13-Jährige schwieg, weil Mutter ihr nicht glaubte

Kondom überführt Mann, der Stieftochter missbrauchte – Richter: "Wie blöd muss ein Täter sein?"

Im Mülleimer entsorgte Kondome wurden dem Täter zum Verhängnis (Symbolbild).
Im Mülleimer entsorgte Kondome wurden dem Täter zum Verhängnis (Symbolbild).
© picture alliance / imageBROKER, Thomas Knauer

26. November 2021 - 12:51 Uhr

Stiefvater missbrauchte Mädchen mehrfach

Den Horror erlebte ein Mädchen aus Thüringen in der eigenen Familie: Mehrfach wurde die heute 13-Jährige von ihrem Stiefvater (37) missbraucht. Weil ihre Mutter ihr nicht glaubte, schwieg sie vor Gericht. Der Täter kommt dennoch in den Knast: Er hatte Kondome im Mülleimer der Familie im Altenburger Land entsorgt – die daran gefundenen Spuren wurden ihm zum Verhängnis. Das Landgericht Gera hat den 37-Jährigen am Donnerstag zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

Landgericht Gera ließ Kondome forensisch untersuchen

"Bei einer Durchsuchung des Angeklagten wurden nach der Tat zwei Kondome gesichert, die in einem Mülleimer in seiner Wohnung gefunden wurden", erklärte Gerichtsprecher Florian Förster. "Diese Kondome hat das Gericht im Wege eines sogenannten RNA-Gutachtens forensisch untersuchen lassen."

Richter zum Stiefvater: "Es waren Kondome des Grauens"

Richter Harald Tscherner drückte es drastischer aus. "Wie blöd muss ein Täter sein, dass er die Kondome nicht anders entsorgt?", sagte er nach dem Urteil zum Sextäter. "Nicht im Klo oder einer Kläranlage, sondern im Mülleimer. Natürlich dumm, die Kondome haben zur Verurteilung geführt. Es waren Kondome des Grauens, ohne Kondom wären Sie nicht verurteilt worden."

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Der 37-Jährige wurde zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.
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Nicht nur gegen den Täter teilte der Richter aus, sondern auch gegen dessen Anwälte sowie die Mutter und den Großvater der 13-Jährigen. "Das Mädchen wurde von den Verteidigern durch den Schmutz gezogen", sagte Tscherner. "Unterirdisch" sei das Verfahren gewesen. "Die Mutter hat sich lustig gemacht und gesagt, dass sich ihre Tochter an die Männer werfe." Und der Anwalt habe das Mädchen als "pubertierende Hyäne, die über Leichen geht" bezeichnet.

Dem Richter zufolge setzen Mutter und Großvater die 13-Jährige unter Druck, weshalb sie nicht aussagte und auch frühere Aussagen nicht verwertet werden durften. Die beiden hätten "mitgeholfen, dass das Mädchen durch den Wind ist". Aber die 13-Jährige habe einer Freundin anvertraut, dass sie bereits seit dem neunten Lebensjahr von ihrem Stiefvater missbraucht werde.

Thüringen: Nur zwei Missbrauchsfälle waren beweisbar

Laut Harald Tscherner wurden nur zwei Fälle von Oktober und November 2020 angeklagt, "die beweisbar waren". Es sei aber wegen 260 Taten gegen den 37-Jährigen ermittelt worden. Der Richter sprach ihn des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und des schweren sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen in zwei Fällen schuldig. Der Haftbefehl wird aufrechterhalten, ist aber weiterhin außer Vollzug gesetzt. (bst)