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Gera: Gericht verurteilt Robert S. wegen Tod von Emma (2) durch Schütteltrauma - Oma geht es furchtbar

Nach Schütteltod: Viereinhalb Jahre Haft für Freund der Mutter

Oma der getöteten Emma (2): "Es geht mir furchtbar"

Geblurrtes Bild von der kleinen Emma, deren mutmaßlicher Mord am Landgericht Gera verhandelt wird.
Emma starb mit nur zwei Jahren an einem Schütteltrauma
privat

Die zweijährige Emma ist im Jahr 2020 vom Freund ihrer Mutter so stark geschüttelt worden, dass dem kleinen Mädchen kein Arzt mehr helfen konnte. Am Donnerstag ist vor dem Landgericht Gera das Urteil gefallen: Robert S. muss wegen Körperverletzung mit Todesfolge für viereinhalb Jahre ins Gefängnis.

Richter: Sie sind am Tod von Emma schuldig

Schütteltod-Prozess in Gera: Emmas Großeltern
Der Prozess vor dem Landgericht Gera wühlte Emmas Großeltern sichtlich auf.
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„Ich hätte es nicht gedacht, aber es geht mir furchtbar“, sagt Emmas Oma Manuela K. unter Tränen zu RTL-Reporter Frank Vacik. Zu aufwühlend sei der Prozess und die Urteilsverkündung gewesen. Zuvor hatte Manuela K. auf Gerechtigkeit für ihre Enkelin gehofft.

Robert S. war vorgeworfen worden, im September 2020 das damals zwei Jahre alte Kind seiner Freundin so stark geschüttelt zu haben, dass es zwei Tage später starb. Emma sei an einem Hirnödem und inneren Blutungen - einem sogenannten Schütteltrauma - gestorben.

Zum Prozessauftakt hatte Robert S. eingeräumt, die Zweijährige geschüttelt zu haben. Der 30-Jährige stellte den Vorfall jedoch als Unfall dar. Das Mädchen sei beim Spielen auf die Bettkante gefallen. Anschließend habe er es geschüttelt, damit es wieder Luft bekomme.

Die erste Strafkammer des Landgerichts Gera schenkt dem jedoch keinen Glauben, verurteilt den Mann zu viereinhalb Jahren Gefängnis. „Sie haben in einem Augenblick ihre Beherrschung verloren, die Emma das Leben kostete. Sie sind am Tod von Emma schuldig. Müssen damit ein Leben lang leben“, so der Richter in seiner Urteilsbegründung.

Am Tattag sei Robert S. erst zum dritten Mal mit der kleinen Emma allein gewesen. Die Kindsmutter musste schnell zur Ausbildung, der 30-Jährige - ganz ohne Erfahrung mit Kindern - sei laut Richter überfordert gewesen. Um das Kind zu beruhigen, habe er Emma fünf bis zehn Sekunden in einer ausgeprägten Pendelbewegung geschüttelt. Zu viel für das Mädchen. Zwei Tage nach diesem Vorfall ist Emma tot.

Gera: Staatsanwaltschaft forderte acht Jahre Haft

Die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage (leiblicher Vater) hatten acht Jahre Haft wegen Totschlags gefordert, die Verteidigung eine Freiheitsstrafe auf Bewährung von maximal zwei Jahren. Weil Robert S. die Verantwortung für Emmas Tod nicht bestritt, die Tat bereute und der 30-Jährige beim leiblichen Vater um Verzeihung bat, reduzierte die Haftstrafe entsprechend. Robert S. habe Emma in einer affektiven Überforderungssituation geschüttelt, somit sei außerdem kein hinreichender Tötungsvorsatz vorhanden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Dass das Gericht nicht das gesamte Strafmaß ausreizt, findet Emmas Oma „unangemessen.“ Unter Tränen verlässt sie den Gerichtssaal. Jetzt, nach dem Urteil wollen sie und ihr Mann endlich zur Ruhe kommen. In ihrem Hinterhof haben sie für ihre Enkelin eine kleine Gedenkstätte eingerichtet. Einen kleinen Garten für ihre verstorbene Emma: "Wir schließen sie ja nicht aus, nur weil sie nicht mehr da ist. Sie ist für uns immer da", bekräftigt Manuela K. im RTL-Interview.

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Nach Angaben der Thüringer Kinderschutzambulanz kommt es immer wieder zu solchen Fällen in Thüringen. Am Landgericht Gera läuft derzeit noch ein ähnliches Verfahren gegen eine Pflegemutter, die ein elfmonatiges Kind so stark geschüttelt haben soll, dass es starb.

Vergangene Woche kam ein 35-Jähriger aus Bad Lobenstein in Untersuchungshaft. Er wird verdächtigt, seine drei Monate alte Tochter zu Tode geschüttelt zu haben. (kra)