderung von Brechreiz oder Übelkeit. Der Stoff passiert die Blut-Hirn-Schranke und wirkt auf bestimmte Botenstoffe im Gehirn. Diese Eigenschaft macht sich die Neurologie und Psychiatrie zunutze. In den USA wird Diphenhydramin etwa zur Behandlung bei Parkinson angewendet. Bei größeren Dosierungen kann der Wirkstoff halluzinogen wirken.

Das müssen Sie beachten

Arzneimittel, die Diphenhydramin enthalten, sollten nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, da sie zu einer Gewöhnung bis hin zur Abhängigkeit führen können. Nach Absetzen des Medikaments kann es zu Schlafstörungen kommen, weswegen die Dosis schrittweise verringert werden sollte. Eine Einnahme kann zu allergischen Reaktionen und Überempfindlichkeit führen. Außerdem sollte auf Alkoholkonsum bei einer Behandlung mit Diphenhydramin verzichtet werden. Weiterhin können unerwünschte Nebenwirkungen wie Benommenheit, Muskelschwäche, Herzrasen, Sehstörungen und Lichtempfindlichkeit auftreten. Auch Stimmungsschwankungen oder Magen-Darm-Beschwerden sind möglich. Während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Patienten mit Asthma, Epilepsie, Tumoren am Nebennierenmark oder Prostatahyperplasie bzw. -hypertrophie darf Diphenhydramin nicht eingenommen werden.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und Hinweise über Arzneimittel, hat jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt daher nicht die Beratung durch einen Arzt oder Apotheker. Da die Medizin sich ständig weiterentwickelt, sollten Sie immer die aktuelle Gebrauchsinformation zu Ihrem Arzneimittel sorgfältig durchlesen und Ihren Arzt oder Apotheker zurate ziehen.