"Widerwärtiger" Vorfall in Berlin

Polizist (60) stirbt in Streifenwagen - Gaffer filmt und verspottet ihn

20. November 2021 - 10:46 Uhr

Nach Unfall mit Streifenwagen: Passant filmt sterbenden Mann statt ihm zu helfen

Es ist entsetzlich! Ein Polizist (60) hatte in der Nacht auf Mittwoch in seinem Streifenwagen einen "medizinischen Notfall" erlitten und dadurch einen Unfall gebaut. Ein Augenzeuge sah den Beamten schreien und um sich schlagen. Doch statt ihm zu helfen, filmte er den leidenden Mann, machte sich über ihn lustig und postete das Video im Internet. Wenig später stirbt der Polizist im Krankenhaus.

Gaffer filmt Szene in Streifenwagen durchs Seitenfenster

Laut Polizei ereignete sich der Vorfall am Mittwoch gegen 3 Uhr im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg. Der 60-Jährige sei mit dem Einsatzfahrzeug unterwegs gewesen, als er einen "medizinischen Notfall" erlitten habe, berichtet der "Tagesspiegel".

Der Augenzeuge soll den Unfall beobachtet und die Szene aus direkter Nähe durch ein Seitenfenster des Fahrzeugs mit seinem Smartphone gefilmt haben. Der Polizist habe nach Luft gerungen und unkontrolliert gestikuliert. Dabei soll er auch das Gaspedal durchgetreten haben.

Polizist ringt mit dem Tod und wird verspottet

Laut dem Bericht erlitt er offensichtlich einen Anfall. Im Video bezeichnete der Gaffer den Beamten als "völlig besoffen" und rief ihm zu: "Gib Gas, hau ab, die Bullen kommen gleich."

Doch dass der Mann ums Leben kämpft und er eigentlich Erste Hilfe leisten müsste, kam ihm wohl nicht in den Sinn. Auch als andere Polizisten am Unfallort eintragen, soll der Mann weiter gefilmt haben. Kurz darauf stellte er das Video online, löschte es dann aber wieder.

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Auf seinem Instagram-Profil veröffentlicht: Rene M. mit Jasmin Rühle liiert

Laut "Berliner Morgenpost" sei das Video am Mittwoch von Rene M. auf Instagram gepostet und am Donnerstag wieder gelöscht worden. Auf seinem Profil mit rund 15.700 Followern bezeichnet sich der Mann als "Person des öffentlichen Lebens".

Weiter heißt es, er sei mit Jasmin Rühle liiert, die unter anderen durch die Reality-Soap "Berlin – Tag und Nacht" bekannt geworden ist. Ob er auch der Urheber des Videos ist, konnte bislang nicht bestätigt werden.

Polizei bezeichnet Video als "geschmacklos und strafbar"

Die Berliner Polizei reagierte noch am Abend auf den Vorfall und veröffentlichte einen Tweet dazu:

Darin bezeichnet die Polizei die Verbreitung des Videos als "geschmacklos" und "strafbar". Ein Verfahren wegen unterlassener Hilfeleistung werde geprüft, heißt es. "Unser Kollege ist kurz nach den Aufnahmen verstorben."

Followerzahl wichtiger als die Würde des sterbenden Polizisten

Die Berliner Polizeipräsidentin wurde in einem offiziellen Statement noch deutlicher: "Dieses Video ist abscheulich, die Veröffentlichung unerträglich! Es macht mich fassungslos und wütend. Selbst wenn man einer Fehleinschätzung der Situation unterliegt, ist es widerwärtig, ein solches Video zu erstellen, um damit einen hilflosen Menschen – einen hilflosen Menschen in Uniform – herabzuwürdigen."

Weiter schreibt sie: "Es ist widerwärtig, dass der Wert der Followerzahl und die vermeintliche Möglichkeit, die Polizei Berlin in den Schmutz zu ziehen, offenbar wichtiger war, als die Würde unseres Kollegen, eines Menschen, zu respektieren."

Auch die Gewerkschaft der Polizei Berlin (GdP) äußerte sich zu dem Vorfall. Sprecher Benjamin Jendro sagte: "Es schockiert uns, dass man lieber zum Smartphone greift und draufhält, anstatt einem offensichtlich in Not geratenen Menschen zu helfen." (mor)