Bauern in Bayern sauer, Naturschützer freuen sich

Gericht: Wolf darf nicht geschossen werden

Wölfe sind in Deutschland wieder heimisch geworden (Symbolfoto)
Wölfe sind in Deutschland wieder heimisch geworden (Symbolfoto)
© dpa, Armin Weigel, awe reu sab

21. Januar 2022 - 20:31 Uhr

Das Thema Wolf bewegt Deutschland. Für viele ist er ein beeindruckender Räuber, doch andere haben Angst. Dieser Konflikt wird immer öfter vor dem Gericht ausgetragen. So wie jetzt in Bayern. Hier wurde heute entschieden, dass der Chiemgauer Wolf vorerst nicht geschossen werden darf. Das Verwaltungsgericht München gab am Freitag den Eilanträgen des Bundes Naturschutz (BN) und der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe (GzSdW) statt, die sich gegen eine entsprechende Allgemeinverfügung der Regierung von Oberbayern wandten. Die Behörde hatte am Montag die - so das Amtsdeutsch - "zielgerichtete letale Entnahme" des Tieres zugelassen, um eine Gefährdung von Menschen zu verhindern.

Bayern: Gefahr für den Menschen nicht vorhanden

Das Gericht bewertete die Allgemeinverfügung in den Eilverfahren jedoch als voraussichtlich rechtswidrig. Eine Gefahr für Menschen oder die öffentliche Sicherheit, die eine sofortige Tötung des Wolfes erfordere, sei ist nicht vorhanden. In erster Linie seien weitere Aufklärungsmaßnahmen und gegebenenfalls eine Besenderung und Vergrämung des Tieres geboten. Aus keinem der bisher bekannten Vorfälle sei ersichtlich, dass sich der Wolf mit dem Gen-Code GW 2425m Menschen in nicht arttypischer Weise genähert hätte. Zudem gebe es seit 19. Dezember keine Erkenntnisse über den Verbleib des Wolfes.

Letztes Wort noch nicht gesprochen

Das letzte Wort ist aber nicht gesprochen: Gegen die Entscheidungen des Gerichts kann Beschwerde am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eingelegt werden.

Die Debatte geht solange hitzig weiter. Naturschützer, aber auch die Grünen im Landtag hatten keine Gefahr für Menschen gesehen. Sie begrüßten die Entscheidung des Gerichts und warfen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU), die den Abschuss befürwortet hatte, unter anderem "Wahlkampfgetöse" vor.

Die Freien Wähler wiederum sprechen schon von einem Problemwolf. "Es ist traurig, dass offensichtlich zuerst Menschen zu Schaden kommen müssen, ehe gehandelt werden darf", sagte Landtagsfraktionschef Florian Streibl. Wolfsangriffe nähmen zu: "Wir werden künftig nicht umhinkommen, den Wolfsbestand zu regulieren."

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Bauern sind enttäuscht

Besonders enttäuscht sind die Almbauern. Sie sorgten sich vor allem um den Almsommer, der etwa im Mai beginnt, sagte Hans Stöckl, Geschäftsführer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern. Schafe, Ziegen, Rinder und Pferde könnten gerade im unwegsamen Gelände nicht geschützt werden. "Vor allem Schafhalter werden sich überlegen, ob sie mit der Schafhaltung aufhören, wenn die Gefahr besteht, dass der Wolf weiter im Gebiet ist", sagte Stöckl. Zäune seien teuer und aufwendig. Herdenschutzhunde seien im dicht besiedelten und touristischen Oberbayern nicht möglich. "Das würde zu viele Konflikte geben." Denn die Hunde schützen - anders als Hütehunde - "ihre" Herde vor jedem, der etwa über die Weide läuft.

Die Almbauern wollen, dass Gebiete ausgewiesen werden, die nicht mit zumutbaren Maßnahmen geschützt werden können, im Wesentlichen gebirgige Regionen im Süden Bayerns. Dort müssten Wölfe dann schnell und unkompliziert "entnommen" werden dürfen.

Wölfe in Deutschland streng geschützt

Wölfe sind streng geschützt und dürfen nur ausnahmsweise geschossen werden. Zuletzt wurde in Bayern 1882 ein Wolf getötet.

Der Chiemgauer Wolf hatte in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land seit dem 13. Dezember 2021 mehrfach in der Nähe von Siedlungen Tiere gerissen. Zuletzt war ein Riss am 19. Dezember nachgewiesen worden. Seitdem fehlt von dem Wolf jede Spur.