Wildgänse auf Amrum

Gänsemist soweit das Auge reicht - Ministerpräsident verspricht Bauern Lösungen zu finden

Gänsekot auf Feldern und Weiden - ein Problem für die Landwirtschaft.
Gänsekot auf Feldern und Weiden - ein Problem für die Landwirtschaft.
© RTLNord

02. Juni 2021 - 18:08 Uhr

Naturschutz oder Landwirtschaft?

Für die einen ist sie Symbol für erfolgreichen Naturschutz, für die anderen die größte Bedrohung ihrer Existenz. Die Weißwangengans, besser bekannt als "Nonnengans", spaltet die Gemüter von Vogelschützern und Bauern. Ein jahrelanger Streit, der jetzt die Landesregierung auf den Plan ruft: Bei seinem heutigen Besuch auf Amrum verspricht Ministerpräsident Daniel Günther Lösungen zu finden.

Acht Millionen Euro Schaden jährlich

Oke Martinen ist sauer, als er Ministerpräsident Daniel Günther am Mittag auf Amrum gegenüber steht. "Das Problem mit der Gans ist, dass sie natürlich unseren Ertrag mindert, dass sie unsere Ernte wegfrisst, Gras und unser Getreide. Und zum anderen macht sie ein Teil unseres Futters unbrauchbar durch ihren Gänsekot. Und das ist das noch Schlimmere.", klagt der 23-Jährige. Seit Jahren kämpft der Landwirt vergeblich für eine Lösung bei dem Wildgänseproblem auf seinen Weiden. Seine Existenz ist bedroht, genau wie die vieler anderer Landwirte in Schleswig-Holstein. Denn durch sogenannte "Fraßschäden" von Wildgänsen kommt es nach Schätzung des Schleswig-Holsteinischen Bauernverbandes jährlich zu acht Millionen Euro Verlusten in der Landwirtschaft.

Noch vor 50 Jahren war die Nonnengans vom Aussterben bedroht

Nonnengänse auf Amrum
Nonnengänse auf Amrum
© RTLNord

Nonnengänse fühlen sich nicht nur auf Amrum, sondern im gesamten Nord-Ostsee-Raum immer wohler. Seit Jahren wächst die Population dieser Zugvögel, die eigentlich zwischen Nordsibirien, dem Wattenmeer und den westeuropäischen Atlantikküsten pendeln - mittlerweile aber gerne auch komplett in Deutschland überwintern. Grund dafür, erklärt der NABU, ist das in den 70erJahren verhängte Jagdverbot, das die Art vor dem Aussterben bewahren sollte. Außerdem, so der NABU in seinem aktuellen Thesenpapier weiter, bietet "die Intensivierung der Landwirtschaft, den Gänsen energiereiches Grünfutter während der Frühjahrsrast".

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Abschießen oder Vergrämen

Ein großes Problem für die Landwirte, die von der Landesregierung eine Lizenz zur sogenannten "jagdlichen Nutzung" der wachsenden Bestände fordern. Genau wie in den Niederlanden und Dänemark sollten die Nonnengänse auch in Schleswig-Holstein ins Jagdrecht aufgenommen werden, so Klaus-Peter Lucht, Vize-Präsident des Schleswig-Holsteinischen Bauernverbandes im Interview mit RTL Nord. "Wir müssen eine Koexistenz herbeiführen," fordert der Landwirt. "100.000 Nonnengänse, da freut sich jeder dran, aber 360.000 sind einfach zu viel. Das müssen wir mit Bejagung machen."

Naturschützer sehen das ganz anders. Statt die Gänse abzuschießen, sollten sie von landwirtschaftlich genutzten Flächen "vergrämt", d.h. auf andere Grünflächen getrieben werden.

Daniel Günther: "Wäre auch für Touristen nicht so richtig geil"

Für Ministerpräsident Daniel Günther steht nach seinem heutigen Besuch auf Amrum fest, eine Lösung muss dringend her, "Das ist keine Sache, wo man jetzt noch Jahre warten kann", erklärt Günther im RTL-Interview und verspricht, sich mit dem Thema in der Landesregierung zu befassen. Genau wie der Bauernverband setze er sich für eine Koexistenz von Landwirtschaft und Vogelschutz. Dabei sei es wichtig, die Landwirtschaft auch als Kulturgut zu erhalten, so Günther. "Man stelle sich mal so eine Insel ohne Landwirtschaft vor. Das wäre auch für Touristen nicht so richtig geil, hierher zu kommen", so der Ministerpräsident.