„Ich muss mir das nicht mehr anhören"

Mit seinem Latein am Ende! Arzt behandelt keine Ungeimpften mehr!

Dr. Paul Offenberger behandelt künftig keine Patienten mehr, die sich nicht gegen Corona impfen lassen wollen.
Dr. Paul Offenberger behandelt künftig keine Patienten mehr, die sich nicht gegen Corona impfen lassen wollen.
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29. November 2021 - 11:13 Uhr

Kein Zutritt für Corona-Ungeimpfte!

Dr. Paul Offenberger ist Arzt. Mit seinem Latein scheint er in gewisser Hinsicht dennoch am Ende zu sein – zumindest, was Menschen betrifft, die sich immer noch nicht gegen das Coronavirus haben impfen lassen. "Ich bin einfach verzweifelt, wenn meine Expertise nicht angenommen wird, dann habe ich eben kein Angebot", sagt der 69-Jährige, der eine Praxis im Allgäu betreibt. Und er hat einen Entschluss gefasst. Er wird künftig keine ungeimpften Patienten mehr behandeln. Darüber hat unter anderem der "Bayrischer Rundfunk" am Donnerstag (25. November) berichtet. Über Nacht erntete Dr. Offenberger einen Shitstorm. Aber: Er steht zu seiner Entscheidung, wie er im RTL-Interview erklärt!

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Warum behandelt Dr. Offenberger keine Ungeimpften mehr?

Zunächst aber stellt Dr. Offenberger klar, warum er künftig keine ungeimpften Patienten mehr behandeln möchte und führt drei Argumente auf.

  1. "Wenn in so einer zentralen medizinischen Frage einem Experten, als den ich mich doch bezeichnen möchte, nicht vertraut wird, mit Argumenten dagegen gehalten wird, die vollkommen unwissenschaftlich und jeglicher Vernunft sind, dann kann ich das Arzt-Patienten-Verhältnis nicht mehr aufrechterhalten."
  2. "Die Patienten, die nicht geimpft sind, tragen ein höheres Risiko, das Virus in die Praxis zu schleppen, sodass andere Patienten, die zwar geimpft sind, aber trotzdem angesteckt werden können, auch gefährdet sind. Auch das Personal, auch ich – obwohl das Personal und auch ich dreifach geimpft sind – müssten geschützt werden. Ich gehöre zum Beispiel zur vulnerablen Gruppe – ich werde im nächsten Monat 70 Jahre alt."
  3. Die Gespräche mit Impfgegnern: "Ich muss mir das nicht mehr anhören. Das ist ja fast unsäglich. Die nehmen mir die Zeit weg, diese Patienten mit ihrer Überzeugungswut von pseudo-medizinischen Argumenten. Das geht von der Alchemie über Verschwörungstheorien bis zu pseudo--religiösen Argumenten, von wegen dieser Impfstoff käme von Föten oder Embryonen, die illegal abgetrieben worden sind aus Schweden. Das ist kein verhältnismäßiges Argument, selbst der Papst empfiehlt die Impfung natürlich."

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Der Shitstorm

Nachdem der Arzt mit seiner Entscheidung an die Öffentlichkeit gegangen ist, hagelte es Kritik im Netz, zum Teil auch weit unter der Gürtellinie, wie Dr. Offenberger schildert: "Es kam heute Nacht ein riesiger Shitstorm auf mich zu über E-Mail-Plattformen, meistens anonym." In einer E-Mail, die RTL vorliegt und die von einem anonymen Absender mit der E-Mail-Adresse "leckmich@amarsch.de" abgesendet worden ist, schreibt eine anonyme Person: "Mögen Sie zur Hölle fahren! 'Ärzten' wie Ihnen sollte man die Zulassung entziehen!" Dr. Offenberger hat diese E-Mail an die Kriminalpolizei in Kempten weitergeleitet, will prüfen lassen, ob eine Anzeige wegen Beleidigung angesichts der Anonymität sinnvoll ist.

Das Erstaunliche ist aber: "Meine eigenen Patienten, die ich jetzt leider entlassen habe – 30 oder 40 an der Zahl – haben das mit großem Respekt aufgenommen, alles liebe Leute", schildert der erfahrene Arzt. Er habe sie vorher alle persönlich informiert.

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"Falls Sie bislang noch nicht gegen Covid19 geimpft sind und es auch nicht möchten, haben wir ein Problem!"
"Falls Sie bislang noch nicht gegen Covid19 geimpft sind und es auch nicht möchten, haben wir ein Problem!"
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Die Patienten

Dr. Offenberger erklärt weiter: "Das sind in der Regel nur Unwissende, die haben auch eine Angststörung häufig, die ich aber auch lange versucht habe zu behandeln, aber irgendwann hat man die Kraft nicht mehr. Natürlich sind da aber auch überzeugte Verschwörungstheoretiker dabei." Dennoch wolle er diese Menschen auch nicht im Regen stehen lassen: "Ich habe sogar einen Arztkollegen hier im Dorf angerufen und gefragt, ob er vielleicht bereit ist, diese Patienten zu übernehmen", sagt er und resümiert: "Ich habe den Patienten eine Brücke gebaut, und gesagt, selbstverständlich können sie übergangsweise – bis sie einen neuen Hausarzt gefunden haben – bei mir Wiederholungsrezepte bekommen, die eine Vertrauensperson abholt, die geimpft ist – oder ich schicke diese Rezepte per Post zu." Außerdem betont der Mediziner, dass sich nur ein sehr kleiner Teil seiner Patienten gegen eine Corona-Schutzimpfung entschieden habe. Er leiste schon seit einem Jahr Aufklärungsarbeit, unter anderem auch bei Asylbewerbern aus der Region.

In Aslyheimen geimpft

"Ich bin in die beiden Asylheime gefahren, habe sie überzeugt – zum Teil mit Dolmetschern oder Sozialarbeitern – und alle durchgeimpft. Auch in Altenheimen habe er vor allem bei Pflegerinnen und Pfleger Überzeugungsarbeit geleistet. Die Entscheidung, Ungeimpfte künftig nicht mehr zu behandeln, habe er sich nicht leicht gemacht: "Ich habe Tage und Nächte lang gebrütet über diese Frage, habe mich auch vom ärztlichen Kreisverband rückversichern lassen, dass ich standesrechtlich oder strafrechtlich keinen Fehler mache." Und so ist für ihn weiter klar, dass er trotz des Shitstorms und der Beleidigungen künftig keine ungeimpften Patienten mehr behandeln wird. (xst)