Gemeinsamer Protest bei der EM

Auch Jogi Löw kniet nieder

Auch er nahm am Protest teil: Joachim Löw.
Auch er nahm am Protest teil: Joachim Löw.
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29. Juni 2021 - 18:33 Uhr

Es war nur eine kleine Geste, aber eine mit großer Wirkung. Als sich die deutsche und die englische Fußball-Nationalmannschaft kurz vor dem Anpfiff ihres EM-Achtelfinals auf den "heiligen" Rasen von Wembley knieten, gab es ein paar Pfiffe und Buhrufe - doch die wenigen Ewiggestrigen wurden vom überwältigenden Rest der 45.000 Fans sofort mit Applaus zum Schweigen gebracht.

Absprache der Kapitäne

England und Deutschland gehen vor ihrem EM-Achtelfinale in die Knie - ein Zeichen gegen Rassismus.
England und Deutschland gehen vor ihrem EM-Achtelfinale in die Knie - ein Zeichen gegen Rassismus.
© Imago Sportfotodienst

Die Kapitäne Manuel Neuer und Harry Kane hatten sich abgesprochen, und Timo Werner ging im Mittelkreis um 16.59 Uhr Ortszeit als erster Spieler auf die Knie. Es war ein historisches Zeichen für Vielfalt - und gegen Rassismus. "Wir stehen für Toleranz und gegen jegliche Art von Diskriminierung und wollen uns solidarisch zeigen mit der Nationalmannschaft von England", sagte Torhüter Neuer über den ersten Kniefall der DFB-Auswahl überhaupt: "Wir ziehen da gerne mit und mussten nicht lange darüber nachdenken."

Neuer diente zudem Kane mit seiner Regenbogenbinde als Inspiration: Auch der Engländer zog sich den bunten Stoff über den Oberarm. "Das ist ein starkes Zeichen", sagte Neuer. Die Botschaft: Bei aller Rivalität gibt es gemeinsame Werte, die eine enorme Bedeutung für die Gesellschaft haben. Es sei aber wichtig, dass es "dann nicht bei reiner Symbolik bleibt", sagte Antonio Rüdiger im Spiegel-Interview, "sondern sich alle Beteiligten auch im Alltag an diese Werte halten und sie vermitteln."

"Wir stehen für all diese Werte"

Der Kniefall hat seinen Ursprung in der NFL. Dort protestierte der schwarze Quarterback Colin Kaepernick Ende 2016 beim Abspielen der amerikanischen Nationalhymne auf diese Art. Er wollte aufmerksam machen auf die Diskriminierung Schwarzer, auf Polizeigewalt und Rassismus. Der Quarterback steckte viel Kritik ein, nicht nur der damalige US-Präsident Donald Trump beschimpfte ihn. Der Quarterback aber blieb hartnäckig und trug die Konsequenzen. Nachdem sein Vertrag bei den San Francisco 49ers aus allerdings rein sportlichen Gründen nicht verlängert wurde, ist er bis heute ohne Vertrag. Sein Kniefall aber ging um die Welt, er inspirierte Tausende Nachahmer in unterschiedlichsten Sportarten.

Englands Fußball-Nationalmannschaft geht schon seit Wochen auf die Knie. Anfangs gab es für die Three Lions viele Pfiffe, mittlerweile erfahren sie meist Zuspruch von ihren Fans. Das deutsche Team solidarisierte sich nun mit den Engländern, auch wenn intern kontrovers diskutiert wurde, ob diese Art des Protests aus Sicht eines deutschen Teams glaubwürdig erscheint.

Andererseits hätten die Bilder von stehenden Deutschen vor knienden Engländern eine fatale Außenwirkung gehabt. Das wollten der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Spieler unbedingt vermeiden. "Wir stehen für all diese Werte und finden es richtig, dass man sich für solche Werte stark macht", sagte Bundestrainer Joachim Löw, der wie sein Gegenüber Gareth Southgate ebenfalls kniete: "Die Mannschaft hat besprochen, was zu tun ist und uns gesagt, dass sie auch den Kniefall machen wird. Das ist ein tolles Zeichen."