Strategie-Superhirn Hannah Schmitz

Ein "Genie": Die Frau hinter Verstappens Triumphen in der Formel 1

2022-07-29 15:06:09 BUDAPEST - Hannah Schmitz, strategy engineer at Red Bull Racing, during the first practice session ahead of the F1 Hungarian Grand Prix at the Hungaroring Circuit. ANP REMKO DE WAAL netherlands out - belgium out Boedapest xVIxxIVx
Die Frau hinter Max Verstappens Erfolg: Hannah Schmitz, Rennstrategin.
www.imago-images.de, IMAGO/ANP, IMAGO/Remko de Waal

Max Verstappen dominiert die Formel-1-Saison 2022 im Stile eines Michael Schumacher und Lewis Hamilton. Er tut dies unter anderem, weil er wie Schumacher (mit Ross Brawn) und Hamilton (James Vowles) ein Strategie-Superhirn an seinem Red-Bull-Kommandostand weiß. Hannah Schmitz – die Frau hinter Verstappens Triumphzug. Ein „vielleicht“ gibt es bei ihr nicht. Schmitz trifft Entscheidungen, die über Siege und Titel entscheiden. Jüngst wurde sie in Sozialen Netzwerken angefeindet. Doch sie hat ihre eigene Art, mit Stress umzugehen.

In Stressmomenten "wahnsinnig ruhig"

Verstappen kann die kurze rennfreie Auszeit entspannt mit Freundin Kelly Piquet genießen. Schon bei der nächsten Dienstreise steht er vor der möglichen zweiten Krönung zum Formel-1-Weltmeister. Denn unter Umständen ist es schon am 2. Oktober in Singapur und damit zwei Tage nach seinem 25. Geburtstag soweit. Zweifel am erneuten Triumph des Niederländers gibt es nicht mehr. Das hat mehrere Gründe: Unter anderem fährt Verstappen schnell, fehlerfrei und konstant, zudem ist der Red Bull das stärkste Auto im Feld. Und dann gibt es da noch sie...

Ihr Name: Hannah Schmitz. Jobbezeichnung: leitende Strategie-Ingenieurin. Prädikat: besonders wertvoll. Verstappen sagte einmal über Hannah Schmitz, als die Britin in höchsten Stressmomenten „wahnsinnig ruhig“ geblieben war: „Sie ist sehr gut.“ Die „Gazzetta dello Sport“ pries sie bereits als „Genie“.

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Horner: Schmitz ist "Dreh- und Angelpunkt"

„F1 Strategin, Elternteil von 2, liebe, was ich tue“, schreibt Hannah Schmitz über sich bei Instagram. Etwas mehr als 33 000 Follower hat sie. Nach der Sommerpause wollte sie als Social-Media-Neuling eigentlich ein bisschen mehr posten. Vier Beiträge sind es erst seit dem ersten im November 2019, als sie mit Sieger Verstappen in São Paulo aufs Podest durfte.

Es hatte einen Grund: Schmitz, die zur Beruhigung immer die Handflächen flach nach innen auflegt, hatte mit einer mutig-aggressiven Strategie den Weg zu Verstappens Sieg geebnet. Und so macht sie es auch in diesem Jahr auf dem Weg zu dessen zweitem WM-Titel. Schmitz' Rolle am Kommandostand sei „der Dreh- und Angelpunkt“, betonte Teamchef Christian Horner.

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Von der Praktikantin zur Chefstrategin

Schmitz ist Cambridge-Absolventin, Mutter von zwei Kindern, gibt ansonsten wenig Privates preis. Sie sagt von sich, dass sie alle ihre Vorhaben plane. Beispiel: Wenn es mit der Familie auf Reisen geht, werden die Sachen am Tag vorher gepackt.

Ihre Reise in die Formel 1 begann 2009. Schmitz startete als Praktikantin bei Red Bull Racing. Sie arbeitete danach im Strategie-Team des Rennstalls, als Sebastian Vettel dort noch erfolgreich war. Seit rund anderthalb Jahren ist sie jetzt die Chef-Strategin.

„Strategie, Mut zum Risiko, Geistesblitze, das perfekte Gespür für Daten und die nötige Ruhe, um glasklare Entscheidungen in der Hektik eines chaotischen Rennens zu treffen“, benötige es in der Formel 1, schrieb in diesem Jahr die „Kleine Zeitung“ aus Österreich, und weiter: „Kaum eine Person verbindet diese Eigenschaften derzeit so wie Hannah Schmitz.“
Sie sei „glasklar“ in ihren Entscheidungen, das Wort „vielleicht“ gebe es bei ihr nicht, sagte Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko.

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Schmitz wurde übel beleidigt

Schmitz, die von einem großen Team unterstützt wird - während der Rennen hören zum Beispiel Studentinnen und Studenten den kompletten Funkverkehr zur weiteren Auswertung ab - hat sich in einer noch immer männlich geprägten PS-Welt durchgesetzt. „Als Strategin musst du unzähligen Leuten sagen, was sie zu tun haben - und sie müssen dir zuhören, also kommt es darauf an, Vertrauen aufzubauen, und ich denke, dass das als Frau sehr viel schwieriger ist“, erklärt sie auf der Homepage des Rennstalls. Diesen Respekt habe sie sich mittlerweile erarbeitet.

Respekt, der aber manchmal auch verloren geht. Erfolg bringt das schnell mit sich. So wie unlängst beim Heimerfolg Verstappens in den Niederlanden. Dass ein Rennauto des Red-Bull-Schwesterteams Alpha Tauri liegengeblieben war und für eine Safety-Car-Phase gesorgt hatte, befeuerte die Verschwörungsfantasien mancher Formel-1-Fans. In Sozialen Netzwerken wurde Schmitz nach dem Rennen teilweise übel beleidigt. Ein solches hasserfülltes Verhalten sei nicht zu tolerieren, betonte Alpha Tauri und wies Vorwürfe einer Zusammmenarbeit zurück.

Offensichtlich unbeeindruckt von den Hass-Nachrichten fand Schmitz beim Rennen in Monza erneut die ideale Strategie aus Milliarden von Daten. Denn auch in Italien gewann der im Klassement aktuell mit 116 Punkten führende Verstappen. Mit den „kalkulierten Entscheidungen“ von Schmitz und ihrem Team habe Red Bull alle Informationen zur Hand, um Rennen zu gewinnen, heißt es in einem Beitrag auf der Rennstall-Homepage. Da kann der alte und womöglich schon bald auch neue Weltmeister ein paar Tage ohne Rennstrecke noch entspannter genießen. (dpa/mar)